14.02.2007 · Die Offenbacher Kickers gegen die Frankfurter Eintracht im DFB-Pokal: Auch Klaus Gerster freut sich auf dieses Derby. Der einstige Manager berät gleich dreizehn Spieler der beiden rivalisierenden Nachbarvereine.
Von Ralf WeitbrechtDer Mann kommt frisch aus der Wüste. Und legt dieses verschmitzte Lächeln an den Tag. „Ich habe meine Karten schon“, sagt Klaus Gerster. „Vier Stück. Schöne Sitzplätze.“ Beim Kampf um die begehrten Pokaltickets kann sich Gerster dezent zurückhalten. Wie anderswo auch. Denn für den ehemaligen Fußballmanager ist es in seinem Job als Spielerberater „doch eine Selbstverständlichkeit, dass ich mich am Wochenende in den Stadien zeige“.
Vorzugsweise tut der 50 Jahre alte Frankfurter dies im Rhein-Main-Gebiet, und da speziell in seiner Heimatstadt. „Heimspiele der Eintracht sind eine Herzensangelegenheit und Pflicht für mich“, sagt er beim Gespräch in seinem Wohnort Bad Homburg. Der Bundesligafußball als Kontaktbörse. Sei es in Frankfurt, sei es in Mainz. Oder eben in Offenbach.
Geschickter Netzwerker
Klaus Gerster, als Sohn eines selbständigen Cafébetreibers in Frankfurt geboren und im Nordend aufgewachsen, fühlt sich eng mit der Stadt und ihrem Vorzeigeklub verbunden. „Mehr als zehn Jahre lang bin ich bei der Eintracht gewesen.“ Als Jugendtrainer, als Manager. Geschickt hat es der Freund von Fußball-Weltmeister Andreas Möller verstanden, sich in all den Jahren ein Netzwerk aufzubauen, dessen Früchte er nun erntet.
Gemeinsam mit seinem Partner Paul Koutsoliakos kümmert er sich als Berater um die vertraglichen und finanziellen Belange seiner insgesamt 43 Klienten, die einen „Wert“ von rund 56 Millionen Euro darstellen. „Seriös und ruhig“, wie Gerster meint. In jedem Fall aber ohne Berührungsängste. Denn wenn sich am Abend des 27. Februar die Offenbacher Kickers und die Frankfurter Eintracht auf dem Bieberer Berg im Viertelfinale des DFB-Pokals gegenüberstehen, gibt es schon jetzt einen heimlichen Sieger: Klaus Gerster.
Der Berater kümmert sich gleich um dreizehn Spieler, die bei den beiden rivalisierenden Klubs unter Vertrag stehen. Bei den Kickers sind dies Suat Türker, Markus Kreuz, Lars Weißenfeldt, Christian Müller, Marco Reich, Oualid Mokhtari und der griechische Neuzugang Anestis Agritis. Bei der Eintracht vertrauen Michael Thurk, Markus Pröll, Patrick Ochs, Albert Streit und Sotirios Kyrgiakos auf den Rat von Gerster und Koutsoliakos. Daniyel Cimen, der Sechste im Bunde, ist in der Winterpause für den Rest der Saison zu den noch zweitklassigen Braunschweigern ausgeliehen worden.
„Der OFC ist ein Stiefkind“
In den Tagen und Wochen vor dem mit Hochspannung erwarteten Derby der beiden Rivalen vom Main gibt sich Gerster diplomatisch. Aufgrund seiner Vorgeschichte muss er dies wohl auch. Dass er die Ausgangslage seiner beiden ehemaligen Vereine bei „fünfzig zu fünfzig“ sieht, ist kein Geheimnis. Neu indes ist seine erstmals veröffentlichte Meinung, „dass die Offenbacher Kickers jahrzehntelang von der Stadt und dem Land im Stich gelassen worden sind. Das ist für mich der eigentliche Unterschied zwischen den Kickers und der Eintracht.“
Schon im Sog der Fußball-Weltmeisterschaft 1974, sagt Gerster, hätte man etwas für die Erneuerung der Trainingsstätten in Offenbach tun können. „Doch der OFC ist bis heute ein Stiefkind geblieben. Wenn dem Klub so wie der Eintracht geholfen worden wäre, wären sie längst auf Augenhöhe. Aber die Kickers haben nie die richtigen Leute gehabt.“ Gerster glaubt, dass die Chance vertan wurde, Doppelpass mit der Politik zu spielen. „Spätestens jetzt, im Zuge der WM 2006, hätte man doch für fünfzig Millionen Euro ein neues Stadion auf dem Bieberer Berg errichten können. Wenn nicht jetzt, wann soll’s dann überhaupt kommen?“
Die Kickers hat Gerster einst zurück in das Profigeschäft geführt. Wie für ein Jahr auch den FSV Frankfurt. Doch während sich die Bornheimer seit sieben Jahren in der viertklassigen Oberliga herumschlagen, haben die Kickers ihren kurzfristigen Abstieg in die Regionalliga überwunden und sind zurückgekehrt. „Vom Potential her“, sagt Gerster, „sind die Kickers erstligareif. Mit einem anderen Stadion, das andere Vermarktungsmöglichkeiten erlauben würde, wären die Kickers sofort durch.“
„Man muss immer hellwach sein“
Die kurzfristige Rückkehr der Eintracht auf Europas Fußballbühne hat nicht nur so manchem träumerisch veranlagten Eintracht-Profi gefallen. Auch Gerster, der wirtschaftlich autarke Ratgeber, hat die Auftritte gegen internationale Klubs genossen. „Doch um in der Bundesliga zu den gefestigten Vereinen zu gehören, ist es ein sehr schwerer Weg.“
Gerster sieht sich bei der Profilierung und Positionierung der Eintracht „zu einhundert Prozent“ auf einer Linie mit Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Trainer Friedhelm Funkel. „Man muss kleine Schritte machen. Im Fußball kann man sich nur Stück für Stück vorarbeiten.“ Sein Credo: „Der Fußball ist gefährlich. Man muss immer hellwach sein. Die Eintracht darf zu keiner Sekunde denken: Wir steigen nicht ab.“
Die Kickers gegen die Eintracht: Im Prinzip ist es dem sich beiden Vereinen verbunden fühlenden Spielerberater egal, wer ins Halbfinale einzieht. Denn zu den Siegern dürfte Gerster schon vor dem Anstoß gehören. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass einer seiner von ihm betreuten Spieler in den Blickpunkt rückt. Das Pokalderby auf Biebers Höhen: auch für Gerster, wie er selbst sagt, eine „werthaltige“ Sache.