Eintracht Frankfurt
Es geht alles seinen normalen Gang bei der Frankfurter Eintracht. Trainer Michael Skibbe ändert in den Tagen der großen Krise nach nur einem Punkt in sechs Spielen und 0:11 Toren nicht die Trainingsinhalte, und er ändert auch nicht sein Verhalten. Während der morgendlichen Trainingseinheit am Dienstag ist er stiller Beobachter, steht an der Seitenlinie, die Pudelmütze wegen der klirrenden Kälte über die Ohren gezogen. Anweisungen gibt er nur vor den verschiedenen Übungsformen, dem Trainingsspiel schaut er schweigend zu. Etwas lauter wird er erst am Ende des Trainings. „Danke, Männer, das war’s“, sagt Skibbe, alles wie immer.
Die Gelassenheit und Ruhe sollten allerdings nicht zu falschen Schlüssen verleiten, so der Trainer. Hinter verschlossenen Türen in der Kabine sei die Ansprache durchaus lauter, „da gibt’s schon mal einen Einlauf“. Er müsse seine Spieler allerdings nicht aufrütteln oder ihnen gar die gefährliche Situation deutlich machen, „weil jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat“. Es werden viele Einzelgespräche geführt bei der Eintracht vor dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am Sonntag. „Aber das war auch vor den letzten Spielen so“, relativiert Skibbe, „wenn es so einfach wäre, müsste ich ja nur noch reden und nicht mehr trainieren.“ Das liegt ganz auf der Linie seines Chefs Heribert Bruchhagen, der sagt, „dass es keine Patentrezepte in solchen Situationen gibt“.
Bruchhagen wie Skibbe vertrauen den Spielern. Und sie vertrauen jenen Mechanismen, die es der Eintracht in der jüngeren Vergangenheit ermöglicht haben, sportliche Krisen zu überstehen. Auch deshalb ist niemand so richtig böse, dass es mit dem kurzfristig angedachten Trainingslager nicht geklappt hat. Durch den Wintereinbruch hätten die Frankfurter Profis nirgendwo bessere Bedingungen vorgefunden als auf dem beheizten Trainingsplatz hinter der Arena. Statt im Trainingslager näher zusammenzurücken, treffen sich Trainer und Mannschaft nun am Donnerstag zu einem gemeinsamen Essen. Neben vielen Gesprächen wird am Rande Fernsehen geschaut – Stuttgart spielt im Europapokal gegen Benfica Lissabon. Das ist dann schon die einzige Änderung gegenüber dem gewohnten Ablauf vor Bundesligaspielen.
FSV Frankfurt
Am Dienstag hatte Gerhard Kleppinger beim FSV Frankfurt das Sagen – streng „nach Vorgabe von Cheftrainer Hans-Jürgen Boysen“, so der 52 Jahre alte Assistenztrainer. Denn Boysen fehlte bei der einzigen Trainingseinheit des Tages in den Vormittagsstunden. Am Abend zuvor hatte der Bornheimer Coach in Berlin „zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, wie Kapitän Björn Schlicke sagte. Schließlich schaute sich der Chef bei der Zweitliga-Begegnung Hertha BSC Berlin gegen Energie Cottbus (2:2) die kommenden beiden Auswärtsgegner des FSV an. Zwar wollte er am Dienstagmorgen wieder zurück sein. Weil sich aber kein Flug mehr nach Frankfurt fand, reiste Boysen weiter nach Stuttgart, wo er am Abend die Drittliga-Partie zwischen dem VfB II und Heidenheim als Zuschauer verfolgte.
