10.07.2005 · Normann Stadler hat beim Ironman Germany in Frankfurt seinen ersten großen Triathlon in der Heimat gewonnen. Bejubelt von mehr als hunderttausend Zuschauern überquerte der Mannheimer nach 8:20:50 Stunden als erster die Ziellinie. Bei den Frauen siegte Lisa Bentley.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtDer Hawaii-Champion war auch in der Heimat nicht zu schlagen. Als "König von Kona" war Norman Stadler nach Frankfurt gekommen, als gestärkter Champion verließ der Ironman-Weltmeister die Stadt, nachdem dem Mannheimer endlich ein Sieg auf deutschem Boden gelungen war. Der 32 Jahre alte Profi-Triathleten wirkte bei seinem souveränen Sieg bei der vierten Auflage des Opel Ironman Germany am Sonntag, als startete er in einer anderen Liga.
Es war eine Demonstration der Stärke, gespeist aus dem Vorjahreserfolg beim Klassiker auf Hawaii. Als Stadler, wie bei seinen drei bisherigen Ironmanerfolgen üblich, mit weit ausgestreckten Armen Meter um Meter dem Zielstrich näherkam und den Jubel der Menge aufsog, wähnte er sich gleichsam auf dem Gipfel des Glücks. "Ich habe gewußt, was ich kann", sagte er nach seinem Arbeitstag, der nach 8:20:50 Stunden endete. "Das ist ein persönlicher Triumph und einer der Höhepunkte meiner Karriere. Ich habe Hawaii und Frankfurt gewonnen. Jetzt kann ich es locker angehen lassen." Strahlend ging er am Römerberg auf eine Ehrenrunde und zeigte dabei gestenreich immer wieder auf sich selbst, als wollte er sagen: Schaut her, ich kann es doch. Ich bin derzeit der beste Ironman der Welt.
Schaut her, ich kann es doch
Drei Starts in Frankfurt, dreimal Zweiter: Auch 2005 hat der Neuseeländer Cameron Brown (8:28:39) seine Extraklasse gezeigt und vor dem Überraschungsdritten Markus Forster (8:30:22) aus Burgoberbach sein großes Können bewiesen. Mit dem Darmstädter Frank Vytrisal (8:41:11) und dem am 8. August 40 Jahre alt werdenden Altmeister Jürgen Zäck kamen zwei weitere Deutsche unter die besten Sechs.
Hatte sich der in Mannheim lebende Pforzheimer Normann Stadler beim Schwimmen nach 49:39 Minuten noch in relativer Nähe zum führenden und später auf Rang vier ankommenden Spanier Hektor Llanos Burgera befunden, der für die 3,8 Kilometer lange Strecke im Langener Waldsee als Schnellster im Feld der 1843 Starter 47:41 Minuten benötigte, zeigte der Hawaii-Champion seine Klasse auf dem Rad. Die kraftraubende, 180 Kilometer lange Hatz durch Stimmungsnester wie Hochstadt, Bergen-Enkheim und Bad Nauheim, vom Veranstalterteam um Organisator Kurt Denk als "The Hell", "The Beast" und "The Health" gerühmt, wurde nach Kilometer sechzig zur Alleinfahrt Stadlers.
Im Stile eines ICE
Dem couragierten Ausritt des Freiburgers Steffen Liebetrau bereitete Stadler ein jähes Ende; im Stile eines ICE rauschte er der Konkurrenz davon. Selbst ein Sturz in Frankfurt, kurz vor dem Wechsel auf die abschließende Marathonstrecke, vermochte den von Ehrgeiz und Siegeswillen angetriebenen Star der Szene nicht zu stoppen. Als Stadler, die letzten 42,195 Kilometer vor Augen, laufend den Eisernen Steg am Frankfurter Römerberg passierte, tobte die Menge. Selbst der sonst um Contenance im Alltag bemühte Staatssekretär Dirk Metz, Sprecher von Hessens Ministerpräsident Roland Koch, überschlug sich als Co-Moderator mit Superlativen und gab Stadler Anschub: "Go, Normann, go!"
Der Hilfe freilich hätte es nicht bedurft. Kai Hundertmarck, der dank einer famosen Vorstellung auf dem Rad als Zweiter die Laufschuhe geschnürt hatte, mußte mit einem Rückstand von vier Minuten die Verfolgung aufnehmen, die er nie bestehen konnte. Eine Schleimbeutelentzündung im Knie, die den einstigen Radprofi seit April schon vom professionellen Lauftraining abhält, warf ihn Kilometer um Kilometer weiter zurück. Trotzdem: Der in Eppstein lebende Sieger des Henninger-Radrennens von 2000, im vergangenen Jahr als Ironmandebütant überraschend Elfter in Frankfurt und Sechzehnter auf Hawaii geworden, fuhr bei seinem Heimspiel in die Herzen der Triathlonfans - und ganz nebenbei direkt in die Rekordlisten. 4:25:29 Stunden benötigte Hundertmarck für die Fahrt durch die Wetterau und unterbot die alte Bestmarke von Stefan Holzner um sieben Sekunden.
Titelverteidiger Holzner chancenlos
Stefan Holzner? Der 37 Jahre alte Triathlet aus den bayerischen Bergen, Koch und designierter Hotelchef im elterlichen Betrieb bei Bad Reichenhall, hatte als zweimaliger Frankfurt-Sieger vom Hattrick geträumt. Doch früh, sehr früh schon, hatte sich abgezeichnet, daß es nicht der Tag des Titelverteidigers werden würde. Als Siebter mit einer knapp zwanzig Minuten schlechteren Radzeit als Hundertmarck auf den abschließenden Marathonkurs gegangen, war er im Kampf um Triumph Nummer drei chancenlos.
Chancenreich, endlich als Erste den Zielkanal auf dem Römerberg zu erreichen, war die vor den Toren Frankfurts lebende Nina Eggert in den längsten Tag des Jahres gegangen. Zweimal Zweite, einmal Vierte: Der Weg nach ganz oben schien für sie frei zu sein, auch und gerade weil die des Dopings überführte Seriensiegerin Nina Kraft gesperrt fehlte. Doch im langen Endspurt um den Titel im zweitwichtigsten Ironmanrennen der Welt hatte Widersacherin Lisa Bentley den längerem Atem. Sieben Stunden und elf Minuten lang dauerte die Solovorstellung der Deutschen, dann wurde sie von der laufstärkeren Kanadierin überholt, die nach 9:15:31 Stunden ihren zweiten Ironman-Sieg des Jahres feierte. Nina Eggert kam zehn Minuten später ins Ziel (9:26,22).
Kein Zweifel: Es war der Tag des Normann Stadler. Es war aber auch der Tag der vielen namenlosen Helden des Ironman, die Zeit hatten, um noch bis 23 Uhr ihr ganz persönliches Traumziel zu erreichen.