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Im Interview: Eintracht-Präsident Peter Fischer „Den neuen Trainer beneide ich nicht“

31.05.2009 ·  Auch nach dem Trainerwechsel, sagt Eintracht-Präsident Peter Fischer, hat der Verein noch genug Probleme. Eine Möglichkeit, um die Klasse des Klubs zu steigern, wäre mehr Geld in die Hand zu nehmen. Doch das sei einfach nicht da, sagt Fischer.

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Friedhelm Funkel ist nach fünf Jahren gegangen, ein neuer Trainer wird in den nächsten Tagen kommen. Sind damit die größten Probleme der Eintracht für die nähere Zukunft gelöst?

Nein, ganz sicher nicht. Das wäre zu kurz gedacht. Der neue Trainer findet eine Konstellation vor, um die ich ihn nicht beneide. Wir alle wünschen einen anderen Fußball als in der letzten Saison. Da haben wir häufig langweiligen Fußball gesehen, was dann ja immer öfter zu Kritik geführt hat. Dafür gab es ja auch Gründe, die von Friedhelm Funkel zu Recht angeführt und die schon ausführlich diskutiert worden sind. Jetzt hoffen wir gemeinsam mit unseren Zuschauern auf schnelleren, aggressiveren Fußball, auf ein bisschen mehr Spektakel. Allen ist klar, dass dies schwer umzusetzen sein wird.

Sie haben vor nicht allzu langer Zeit gesagt, es gebe nur zwei Möglichkeiten, die Eintracht deutlich nach vorn zu bringen. Entweder der Klub müsse viel Geld in die Hand nehmen, oder es müsse noch mehr Substanz aus dem Nachwuchs nach oben geführt werden. Welchen Weg wird die Eintracht gehen?

Genau da liegt das Problem. Wir können nicht mehr Geld in die Hand nehmen, weil wir es nicht haben. Und es wird auch nicht vom Himmel fallen, schon gar nicht in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. Kurzfristig müssen wir also sicher noch sorgfältiger arbeiten bei der Einkaufspolitik. Heribert Bruchhagen und die Scoutingabteilung machen sich da viele Gedanken. Ich beneide sie um diese Aufgabe nicht. Wir müssen bei der Eintracht den gordischen Knoten zerschlagen zwischen den wirtschaftlichen Zwängen und den sportlichen Notwendigkeiten und Möglichkeiten. Mittelfristig wird es darauf ankommen, dass wir mit dem Bau des Nachwuchsleistungszentrums dann auch in der Lage sind, unsere Talente schneller reif zu machen für den Sprung in die Profiabteilung. Wir müssen die jungen Spieler besser ausbilden, fördern und weiterentwickeln, so dass die Qualität angehoben wird. Aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen.

Die Saison 2007/2008 hat die Eintracht als Neunter abgeschlossen, die vergangene Spielzeit als Dreizehnter. Wer sich die Liga anschaut, kann nur wenig tabellarisches Entwicklungspotential nach oben entdecken. Wie ist Ihre Erwartungshaltung für die neue Spielzeit?

Sie haben recht, den ganz großen Sprung kann von unserer Mannschaft keiner erwarten. Und es wird ihn auch keiner erwarten. Vielleicht können wir an Köln herankommen oder an Hannover. Aber viel mehr ist schwer vorstellbar. Da stehen Bremen, Dortmund, Leverkusen und Hoffenheim. Die haben allesamt andere Voraussetzungen, von Wolfsburg, Bayern oder dem HSV gar nicht zu reden.

Wenn das so kommt, wird nicht viel übrigbleiben von der Aufbruchstimmung, die angestrebt wird.

Genau daran müssen wir arbeiten. Nicht allein der Tabellenplatz zählt. Ich kann schon am Horizont erkennen, dass wir vielleicht besser spielen, dass wir den Zuschauern den Wunsch erfüllen, auch mal einen Großen zu schlagen.

Halten Sie dies mit der aktuellen Mannschaft für möglich?

Ja, schon allein weil ich davon überzeugt bin, dass diese unglaubliche Verletzungsseuche jetzt endlich ein Ende haben wird und wir deshalb auf Spieler bauen können, die in dieser Saison lange ausgefallen sind. Dazu haben wir Spieler mit Entwicklungspotential. Ich kann mir schon vorstellen, dass ein gesunder Ümit Korkmaz für Wirbel sorgen wird. Dass Martin Fenin nicht dauernd Pfosten oder Latten trifft und statt fünf Toren vielleicht zehn macht. Dass sich die Zuschauer daran erfreuen, dass mit Sebastian Jung wieder mal einer aus der eigenen Jugend für Furore sorgt. Oder dass der neue Trainer es schafft, Caio besser in Wert zu setzen. Dazu gehört natürlich auch, dass der Spieler auch begreift, was von ihm erwartet wird. Da gibt es viele kleine Teilchen, die wir verbessern können. Das ist absolut möglich, schließlich waren wir 2008 ja auch auf dem neunten Platz.

Wie kann das gesamte Klima im Klub, das zuletzt unter den Streitigkeiten um den alten Trainer sichtbar gelitten hat, befriedet werden?

Zunächst einmal müssen wir eine gesunde Balance finden zwischen Anspruchshaltung und realistischer Einschätzung. Das wird ganz wichtig sein. Dies zu vermitteln wird die Aufgabe aller Verantwortlichen der Eintracht sein. Es ist eine schwere Aufgabe, weil ich wirklich nicht glaube, dass wir nun sportlich auf Anhieb einen Riesensprung machen können. Aber wir haben auch außerhalb der geschilderten sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten positive Ansätze. Einer davon ist, dass die veröffentlichte Meinung in Frankfurt und Umgebung in den letzten Jahren sehr fair und integer war. Ich gehe davon aus, dass dies auch so bleiben wird.

Das Gespräch führte Josef Schmitt

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