01.11.2004 · Die Diplompädagogin Denise Klecker hat den ersten Marathon ihres Lebens hinter sich. Ihre in Frankfurt erreichte Zeit kann sich sehen lassen, auch ihre sportliche Vita: Mit dem Rüsselsheimer RK ist sie auf dem Feld wie in der Halle mehrmals deutscher Meister geworden, dazu Europapokalsiegerin.
Von Hans-Joachim LeyenbergWie geht's denn heute so? Brennen die Füße, was macht der Muskelkater oder konnte nicht einmal der Marathon eine Hockey-Nationalspielerin schrecken?
Auch eine Hockeyspielerin ist nach 42,195 Kilometern platt und die Beine merkt man schon. Ich hab' nicht sonderlich gut geschlafen, aber das lag am Glücksgefühl. Ich versuche das Treppensteigen zu vermeiden und weiß im Augenblick noch nicht, ob ich das Trainingsspiel gegen den weißrussischen Meister Kladno mitmachen kann. Normalerweise stellt sich mit dem ersten Training für die Hallensaison ein gewaltiger Muskelkater ein, aber ich wüßte keine Stelle meines Körpers, wo ich noch Muskelkater kriegen könnte.
Sie sind unter der Vier-Stunden-Marke geblieben. War das das Traumziel, wird schon eine neue Bestzeit angepeilt oder gibt es kein zweites Mal?
Das war für dieses Rennen auf jeden Fall ein Traumziel, das ich jetzt erreicht habe und darauf bin ich unheimlich stolz. An dieser Stelle muß ich aber meinem Goldreporter und Mitläufer Rene Hiepen danken. Ohne ihn wäre es sicher nicht so ein gleichmäßiger Lauf geworden. Das nächste Traumziel heißt im nächsten Jahr: Marathon in New York City und dann wieder mit einer Zeit unter vier Stunden.
Sie sind für einen guten Zweck gelaufen. Erzählen Sie mal, wem Sie mit der Pflastertreterei geholfen haben.
Ich bin dieses Rennen für Alina gelaufen, einem leukämiekranken Mädchen aus Mainz. Alina spielt in meinem Heimatverein, dem TSV Schott Mainz, Hockey und für sie sind wir gelaufen. Uns haben zahlreiche Sponsoren unterstützt, die wir zusammengetrommelt haben. Das Tollste an der Sache ist, daß sich auch Sponsoren der Stiftung Deutsche Sporthilfe für diese gute Sache engagiert haben. So sind wir auf einen Betrag von 10 000 Euro gekommen.
Gab es den berühmten toten Punkt tatsächlich, vor dem Sie sich vorab gefürchtet haben?
Ja, der Hammer kam bei Kilometer 37, aber wenn man nur noch 5 Kilometer vor sich hat und weiß, was es heißt sich zu quälen, gibt man auf keinen Fall auf und schon gar nicht, wenn man dran denkt, daß man für ein Kind läuft, das schon ganz andere Schmerzen erleiden mußte.
Wie sah die persönliche Belohnung für soviel Durchhaltevermögen aus?
Die erste Belohnung war eine Badewanne mit warmem Wasser, die zweite einGlas Champus mit Rene.
Als Marathonläufer ist man ja eigentlich ein Einzelkämpfer. Nun sind Sie ein geselliges Wesen. Haben Sie unterwegs Leute motiviert oder sich motivieren lassen und wie sah das aus?
Ich habe die Menschenmassen am Rand genossen und zum anderen immer die Nebenleute bestaunt, bewundert und auch mal angelächelt. Wenn man mitten zwischen über 10 000 Menschen einen Marathon läuft, ist das ziemlich gesellig, man teilt nämlich mit allen eins: 42,195 Kilometer.
Ein Höhepunkt in Ihrer Karriere jagt den nächsten. Kommenden Sonntag versuchen Sie sich neben anderen Medaillengewinnern von Athen auf der Bobbahn von Winterberg im Skeleton. Haben Sie schon Bammel?
Klar habe ich Respekt vor dem Eiskanal, aber ich bin mir sicher, daß ich auch bei diesem Event eine Menge Spaß haben und am Ende heil und gesund unten ankommen werde. Eins muß man ja auch wissen, ich teile meinen "Bammel" mit sechs anderen Sportlerinnen und Sportlern, und in der Gemeinschaft ist einfach manches viel leichter.