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Mainz 05 : Nur kein Selbstmitleid

Mund abputzen: Mainz 05 und Suat Serdar wollen eine Reaktion zeigen Bild: WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Böse und sauer wollen sie sein: Mainz 05 will aus der unglücklichen Niederlage gegen Hoffenheim Energie gewinnen fürs nächste Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag.

          Mit dem Schlusspfiff fielen einige Mainzer Spieler zu Boden. Zu groß war die Enttäuschung, nach den 90 besten Bundesligaminuten des Teams in dieser Saison zum vierten Mal in fünf Spielen ohne Ertrag vom Platz gehen zu müssen. 2:3 leuchtete es von der Anzeigetafel. Die TSG Hoffenheim war der Sieger nach einem turbulenten Spiel, in dem den Mainzern die frühe 2:0-Führung nicht reichte, weil sich anfangs müde Hoffenheimer zu einer Energieleistung aufrafften ein fast verlorenes Spiel drehten.

          Wie bei der Vorjahresbegegnung, die für Hoffenheim eine Initialzündung auf dem Weg zur ersten Qualifikation für den Europapokal war, hatten die Mainzer einen deutlichen Vorsprung verspielt. Damals gab es am Ende nach einer 4:1-Führung immerhin noch einen Punkt für ein spektakuläres 4:4, beim vergleichbar unterhaltsamen Spiel am Mittwochabend aber nun gingen die Mainzer leer aus, obwohl sie in einem guten Bundesligaspiel die bessere Mannschaft waren. „Das war wieder so ein verrücktes Spiel. Mainz hätte den Sieg sicher eher verdient gehabt, sie hatten die klareren Chancen“, sagte der Hoffenheimer Trainer Julian Nagelsmann. „Wir sind nicht zurechtgekommen mit ihrem erwartet starken Pressing. Mainz definiert sich genau darüber und bringt dann auch eine tolle Atmo ins Stadion.“

          Schwarz gibt sich kämpferisch

          Die tatsächlich erstaunlich gute Stimmung trotz einer abermaligen Minuskulisse von nach Vereinsangaben 23.477 Zuschauern war am Ende immerhin ein Trost. Denn der Funke sprang erstmals in dieser Spielzeit vom Team und seiner von Trainer Schwarz geprägten Spielidee auf die Anhänger über, die ihre Mannschaft nach Spielschluss mit Applaus spüren ließen, dass sie mit der Leistung einverstanden waren. „In dieser frühen Phase einer Saison kommt es mir mehr auf die Art und Weise an, wie wir spielen, als aufs Ergebnis, das Punktekonto oder die Tabelle“, sagte auch Stefan Bell, der wegen des Fehlens von Niko Bungert mit der Kapitänsbinde aufgelaufene Innenverteidiger. „Die Leistung zeigt mir, dass wir auf einem guten Weg sind.“

          Trainer Schwarz ging sogar noch einen Schritt weiter in seiner Analyse. Der 38 Jahre alte ehemalige Mittelfeldspieler gab sich kämpferisch wie einst zu Spielerzeiten, als er begrenzte technische Fertigkeiten und ein gewisses Geschwindigkeitsdefizit mit großem Einsatz wettzumachen pflegte. „Wir dürfen sauer und böse sein. Wir werden aber nicht in Selbstmitleid verfallen, sondern das alles in Energie umsetzen“, sagte Schwarz. „Von mir aus müssten wir nicht dreimal schlafen, einmal würde jetzt vollkommen genügen, und dann würden wir mit diesem Gefühl auf den Platz rausgehen. Es kitzelt richtig zu zeigen, wie wir Samstag gegen Hertha auftreten.“

          Schwarz gab in der Niederlage nicht nur den Motivator mit den treffenden Worten, er analysierte auch auf den Punkt die Gründe für die unnötige Niederlage. „Die ersten 20 Minuten waren perfekt, da hat alles gepasst, Balleroberungen, Umschalten, Tore. Wir haben auch später viele Dinge richtig gut gemacht, wir werden aber für kleine Fehler derzeit hart bestraft“, sagte er. „Wir reden aber nicht von Pech, sondern wir müssen noch konsequenter verteidigen, noch klarer Situationen lösen.“ Der Mainzer Coach sprach dabei vor allem ein unnötiges Foul an Sandro Wagner an, das zum Freistoß in der Nachspielzeit und dem Hoffenheimer Siegtreffer durch Uth führte.

          Zwei, die sich mögen: Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz und Julian Nagelsmann von der TSG Hoffenheim (rechts)
          Zwei, die sich mögen: Der Mainzer Trainer Sandro Schwarz und Julian Nagelsmann von der TSG Hoffenheim (rechts) : Bild: WITTEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

          Zumindest am Mittwochabend erweckte der Mainzer Kader den Eindruck, dass er die Lernbereitschaft aufbringt, um zukünftig auch die für einen Sieg nötigen Details im Defensiv- wie im Offensivspiel umzusetzen. Gerade Stürmern wie Levin Öztunali oder Jairo fehlte in zahlreichen Situationen die Abgeklärtheit, die auf der Gegenseite die Torschützen bei ihren jeweils einzigen echten Torgelegenheiten ausgezeichnet hat. Das änderte aber nichts an der Richtigkeit des Mainzer Spielansatzes, was gerade auch dem Trainer guttun dürfte, nachdem er zuletzt im „Doppelpass“ bei Sport 1 etwas vorschnell als „zu grün“ für die Bundesliga eingeschätzt wurde. Am Mittwoch hatte er nun selbst seinen schon in jungen Jahren etablierten Kollegen Nagelsmann, mit dem ihn seit A-Jugend-Tagen ein gutes Verhältnis verbindet, überrascht. „Wir mussten einiges umstellen, um besser ins Spiel zu kommen“, sagte Nagelsmann. Die Feinheiten diskutierten die beiden Trainer im freundschaftlichen Plausch noch nach Ende der Pressekonferenz, als es auf Mitternacht zuging.

          Quelle: F.A.Z.

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