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Veröffentlicht: 16.03.2010, 09:12 Uhr

Im Gespräch: Sara Thunebro und Leni Larsen Kaurin Sind Sie enttäuscht vom FFC?

Sara Thunebro und Leni Larsen Kaurin sorgen für skandinavische Akzente im Kader des geplagten Frauenfußball-Renommierklubs FFC Frankfurt. Im Interview sprechen sie über Fußball in Deutschland, Geld und die WM 2011.

© Lucas Wahl Fühlen sich wohl in Deutschland: Sara Thunebro (links) und Leni Larsen Kaurin.

Sara Thunebro und Leni Larsen Kaurin sorgen für skandinavische Akzente im Kader des geplagten Frauenfußball-Renommierklubs FFC Frankfurt. Im Interview sprechen sie über Fußball in Deutschland, Geld und die WM 2011.

Sie beide gehören zu den mittlerweile über dreißig ausländischen Spielerinnen in der Frauen-Bundesliga. Ist die Liga attraktiver geworden?

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Leni Larsen Kaurin: Die Bundesliga ist eine sehr gute Liga. Man sieht das ja auch am deutschen Nationalteam, das immer eines der besten in der Welt ist. Neben der amerikanischen Profiliga ist die Bundesliga die attraktivste Möglichkeit für mich als Norwegerin, in einem anderen Land zu spielen.

Was war für Sie der Grund, Schweden zu verlassen?

Sara Thunebro: Ich habe zehn Jahre in der schwedischen Liga gespielt und wollte noch mal was anderes machen. Amerika war zu weit weg, und sie spielen da auch nur fünf Monate lang. Außerdem kannte ich Ariane Hingst und Nadine Angerer von ihrer Zeit in meinem Klub Djurgarden. Deshalb habe ich mich für Frankfurt entschieden.

Was steht im Mittelpunkt, die sportliche Herausforderung oder die Auslandserfahrung?

Kaurin: Es ist immer ein Anreiz, in einer Top-Liga mit einigen der besten Spielerinnen der Welt zu spielen. Außerdem habe ich in Deutschland die Chance, genug Geld zu verdienen, um mich auf meinen Sport konzentrieren zu können und nebenher ein bisschen zu studieren oder die Sprache zu lernen.

Sind Sie vor der Krise in der schwedischen Liga geflohen, der es nach einem Boom derzeit finanziell schlecht geht?

Thunebro: Das hat damit weniger zu tun. Ich wollte einfach mit guten Spielerinnen zusammen spielen und mich weiter entwickeln. In Frankfurt kann ich neue Dinge lernen.

Sie lernen aber auch – unabhängig vom Erfolg am Sonntag gegen den Hamburger SV – zu verlieren. Sind Sie enttäuscht von der schwierigen Situation beim FFC?

Thunebro: Sicher ist es nicht schön zu verlieren. Ich denke aber, dass wir jetzt was aufbauen – und dass ich in den kommenden anderthalb Jahren noch genug Erfolge feiern werde.

Sie waren mit Turbine Potsdam in der Champions League, sind aber dennoch nach Frankfurt gewechselt – warum?

Kaurin: Natürlich war es für mich hart, von einem Champions-League-Klub wegzugehen. Aber Trainer Bernd Schröder plante nicht mehr mir, er wollte ein Mittelfeld um die deutsche Nationalspielerin Lira Bajramaj aufbauen. Da wurde es für mich schwer, eine Chance zu bekommen – gleichgültig, wie gut ich war. Deshalb fiel mir die Entscheidung für Frankfurt leicht.

Werden Ihre Leistungen in der Bundesliga in der Heimat von den Nationaltrainern registriert?

Kaurin: Ich glaube nicht, dass es für die Nationalmannschaft einen Unterschied macht, ob man in Deutschland, Amerika, Schweden oder Norwegen spielt. Entscheidend ist, was man bei der Nationalmannschaft leistet.

Thunebro: Wir haben Nationalspielerinnen in aller Herren Länder. Ich glaube, dass es unserer Nationalmannschaft gut tut, Einflüsse aus Deutschland oder Amerika zu bekommen.

Die Bundesliga steht klar im Schatten der deutschen Nationalmannschaft. Sehen Sie trotzdem Fortschritte?

Kaurin: Man merkt, dass die WM 2011 in Deutschland näherkommt. Dadurch investieren mehr Klubs in ihre Bundesligamannschaft. Dadurch wird die Leistungsdichte größer, die besten Mannschaften haben nicht mehr nur elf gute Spielerinnen, sondern auch gute Ersatzspielerinnen. Es kommen auch mehr Ausländerinnen in die Liga, was die Qualität zusätzlich erhöht. Dadurch ist mittlerweile fast jedes Bundesligaspiel schwer zu gewinnen, selbst für die Spitzenmannschaften. Deshalb sehe ich klare Fortschritte.

Wie steht es um das Ansehen des FFC im Ausland. Ist er das Manchester United oder Real Madrid des Frauenfußballs – oder nur Bayern München?

Thunebro: Frankfurt ist nach wie vor die beste Adresse in Europa. Wir müssen nur diesem Anspruch wieder gerecht werden.

Kaurin: Frankfurt ist das bekannteste Team im europäischen Frauenfußball und war bislang immer ein Stück weiter als Turbine Potsdam oder Olympique Lyon oder Arsenal London. Aber wir müssen auch bald wieder Erfolge haben, um unsere Reputation zu verteidigen.

Sorgt die WM bei Ihren Nationalteams schon für Gesprächsstoff?

Kaurin: Wir reden noch nicht über die WM – sondern darüber, wie wir uns qualifizieren. Das wird hart genug, weil mittlerweile einige europäische Teams gut genug sind, Norwegen Probleme zu bereiten.

War die WM ein Grund für Ihren Wechsel nach Deutschland?

Thunebro: Nein, das ist nur ein schöner Bonus.

Und was erwarten Sie?

Kaurin: Deutschland ist das beste Land, wenn es darum geht, ein Turnier zu organisieren. Mich hat beeindruckt, dass im vergangenen Jahr bei den Länderspielen gegen Brasilien hier in Frankfurt und gegen die Vereinigten Staaten in Augsburg so viele Zuschauer kamen. Das war ein Vorgeschmack auf die WM.

Thunebro: Wenn wir mitspielen, werden viele Fans unserer Nationalmannschaften aus Schweden und Norwegen nach Deutschland kommen, weil es sehr nah ist. Dadurch kann das ein Rahmen für unseren Sport werden, den man bislang nicht kannte.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

Quelle: F.A.Z.

 

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