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1:1 in Mainz Jens Lehmanns bizarre Flucht

14.12.2009 ·  Der Stuttgarter Torwart sah beim 1:1 in Mainz die Rote Karte und brachte seine Mannschaft damit um den Sieg. Kurz nach der Partie begab sich Lehmann auf eine bizarre Odyssee. War es das letzte Spiel des eigenwilligen Profis für den VfB?

Von Daniel Meuren, Mainz
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Das Spiel war zehn Minuten vorbei, da suchte Jens Lehmann einen Ausweg aus der für ihn so misslichen Situation. Der Torhüter verließ die Kabine des VfB Stuttgart, noch ehe einige seiner Mitspieler nach dem Abpfiff des 1:1 zu Ende gegangenen Spiels bei Mainz 05 in die Umkleide gekommen waren.

Lehmann, der in der 87. Minute mit einem Tritt auf den Fuß des Mainzers Aristide Bancé - wohl als Revanche für ein Foul des Stürmers - nicht nur einen Elfmeter und den späten Ausgleich der Mainzer durch Eugen Polanski verursacht, sondern auch noch die Rote Karte für eine Tätlichkeit provoziert hatte, begab sich auf eine bizarre Odyssee.

Er hatte die Kapuze seiner Winterjacke tief ins Gesicht gezogen, als er die Kabinentür öffnete. Vor ihm bauten sich fünf Fernsehkameras auf, die Scheinwerfer der Kameras müssen den Schlussmann des VfB geblendet haben. Lehmann wählte jedenfalls die falsche Richtung und versuchte die Flucht in den Vip-Raum ein Stockwerk höher. Dort ließ man den Torhüter ohne das nötige Bändchen nicht hinein.

„Das war eine Kurzschlussreaktion“

Lehmann lief die Treppenstufen wieder hinunter, geisterte nach Verlassen der Presseräume durch die Menschenmenge hinter der Tribüne. Die Kameras und einige Journalisten verfolgten den Flüchtling, der auch in einer weiteren Vip-Räumlichkeit nicht eingelassen wurde. Immer wieder erkundigte sich Lehmann, wo er ein Taxi finden könne - was rund um das Bruchwegstadion nach Spielende fast ein Ding der Unmöglichkeit ist. Schließlich fand er den Mannschaftsbus, der ihm Zuflucht bot. Eine Viertelstunde später wurde er vom Gästeausgang mit einem telefonisch bestellten Taxi abgeholt. Lehmann stieg ein und ließ viele Fragen offen.

„Das war eine Kurzschlussreaktion“, sagte VfB-Manager Horst Heldt, noch ehe er seinen Torwart sprechen konnte. „Er weiß genau, dass die Aktion unnötig war. Deshalb denkt er vielleicht, dass er hier sofort weg muss.“ Der seit einer Woche als Nachfolger des beurlaubten Markus Babbel als Trainer des VfB tätige Christian Gross bewertete die ganze Aktion ebenfalls als überflüssig, nahm Lehmanns Irrweg durchs Mainzer Stadion eher auf humorige Art. „Er ist ein erfahrener Mann, der den Weg aus dem Stadion hier eigentlich kennt, oder?“

In jedem Fall aber erwies der 40 Jahre alte Lehmann seiner Mannschaft in Mainz einen Bärendienst. Schon vor dem Spiel stand er im Fokus, nachdem er sich geweigert hatte, die vom Verein verhängte Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro zu zahlen, zu der ihn sein Arbeitgeber für seine öffentliche Kritik bezüglich der Beurlaubung Babbels verdonnert hatte.

Um den verdienten Lohn gebracht

Wenn Lehmann schon diese Schuld nicht zu begleichen bereit war, so tat er zunächst wenigstens auf dem Platz seine Schuldigkeit und trug mit einer starken Leistung zum lange sehr guten Auftritt seiner Mannschaft in Mainz bei. Nach dem frühen Führungstreffer durch Pavel Pogrebnjak nach einer Flanke von Arthur Boka (11. Minute) schienen die Stuttgarter auf dem besten Weg, ihre Serie von neun Bundesliga-Spielen ohne Sieg zu beenden.

Dann aber war es ausgerechnet der streitbare Torhüter, der sein Team nach den Aufregungen dieser Woche um den möglichen Lohn brachte und den Mainzern vor 20.300 Zuschauern noch das Elfmetertor durch den eingewechselten Polanski (90.) ermöglichte.

Lehmann vor einem „wunderbaren Abschluss“?

Zugleich löste Lehmann Diskussionen aus, ob der merkwürdige Abgang möglicherweise nach einer großen Karriere der Abschied durch die Hintertür gewesen sein könnte. Dann würde Lehmanns Laufbahn, an deren Beginn zu Schalker Zeiten eine Heimfahrt per S-Bahn von einem Auwärtsspiel in Leverkusen nach einer Auswechslung zur Halbzeit stand, mit einer ähnlich kuriosen Begebenheit enden.

Am Sonntagabend wollte sich dazu noch keiner der Stuttgarter Verantwortlichen festlegen. „Ich habe ihn in den kurzen Gesprächen der vergangenen Tage kennengelert als einen sehr differenzierten Menschen, der sich Gedanken macht“, sagte Trainer Gross. „Er hat eine tolle Karriere hingelegt und ich gehe davon aus, dass er einen wunderbaren Abschluss haben will.“

FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 1:1 (0:1)
Mainz:
Müller - Heller, Bungert, Noveski, Löw - Karhan (82. Hyka), Soto - Hoogland, Ivanschitz (82. Baljak), Schürrle (65. Polanski) - Bance. - Trainer: Tuchel
Stuttgart: Lehmann - Celozzi, Niedermeier, Delpierre, Boka - Träsch, Khedira - Gebhart (89. Ulreich), Hleb (74. Rudy) - Marica (68. Schieber), Pogrebnjak. - Trainer: Gross
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Tore: 0:1 Pogrebnjak (11.), 1:1 Polanski (90., Foulelfmeter)
Zuschauer: 20.300 (ausverkauft)
Rote Karten: Lehmann nach einer Tätlichkeit (87.)
Gelbe Karte: Soto (3) - Hleb (2), Pogrebnjak (2)

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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