Ein Nachteil für die Mannschaft, die von den vergangenen acht Spielen in der zweiten Liga nur eins gewinnen konnte, sei dadurch nicht entstanden, sagte Schlicke. Schon am Montag, einen Tag nach der 1:2-Heimniederlage gegen den Abstiegskandidaten Karlsruhe, hatten die FSV-Spieler in einer halbstündigen Mannschaftsbesprechung von ihrem Trainer die passenden Worte zu hören bekommen. „Es war schon kritisch“, so Schlicke. Boysen wurde zwar nicht laut, allerdings wies er sein Team darauf hin, dass es gut gewesen sei, eine Nacht über alles zu schlafen – ansonsten hätte er womöglich ähnlich emotional auf den neuerlichen Misserfolg reagiert wie auf der Pressekonferenz nach der Begegnung, bei der er vor allem den Spielern mit höheren Ansprüchen Überheblichkeit vorwarf. Boysen erhöht so oder so den Druck auf seine Spieler. Von diesem Mittwoch an will er in den Übungseinheiten genau hinschauen, „wer eine Schippe drauflegt“. Einen Anlass, seine Mannschaft wie noch in der Vorwoche ausdrücklich für ihre Trainingsleistungen zu loben, sieht Boysen nicht mehr. Am Umfang der Einheiten – er lässt einmal am Tag trainieren – ändert er jedoch nichts. Das wäre auch unvernünftig, wartet doch schon am Freitag das Spiel in Cottbus. Ohnehin neigt Boysen nicht dazu, in Hektik zu verfallen. Sein Ehrgeiz ist aber groß genug, um demnächst womöglich personelle Konsequenzen zu ziehen, falls seine Mannschaft weiterhin so erfolglos spielt. Und noch hat der FSV den Klassenverbleib ja nicht sicher.
Kickers Offenbach
Wolfgang Wolf kämpft um seinen Job in Offenbach. So wie er das einst als Defensivspieler in der ersten Liga auch gemacht hat. Manch einer hielt es aber nicht für ausgeschlossen, dass der OFC-Trainer zu Beginn dieser Woche von sich aus hinwirft – nach nur einem Sieg in den vergangenen fünf Spielen und wegen der Gefährdung des Projekts Aufstieg. Die Kickers-Verantwortlichen hatten ihm, der im Moment die zweitschlechteste Rückrundenmannschaft in der dritten Liga betreut, deshalb am Wochenende deutlich das Misstrauen ausgesprochen. Wolf ist ein Trainer, der immer wieder seine Unabhängigkeit betont – das war auch in der vergangenen Saison so, als er die Offenbacher in ähnlicher Situation übernahm und mit ihnen den Aufstieg in die zweite Liga verpasste. Doch die aktuelle Mannschaft ist, anders als damals, von ihm zusammengestellt worden, um endlich, endlich den Aufstieg zu schaffen. Seine Reputation als Trainer würde Schaden nehmen, sollte es abermals misslingen. Bei einem Rücktritt aber verlöre er angesichts seines Vertrags bis 2012 viel Geld. Und noch stehen die Offenbacher ja auf dem Relegationsplatz drei.
Wolf ist in ernster Lage wenigstens um Gelassenheit bemüht. „Jeder kann seine Meinung sagen“, sagte er zu dem Krisengespräch, das die Vereinsverantwortlichen nach der 1:2-Heimniederlage am Wochenende gegen Rot Weiss Ahlen mit ihm führten. Die anschließende Kritik an seiner Person, die der Trainer über die Medien erfuhr, war kein Thema, als Wolf am Dienstagvormittag seine Mannschaft zur ersten Trainingseinheit in dieser Woche begrüßte. „Er ist überhaupt nicht darauf eingegangen“, so Sead Mehic. Stattdessen erlebte der Mittelfeldspieler einen OFC-Trainer, der sich von den Vorgängen unbeeindruckt zeigte – und die gewohnte Ruhe ausstrahlte. „Er ist ja lange genug im Geschäft“, sagte Mehic. Mehr trainieren müssen die Spieler in dieser Woche nicht. Nach zwei Einheiten am Dienstag folgt bis zum Auswärtsspiel am Samstag in Aalen täglich eine weitere. Zu tun gibt es dabei genug. Wolf („Ich kann die Tore ja nicht selbst schießen“) sagt, dass die Mannschaft endlich ihre Chancen nutzen müsse. Nur tut er das schon seit einiger Zeit, ohne dass sich etwas geändert hat. Die Partie in Aalen ist wohl ein Endspiel für den ehemaligen Bundesliga-Trainer, dem nicht einmal ein Unentschieden helfen dürfte. Doch zuvor will Wolf seinen Spielern so viel Normalität wie möglich vermitteln.
Ist kein Geld für eine Abfindung für Skibbe da?
Manfred Schmidt (ffm007)
- 24.02.2011, 11:14 Uhr

