„Fairplay is coming home“ – sagt Manfred Lämmer, in Erinnerung an das Motto der Fußball-Europameisterschaft 1996, als ganz England frohlockte, der Fußball sei heimgekommen ins Mutterland dieses Sports. Lämmer saß in Frankfurt, als er das sagte. Die Stadt ist für ihn also gewissermaßen die Heimat des Fairplay-Gedankens, zumindest in seiner organisierten Form. Hier treffen sich bis zum Sonntag Politiker, Sportler, Philosophen und Publizisten beim 13. Europäischen Fairplay-Kongress, einer Veranstaltung der Europäischen Fairplay-Bewegung (EFPM), deren Vizepräsident Lämmer ist.
Dieser noch junge Verband wurde zwar 1994 in Zürich gegründet, sei aber inspiriert und beflügelt von der deutschen Fairplay-Initiative, die unter Willi Daume, dem früheren Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees und des Deutschen Sportbundes, in Frankfurt ihren Anfang nahm. Und zwar schon Ende der achtziger Jahre. Außerdem fand eine von mehreren Gründungsversammlungen in Frankfurt statt. Die Arbeit des EFPM, dem vierzig Länder angehören und der sich vereinfacht gesagt für die ethische Kraft und Glaubwürdigkeit des Sports stark macht, ist seitdem nicht einfacher geworden.
Massive Gefährdung des Sports
Carlos Goncalves, der Präsident, sprach von einer „neuen Realität“ im Hochleistungssport, von Doping, der zunehmenden Kommerzialisierung, von Lügen, verbaler und physischer Gewalt. Dabei ist der Professor aus Portugal keiner, der vorschnell überspitzt. Die massive Gefährdung des Sports, speziell des Hochleistungssports, die die Fairplay-Bewegung wahrnimmt, wird schon im Motto des Kongresses deutlich, das jedes Jahr ein anderes ist. Diesmal also heißt es: „Die olympischen Werte und die Zukunft des Sports“.
Dass diese Zukunft bedroht ist, ist unter den meisten Teilnehmern wohl unstrittig, vorneweg bei Carlos Goncalves. Er beklagte eine verbreitete Mentalität, die den Sieg um jeden Preis gutheiße, ohne Rücksicht und ohne moralisches Fundament. Neu sei zudem, dass immer mehr bekannte Spitzensportler es ablehnten, Vorbild für die Jugend zu sein. So etwas habe es in der Gründungszeit seines Verbandes nicht gegeben. Diese Haltung sei so fatal, weil Jugendliche Vorbilder brauchten und sich eben nicht vorschreiben ließen, wen sie wählen. Mit anderen Worten: Kein dopender, rücksichtsloser, ethisch desorientierter Sportler kann sich darauf zurückziehen, er habe doch nie Vorbild sein wollen.
„Neue ethische Offensive des Sports“
Hier Einfluss zu nehmen, zumindest aber in der Debatte darüber eine führende Rolle zu übernehmen, ist vorerst eine europäische Aufgabe, denn einen Weltverband gibt es noch nicht. Immerhin sind auch Vertreter aus afrikanischen Staaten, aus Kanada, sogar aus dem Irak in Frankfurt, um die Diskussionen zu verfolgen. Sie werden Teil des Angriffs e sein, den Lämmer und Goncalves schon vor Beginn des Kongresses ankündigten. Es gehe darum, „eine neue ethische Offensive des Sports“ zu starten, sagte der Vizepräsident. Dahinter stehe die Hoffnung, dass der Sport nicht nur die Gesellschaft spiegele, sondern auch die Kraft hat,diese zu verändern.

