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Im Gespräch: Volker Kersting : „An Lionel Messi hängt sich in der Talentförderung jetzt alles auf“

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Mustermainzer: Angreifer André Schürrle (links) spielt dank guter Ausbildung inzwischen für Deutschland - zum Beispiel mit Torschützenkönig Mario Gomez. Bild: AFP

Volker Kersting ist schon seit zwei Jahrzehnten ein Motor in der Jugendarbeit bei Mainz 05. Hier liegen die Wurzeln des Nachwuchsleistungszentrums, das als Vorzeigeprojekt gilt.

          Die A-Junioren von Mainz 05 haben kürzlich die Frankfurter Eintracht 8:0 besiegt. Haben Sie die Eintracht abgehängt?

          Man darf das im Nachwuchsbereich nicht von Ergebnissen abhängig machen, zumal da sehr große Schwankungen normal sind. Wir haben vor einem Jahr mit dem 94er-Jahrgang gegen die Eintracht zu Hause 0:5 verloren, nachdem wir das Hinspiel in Frankfurt noch 2:1 gewonnen hatten. Jetzt haben wir mit einigen dieser 94er die Eintracht mit vielen ihrer 93er besiegt, die vor zwei Jahren B-Jugend-Meister wurden. Auch wenn wir so ein Ergebnis gerne mitnehmen, darf man da nicht zu viel reininterpretieren. Die Eintracht wie auch wir machen beide auf ihre Art gute Arbeit.

          Gibt es eine Mainzer Schule im Nachwuchsfußball?

          Wir haben über Jahre eine Nachwuchskonzeption entwickelt. Den ersten großen Schritt haben wir 2002 mit der Einführung der Nachwuchsleistungszentren gemacht, als der DFB die Vereine aufgrund der schlechten Resultate der Nationalmannschaft in die Pflicht genommen hatte. In Mainz war besonders der erste Aufstieg 2004 wichtig, der neue finanzielle Möglichkeiten eröffnet hat. Da wurde dann - auch von Jürgen Klopp anfangs geprägt - eine Mainzer Spielphilosophie entwickelt, die sich von den Profis bis in die Jugendteams durchziehen sollte. Das ergibt mittlerweile ein einheitliches Bild.

          Cheftrainer Thomas Tuchel sagt, dass der FC Barcelona ein Vorbild für Mainz sein kann - auf deutlich niedrigerem Niveau. Sehen Sie das ähnlich?

          Schon. Es ist interessant, wie Barcelona ganz früh mit seiner Philosophie ansetzt und seine Spieler in einer Spielphilosophie schult. Das versuchen wir auch mit unserer Spielidee.

          Präsident Harald Strutz hat 2009 nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft der A-Junioren gesagt, dass dieser Titel ein Triumph der Vereinsarbeit sei, während die Erfolge der Profis auch viel mit Geld und Transferpolitik zu tun haben. Heißt das, die Jugendarbeit ist idyllischer?

          Vielleicht ist der Jugendfußball die romantischere Seite am Fußball, mit reinen Emotionen bei den Jugendlichen, mit Visionen und großen Zielen.

          Was ist Ihre Motivation?

          Die Titel sind es nicht. Wenn wir einen holen können, dann ist das super. Aber wichtig ist nur die Ausbildung und Entwicklung der einzelnen Spieler.

          Mainz stellt mehr als ein Dutzend Juniorennationalspieler in den Auswahlteams von der U 15 bis zur U 21. Ist Ihre Arbeit so gut, oder hat sich die Wahrnehmung von Mainz 05 geändert durch die Erfolge der Profis?

          Sicher ist die Wahrnehmung gestiegen. Aber bei der Auswahl von Juniorennationalspielern entscheidet nur die Qualität. Und da zeigt sich unsere nachhaltige Ausbildung. Da ernten wir jetzt die Früchte unserer Arbeit. Dadurch sind wir interessanter geworden für Nachwuchsspieler.

          Sind solche Nominierungen nur ein Segen oder auch eine Gefahr für Jugendliche, sich selbst zu überschätzen?

          Nominierungen sind Wertschätzung des DFB für unsere Arbeit und für den einzelnen Jugendlichen. Gefährlich sind sie für Spieler nur dann, wenn man nicht vernünftig damit umgeht. Wir versuchen, dass sich unsere Spieler nichts darauf einbilden. Wir behandeln sie ganz normal weiter wie alle anderen Spieler. Wir halten sie an, demütig zu bleiben, fleißig weiterzuarbeiten. Das ist entscheidend.

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