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Kommentar Massenhaft unbeeindruckt

02.05.2007 ·  Bei „Rund um den Henninger-Turm“ waren mehr als eine Million Zuschauer unterwegs. Das Radsport-Publikum lässt sich auch von den unappetitlichsten Doping-Geschichten den Spaß an den Rennen nicht verderben. Woran liegt das, fragt Michael Eder.

Von Michael Eder
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Als die Stimmung wieder einmal ziemlich weit unten war, hat der Radrennstall Gerolsteiner eine Studie in Auftrag gegeben. Frage: Welche Auswirkung hat das Dopingthema auf die Zuschauerresonanz im Radsport? Schaltet das Publikum ab, weil es nichts mehr zu tun haben will mit einer Szene, die unter den Nebenwirkungen von Substanzen leidet, die im Sport nichts zu suchen haben?

Das Ergebnis der Studie überrascht: Nur sieben Prozent der Befragten gaben an, wegen der Dopingproblematik Radsport nicht mehr im Fernsehen zu verfolgen. Der große Rest zeigte sich unbeeindruckt, und dieses Phänomen ist nicht nur an Umfrageergebnissen und Einschaltquoten abzulesen, sondern auch an den Massenaufläufen am Straßenrand.

Massenphänomen Radsport

Auch bei „Rund um den Henninger-Turm“ waren wieder weit mehr als eine Million Menschen unterwegs, um den Profis zuzujubeln, um einen Blick auf sie zu erhaschen, um ihnen mit Beifall einen der harten Anstiege hinaufzuhelfen. Nicht nur in Frankfurt, überall ist dieses Massenphänomen festzustellen. Selbst während der bescheidenen Niedersachsen-Rundfahrt, die ziemlich genau das Gegenteil eines Radsport-Klassikers ist, standen bei einer Etappe mehr als 150.000 Zuschauer an der Strecke.

Das Radsport-Publikum lässt sich auch von den unappetitlichsten Doping-Geschichten den Spaß an den Rennen nicht verderben. Woran das liegt? Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, glaubt, der Fan könne unterscheiden zwischen den Dopingskandalen und sauberem Sport, der von den Fahrern in diesem Frühjahr geboten werde.

Kein zuverlässiger Gradmesser

Doch warum sollte ein jahrzehntelang verseuchter Sport plötzlich sauber sein? Und warum hat sogar Jan Ullrich noch immer viele Anhänger und Verteidiger? Viele Fans sind nicht in erster Linie an sauberem Radsport interessiert, sondern an einem monumentalen Spektakel. Dies ist eine gefährliche Botschaft, weil sie bei den Fahrern ankommt. So sagt zum Beispiel CSC-Profi Jens Voigt, er glaube, „dass viele Journalisten am Interesse ihrer Leser vorbeischreiben, wenn sie immer nur das Thema Doping hochkochen“.

Doping als Medienhype – auf diese Schiene würden viele in der Szene das Problem gern reduzieren, und im ungebrochenen Interesse des Publikums sehen sie sich bestätigt. Doch so einfach funktioniert es nicht: Das Publikumsinteresse war noch nie ein zuverlässiger Gradmesser für die Klasse einer Sportart, schon gar nicht für deren moralische Qualität.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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