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Ironman Frankfurt : „Ich kenne alle Schmerzen und Leiden eines Triathlons“

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Neopren zum Frühstück: Der Auftakt zum Ironman am Langener Waldsee. Bild: Michael Kretzer

Vom Renndirektor zum Gesamtchef: Kai Walter über zehn Jahre Ironman in Frankfurt, Bestzeiten, Anti-Doping-Kampf und den Einfluss mächtiger Investoren.

          Herr Walter, als ehemaliger Major der Bundeswehr sind Sie quasi vom Kasernenhof auf den Römerberg gewechselt. Was hat sich in Ihrem Leben innerhalb der vergangenen zehn Jahre geändert?

          Unendlich viel. Ich hatte zwar einen Berufswechsel beabsichtigt, aber dass daraus eine Karriere als Ironman-Organisator wird, war nicht vorgesehen. Der Kontakt mit dieser Veranstaltung kam von heute auf morgen, als der damalige Renndirektor Kurt Denk im Jahr 2002 in unserer Kaserne anfragte, ob die Bundeswehr ihm helfen könne. Das war nicht möglich, aber ich habe dann die Seiten gewechselt und diesen Schritt keine Sekunde bereut. Ich würde mir heute zutrauen, überall ein Event zu organisieren.

          Wie viel Kai Walter steckt im Ironman Frankfurt – und wie viel Kurt Denk?

          Die Ehre für den Mut, so eine Veranstaltung aus dem Nichts zu stemmen, gebührt Kurt Denk. Aber schon bei der zweiten Auflage galt es zu beweisen, dass er und sein Team nicht nur Glück hatten, sondern ihr Geschäft auch beherrschen. Und dies habe ich maßgeblich mit beeinflusst. Wir haben uns gut ergänzt, weil wir unterschiedliche Herangehensweisen haben. Seine Stärke ist die Fähigkeit der Vermarktung. Die Umsetzung hingegen ist mein Metier.

          Und Sie waren als ehemaliger Major der straffe Kommandeur der Organisation?

          Nein, ich habe die Bundeswehr ja verlassen, weil ich eben kein klassischer Soldat bin und es nicht mehr gepasst hat.

          Nun sind Sie Chef dieses Rennens. Kaum vorzustellen, dass die Überfigur Denk sich völlig zurückgezogen hat.

          Er ist aus der Firma ausgeschieden und hat folglich operativ keinen Bezug mehr zu den Rennen.

          Seit Denks Rückzug vor drei Jahren gehört die Ironman-Organisation WTC dem amerikanischen Investor Providence. Die Folgen sind spürbar: Mehr Rennen, höhere Startgelder und ein für Athleten strapaziöserer Qualifikationsmodus für die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Hat sich die Sportart auch für Sie verändert zu einer hochkommerziellen Angelegenheit?

          Keine Frage, Ironman ist heute anders als noch vor zehn Jahren. Freilich mag ich nicht davon sprechen, dass es eine reine Kommerzveranstaltung geworden ist. Trotzdem: Wir alle haben nie ein Hehl daraus gemacht, mit der Rennorganisation Geld verdienen zu wollen. Allerdings wollen wir den Athleten nach wie vor das bestmögliche Rennen bieten.

          Aber Sie können doch nicht bestreiten, dass der Investor den wirtschaftlichen Druck auf die Veranstalter erhöht hat. Providence engagiert sich in der Regel fünf bis sieben Jahre in einem Projekt und will es dann gewinnbringend abstoßen.

          Natürlich hat sich meine Arbeit durch den Investor verändert. Dazu gehört auch, profitabel zu arbeiten. Dafür können wir jetzt Dinge umsetzen, die wir vorher nicht konnten. Und wir tun nach wie vor alles für den Sportler, auch gegen Widerstände.

          Also müssen Sie aus Geldersparnis ausgerechnet im Jubiläumsjahr auf den Vorjahressieger Andreas Realert sowie den zweimaligen Frankfurt-Champion Timo Bracht verzichten, weil Sie beiden nicht mehr die Antrittsgelder zahlen können, wie von den Athleten gefordert?

          Nein. Timo Bracht hatte sich ja schon im Dezember 2010 entschieden, nicht in Frankfurt zu starten, es kam zwischen uns nicht einmal zu Gesprächen über Finanzen. Bei Andreas Raelert tue ich mich schwer zu sagen, es ist am Geld gescheitert. Seit September vorigen Jahres haben wir ihm stets verbesserte Angebote unterbreitet.

          Trotzdem hat er sich für einen Start beim Challenge in Roth entschieden…

          ... und die Motivation dafür ist doch klar: Roth hat eine schnelle Strecke, und Andreas Raelert wollte eine neue Weltbestzeit aufstellen. Eine schnelle Zeit ist sicherlich auch für Chrissie Wellington der Grund gewesen, dort zu starten. Ich bin sicher, wir werden sie bald wieder in Frankfurt sehen. (Anm. d. Red: Raelert schaffte in Roth mit 7:41:33 Stunden genauso Weltbestzeit wie Chrissie Wellington mit 8:18:13).

          Welchen Wert haben solche Fabelzeiten? Die Triathlonszene hatte ja schon Zweifel, dass die Strecke beim Ironman Klagenfurt zur kurz ist. Dort hatte Anfang Juli Mario Vanhoenacker mit 7:44:58 Stunden eine zwischenzeitlich neue Weltbestzeit aufgestellt.

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