29.06.2009 · Fünfzig Jahre Finale um die Meisterschaft im Fußball zwischen der Eintracht und den Kickers: Im Römer kommen die Sieger und Besiegten von 1959 zusammen und lassen sich feiern.
Von Ralf WeitbrechtWünschen darf sie es sich. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Frankfurter Eintracht nach ihrem bisher einmaligen Meistererlebnis bis 2013 ein zweites Mal Titelträger wird, ist wohl eher gering. Petra Roth, die Frankfurter Oberbürgermeisterin, ist bis zu eben diesem Jahr gewählt und träumt von einem zweiten Meistercoup. „Ich weiß, es ist Zukunftsmusik. Aber wie es geht, weiß man ja.“
Die Helden von 1959, von jenem unvergessenen 28. Juni, wissen es ganz genau. Sie haben mit ihrem 5:3 gegen die Offenbacher Kickers Geschichte geschrieben. Nicht nur in Frankfurt, sondern über die Landesgrenzen hinaus. Dieter Lindner, damals der Junior der Eintracht-Mannschaft, verglich am Sonntag bei der stimmungs- und stilvollen Feierstunde im Kaisersaal des Römer den Triumph von Berlin mit dem Finalauftritt gegen Real Madrid 1960. „Nach Bern 1954 war es das wichtigste Fußballspiel der Nachkriegsgeschichte“, sagte der heute 70 Jahre alte Lindner.
Sieger und Besiegte treffen wieder aufeinander
Gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Petra Roth hatte Lindner die Idee, Sieger und Besiegte, die seit einem halben Jahrhundert Freunde sind, zu diesem „großen Jubiläumstreffen“ einzuladen. Damals, so Lindner, wurde durch die Meistermannschaft die Grundlage geschaffen, „dass der Name Eintracht Frankfurt zu einem Begriff in Europa geworden ist“. Selbst der mit Fortuna Düsseldorf sympathisierende, seit mehr als zwei Jahrzehnten im Rhein-Main-Gebiet lebende DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, sagte in seiner launigen Ansprache nicht ohne Stolz, „dass die Eintracht selbst heute noch zu den Top-20-Klubs in Europa gehört“.
Vieles hat sich seit jenen tollen Tagen 1959/1960 fußballerisch getan. Geblieben, fand nicht nur Hessens Sport- und Innenminister Volker Bouffier, ist diese „faszinierende Nachbarschaft zwischen Offenbach und Frankfurt. Aus Wettbewerb und Leidenschaft kann Freundschaft werden“, sagte Fußballfreund Bouffier. „So entstehen Vorbilder.“ Natürlich hatten alle noch lebenden Vorbilder von damals den Weg in den Kaisersaal gefunden, um sich gebührend feiern zu lassen. Vor allem aber wurde diese ganz spezielle Glücksphase Frankfurter und Offenbacher Sportgeschichte intensiv in großen und kleinen Zirkeln dies- und jenseits der Römerhallen besprochen.
„Sie gehörten zur Elite des Fußballs“
Von allen Seiten gab es kollektives Lob für die Helden vom Main. „Sie gehörten zur Elite des Fußballs“, sagte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. „Jeder der großen Spieler von damals wäre auch heute ein großer Spieler.“ Einer der größten Fans des Fußballs am Main, damals wie heute, ist Johnny Klinke. Der Chef des Varietétheaters Tigerpalast kam damals als Zehnjähriger nach Frankfurt, war Augenzeuge des 6:1 der Eintracht gegen die Glasgow Rangers und sagte spontan: „In dieser Stadt will ich bleiben.“
Auch fünfzig Jahre nach jenen meisterlichen Fußballtagen kommen die Helden von 1959 regelmäßig zu den Eintracht-Spielen. „Zwischen uns und den Offenbachern gibt es seitdem eine Sportfreundschaft,“ sagte Lindner. Ausdruck der gegenseitigen Wertschätzung war ein eigens für den Festtag angefertigter Glaspokal, den OFC-Spieler Ernst Wade dem Frankfurter Ehrenspielführer überreichte. Kickers-Ehrenpräsident Waldemar Klein, der aus gesundheitlichen Gründen der Feierstunde fernblieb, sich aber wieder auf dem Weg der Besserung befindet, hatte die Idee, dem Frankfurter Nachbarn ein halbes Jahrhundert später eine besondere Meisterehre zuteil werden zu lassen. Die vielen Augen- und Ohrenzeugen im Kaisersaal goutierten diese Geste ganz besonders. Unter den vielen Gästen wurden auch Uschi Baier und Leoni Schmidt gesichtet. Frau Baier war damals die Köchin der Sportschule, die immer Bier in Teekannen gegossen hatte. Leoni Schmidt ist die Urenkelin des unvergessenen Meistertrainers Paul Osswald. Passend zu den Feierlichkeiten versammelten sich auf dem Römerberg gut hundert Fans. Sie entrollten Spruchbänder, skandierten „Wir wollen den Meister sehen“ – und wurden nicht enttäuscht. Die Frankfurter Helden von 1959 zeigten sich.