Zum Marathon gehört Ausdauer. In Frankfurt wird sie nicht nur von Tausenden auf der Strecke, der klassischen Distanz von 42,195 Kilometern, bewiesen, sondern auch im Hintergrund, in der Organisation. Auf die stattliche Anzahl von 21 Läufen, die bislang am Main die Massen in Bewegung brachten, kommt man inzwischen. An diesem Sonntag ist es wieder soweit.
Wer glaubt, der Frankfurt Marathon wäre nach so vielen Jahren angestaubt, irrt. Frisch und beweglich wie lange nicht mehr kommt der Klassiker daher. Dies liegt sicherlich auch am neuen Management. Seit dem vergangenen Jahr betreut Jo Schindler das Langstreckenereignis. Der Regensburger und sein Team haben einiges dafür getan, daß der Frankfurt Marathon auch ein wenig die neudeutsche Bezeichnung "Event" verdient; der Zieleinlauf in die Festhalle, die neue Streckenführung, der Staffelmarathon, der eine Menge Prominenz anzieht, sowie das Rahmenprogramm zeugen von Phantasie und Kreativität - Zutaten, die dem Lauf durch die hessische Metropole zuletzt doch eher fehlten. Sicherlich gehört auch ein wenig Mut dazu, einen Marathon in einer Halle enden zu lassen. Wie wirkt ein Freiluftspektakel, wenn der entscheidende Moment unter einem Dach stattfindet? Kommt die begeisterte Stimmung, die sich die Veranstalter in der "guten Stube" versprechen, auch wirklich auf?
Die Puristen der Szene werden die Nasen rümpfen. Marathon in der Halle - ob das gut läuft? Vielleicht sollten die Lauffreunde mit einer Portion Toleranz an den Start gehen. Für sie ist der Frankfurt Marathon doch ein passender, stimmungsvoller Jahresausklang. Oft schon wurde überlegt, ob man die Veranstaltung nicht lieber ins Frühjahr verlegen solle. Tatsächlich verspräche ein Start im lauen Mai den einen oder anderen prominenten Starter mehr. Und womöglich wäre die "magische" Zeit von 2:10 Stunden längst unterboten worden, hätten die Läufer am Main nicht regelmäßig gegen heftigen Herbstwind und Regenschauer zu kämpfen gehabt. Auf der anderen Seite ist der Frankfurt Marathon für Tausende Freizeitläufer geradezu ideal. Sie können den ganzen Sommer über trainieren, um dann im Herbst bereit zu sein für die große Herausforderung.
Der Frankfurt Marathon will natürlich beides: für Hobbyathleten attraktiv sein, und für Sponsoren, Zuschauer sowie Medien packenden Spitzensport liefern. Allzu leicht haben es die Macher vom Main dabei nicht. Denn die Laufelite startet - wenn überhaupt in Deutschland - lieber in Berlin oder in Hamburg. Dabei geht es natürlich auch ums Geldverdienen. Aus dem Blick verloren haben die Frankfurter den Spitzensport dennoch nicht. So wollte Christoph Kopp, der neue Sportdirektor des Marathons, sich auf einen Läufer konzentrieren, der die Zeit von 2:10 Stunden mit hoher Wahrscheinlichkeit knacken kann. Dies hätte der Kenianer Simon Bor sein können. Doch kaum als Zugnummer angekündigt, sagte Bor wieder ab. Und auch die Hoffnungen, die auf dem Äthiopier Simretu Alemayehu lagen, haben sich zerschlagen. Nicht nur für Läufer gilt: Zum Marathon gehört Ausdauer.