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Vero Boquete und Jess Fishlock : „Was heißt ’pressure’ auf Deutsch?“

Bestens gelaunt: Verónica Boquete (links) und Jessica Fishlock beim Interview in der F.A.Z.-Sportredaktion Bild: Max Kesberger

Die Waliserin Jessica Fishlock und die Spanierin Verónica Boquete sind zwei der besten Fußballspielerinnen der Welt. Vor dem Champions-League-Viertelfinale gegen Bristol (12 Uhr) sprechen sie über ihr Dasein als Fußball-Wanderarbeiterinnen.

          Jessica Fishlock und Verónica Boquete sind seit ihrer Ankunft in Frankfurt zu Saisonbeginn ein großer Glücksfall für den FFC. Die Waliserin im defensiven und die Spanierin im offensiven Mittelfeld verkörpern auf ihren Positionen Weltklasse. Die beiden 27 Jahre alten Profispielerinnen stehen für die Klasse und die Stabilität des gesamten Teams, dem an diesem Sonntag (12 Uhr, Stadion am Brentanobad, live im dritten Programm des Hessischen Rundfunks) im Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Bristol (Hinspiel 5:0) keine Gefahr mehr droht.

          Doch nach dem Pokalhalbfinale gegen Potsdam am kommenden Mittwoch wird das kongeniale Duo gesprengt. Jessica Fishlocks Leihvertrag läuft aus – sie muss zurück nach Seattle in die amerikanische Profiliga. Auch der Verbleib von Veronica Boquete, einem der wenigen schillernden Stars des Welt-Frauenfußballs, über den Sommer hinaus ist ungewiss. Es kann sein, dass es später heißt: Sie tanzten nur eine knappe Saison lang für den FFC.

          Sie haben am Rande des Champions-League-Viertelfinalhinspiels des 1. FFC Frankfurt in Bristol via Twitter kundgetan, dass aus einer Feindschaft nun eine Freundschaft zwischen Ihnen und Verónica Boquete entstanden ist. Was hat es damit auf sich?

          Jessica Fishlock: Ja, das letzte Mal, dass ich international auf diesem Platz war, spielte ich mit Bristol gegen Vero, die damals bei dem russischen Team Energija Woronesch unter Vertrag stand. Später duellierten wir uns in der amerikanischen Profiliga mit unseren Klubs Seattle und Portland. In dieser Saison sind wir gemeinsam in Frankfurt, und darüber ist eine Freundschaft gewachsen. Es ist toll, mit solch einer großartigen Spielerin wie Vero zusammenzuspielen. Das wollte ich der Welt mitteilen.

          Verónica Boquete: Immer wenn wir gegeneinander gespielt haben, ging es richtig zur Sache. Ich bin immer noch verletzt, seitdem du mich in Amerika in einem Match umgetreten hast ...

          Fishlock: ... ich habe dich noch nicht mal berührt (beide lachen).

          Boquete: Jetzt teilen wir uns auf Reisen ein Zimmer und wohnen auch in Frankfurt nah beieinander.

          Fishlock: Vero ist eine tolle Köchin, ich kann gar nicht kochen. Es passt also hervorragend.

          Frau Fishlock hat in ihrer Karriere für sieben Vereine in sieben Ländern auf drei Kontinenten gespielt. Frau Boquete für neun Vereine in fünf Ländern auf zwei Kontinenten. Stetigkeit im Leben schätzen Sie beide nicht, oder?

          Boquete: Wenn ich wählen könnte, würde ich meine ganze Karriere gerne für ein und denselben Klub spielen. Aber wenn du im Frauenfußball auf dem höchsten Level um die größten Titel spielen willst, dann musst du wechseln. Es gibt im Frauenfußball noch keine große Stabilität. Das beste Beispiel: Ich habe mit dem schwedischen Klub Tyresö FF im vergangenen Sommer im Champions-League-Finale gestanden – und danach ist das Team quasi auseinandergefallen. Ich folge einfach meinen großen Ambitionen in meinem Sport.

          Jessica Fishlock zu ihrem Dasein als Globetrotterin: „Das macht mich vielleicht nicht zu einer besseren Spielerin, aber definitiv zu einer besseren Persönlichkeit“
          Jessica Fishlock zu ihrem Dasein als Globetrotterin: „Das macht mich vielleicht nicht zu einer besseren Spielerin, aber definitiv zu einer besseren Persönlichkeit“ : Bild: Imago

          Fishlock: Ich würde am liebsten mein Leben lang daheim auf höchstem Level um die wichtigsten Trophäen spielen. Aber das geht in Wales nicht. Wir haben nicht mal eine Frauenliga. Auch die englische Liga ist noch nicht sehr reizvoll. Um zu den Besten zu gehören, um zu werden, was ich bin, musste ich weg. Und es macht viel Freude, verschiedene Kulturen zu erleben und auf der ganzen Welt mit so vielen verschiedenen Mitspielerinnen und Trainern zusammenzuarbeiten. Das macht mich vielleicht nicht zu einer besseren Spielerin, aber definitiv zu einer besseren Persönlichkeit.

          Haben die Wechsel nicht auch eine finanzielle Komponente? Die Saison in der amerikanischen Liga geht schließlich nur sechs Monate lang.

          Fishlock: Ja, klar. Ich käme zwar irgendwie durch, aber es ist immer besser, von einem Einkommen zu leben als vom Ersparten. Außerdem sind sechs Monate ohne Fußball für mich schlicht undenkbar.

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