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Veröffentlicht: 08.05.2017, 10:15 Uhr

FSV Mainz 05 Ohne den erlösenden Moment

Mainz 05 wirkt beim 0:0 etwas couragierter als der HSV, begnügt sich aber mit einem Punkt – der reicht, um im Kampf gegen den Abstieg Zuversicht zu gewinnen.

von , Hamburg
© dpa Beide Mannschaften schenkten sich nichts.

„Das wird ein Krimi“, lautete Martin Schmidts dramaturgische Vorhersage, „und wir wollen die Hauptrolle übernehmen und das Spiel auf die Bühne hieven, auf der wir stark sind.“ Die Zeichensetzung des Trainers des 1. FSV Mainz 05 vor dem Sonntagsspiel beim HSV sollte auf Kampf, Leidenschaft, Balleroberung und Umschaltspiel deuten, wo und wann immer möglich. Ganz so spannend war die Auseinandersetzung mit dem Hamburger SV im Souterrain der Fußball-Bundesliga denn doch nicht. Am Ende hieß es 0:0 in diesem Duell zwischen dem Sechzehnten und Fünfzehnten – ein Ergebnis, mit dem sich eher die Rheinhessen anfreunden konnten, die mit einem Heimsieg am kommenden Samstag im Derby gegen Eintracht Frankfurt aller Sorgen ledig sein könnten.

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Entsprechend entspannt waren die Mienen der Mainzer nach einer kämpferisch guten, spielerisch aber schwachen Partie. „Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Hause“, sagte Kapitän Stefan Bell, der Anführer der kreuzsoliden Mainzer Defensive, „ich bin davon überzeugt, dass wir gegen Frankfurt die Chance haben, drei Punkte zu holen.“ Schmidt stimmte in diesen Optimismus ein, als er seine Überzeugung von einer erstklassigen Mainzer Zukunft mit der Bemerkung illustrierte: „Noch zwei konzentrierte Leistungen, und wir werden auch im nächsten Jahr wieder nach Hamburg oder Dortmund fahren.“ Dafür aber müssten die Norddeutschen, ein heißer Kandidat für die beiden Relegationsspiele, erst einmal das Ärgste abwenden.

Schon die Aufstellung der 05er wies auf eine Auseinandersetzung mit harten Bandagen. Der wuchtige Mittelstürmer Cordoba kehrte, regeneriert von einer Oberschenkelblessur, in die Startelf zurück, der manchmal arg ungestüme Abräumer Gbamin durfte ein paar Wochen nach seinem dritten Platzverweis auch mal wieder von Beginn an mitkicken, und in der Innenverteidigung ersetzte der routinierte Balogun den verletzten Hack. Dazu sollten auf den Flügeln Öztunali und De Blasis anstelle der zuletzt lahmenden Quaison und Onisiwo für Tempo, Frische und Ideen sorgen. Schmidts Mut zum Personaltausch sollte sich in Hamburg bezahlt machen, als es galt, weiter über dem imaginären Strich zu bleiben.

46267249 Es war nicht immer die hohe Fußballkunst in Hamburg. © EPA Bilderstrecke 

Mainz wirkte in diesem über weite Strecken reichlich ungeordneten Kampf gegen die Abstiegsangst etwas couragierter, zielstrebiger und durchsetzungsfähiger. Jhon Cordoba stellte dabei mit zwei sehenswerten Schüssen den früheren Mainzer Torwart Mathenia auf harte Proben (7./40.), die der Hamburger Schlussmann exzellent löste. Da sich auch die Defensive der Rheinhessen keine Konzentrationsmängel gegen den allzeit bemühten, aber überhaupt nicht effektiven HSV erlaubte, sah die erste der drei Mainzer Schlussetappen auf dem Weg zu einer weiteren erstklassigen Spielzeit unspektakulär und verheißungsvoll zugleich aus.

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Das streng betrachtet dennoch maue Niveau dieser Begegnung wurde nach dem Wechsel noch einmal locker unterboten, als sich hüben wie drüben die auch aus Nervosität gespeisten Fehlpässe und andere technische Fehler häuften. Die 54.000 Zuschauer im Volksparkstadion ertrugen die beiderseits unverkennbaren Defizite in der Hoffnung auf den einen goldenen Moment. Die Mainzer blieben dem erlösenden Augenblick näher, doch Mathenia passte bei Jairos Schuss auf (78.) und hatte bei Gbamins Freistoß Glück, dass der wuchtige Schuss sein Ziel knapp verfehlte (81.).

„Für die Zuschauer war dies kein Leckerbissen“, da waren sich beide Trainer, Schmidt und Markus Gisdol, einig, nachdem es weder der HSV noch der 1. FSV 05 mit dem Mut übertrieben hatte, sich auch einmal bedingungslos aus der vorsichtigen Grundhaltung zu lösen. Die Mainzer Wette auf den Klassenverbleib könnte am Ende mit Ach und Krach aufgehen. „Für uns“, resümierte Schmidt einen ereignislosen Nachmittag, „war das ein wichtiger Punkt, zusammen mit unserer Tordifferenz – der besten unter den bedrohten Mannschaften – ergibt das einen guten Doppelpack.“ Fußball auf höherem Niveau wird später gespielt: in der nächsten Bundesliga-Saison, wie die Mainzer aus gutem Grund hoffen.

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