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Fußball-Manager Auf Spielersuche in Absurdistan

12.05.2006 ·  Ich bin auf Jobsuche. Welche Qualifikationen muß eigentlich ein Fußballmanager haben? Mein Schwager sagt, das kann doch jeder.

Von Michael Eder
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Ich bin auf Jobsuche. Welche Qualifikationen muß eigentlich ein Fußballmanager haben? Mein Schwager sagt, das kann doch jeder.

Lieber Leser, auf den ersten Blick hat Ihr Schwager recht. Das kann jeder. Wenn auch nicht jeder gleich gut. Aber gut spielt in dieser Branche nicht die ganz große Rolle. Wer einmal im Sessel sitzt, sitzt gut. Welche Vorbildung, fragen Sie, sei nötig? Die Antwort ist: Egal. Eintracht-Bruchhagen war Lateinlehrer, Mainz-Heidel war Autoverkäufer - innerhalb dieser Spanne sollte die Qualifikation ungefähr liegen. Ein Manager muß gut mit Geld umgehen können, das ist wichtig. Und er darf auch keine Scheu haben, mal den Kofferraum mit kleinen Scheinen vollzuladen und damit in den Osten zu fahren.

Der Fernhandel ist also äußerst wichtig. Deshalb hatte zum Beispiel Calli Calmund auch erst einmal Außenhandelskaufmann gelernt, ehe er der größte aller deutschen Fußballmanager wurde. Weitere wichtige Ausbildungsstationen durchlief er als Meßdiener, Lokalsportreporter, Jugendleiter und Stadionsprecher. Sie sehen, lieber Leser, der Fußballmanager ist ein Job, der vielen Berufsgruppen die Chance gibt, Hartz IV zu entkommen und viele schöne Dienstreisen nach Brasilien zu machen, wo es bekanntlich die besten Spieler gibt - und Leute mit Geldkoffern ganz schnell viele neue Freunde finden.

Allerdings sind die Zeiten auch nicht mehr das, was sie mal waren. Es gibt heute in vielen Vereinen so störende Organe wie Aufsichtsräte, die immer öfter wissen wollen, wo das liebe Geld denn so geblieben ist. Die Frankfurter Eintracht und ihr Chef Ohms - was waren das noch für schöne Zeiten, als noch alle gemeinsam im Boot saßen, und man nicht auf Cent und Pfennig schauen mußte. Eine Mitgliederversammlung alle paar Jahre, ein paar warme Worte von der Kanzel, und schon wollte keiner mehr wissen, was denn so läuft mit Yeboah und der Steuer und den Spielerbeobachtungen und den Auslandsreisen.

In Offenbach kann man was lernen

Ja, das war noch klasse, einmal gewählt, immer verreist. Heute, lieber Leser, ist der Fußball zum Geschäft geworden. Sogar Calli Calmund haben sie abgeschossen. Wegen ein paar Optionen auf ein paar angehende Nationalspieler aus Absurdistan, die dann doch nicht gekommen sind, kostenlos nicht gekommen sind im übrigen, für die Auflösung der Optionen hat Calli nicht einen Cent gezahlt, der alte Fuchs. Aber nun ist er weg. Und wovon leben jetzt die ganzen armen Spieler in Absurdistan? Und die Berater vor allem? Wie sollen sie ihre Offroader finanzieren? Wie sollen sie reich werden, wenn jetzt die Kleinkrämer aus der Konzernleitung die Kohle kontrollieren? Macht da Spielersein überhaupt noch Spaß, und vor allem: Macht da Managersein überhaupt noch Spaß? Das, lieber Leser, müssen Sie selbst entscheiden.

Leider, leider: Brasilien einmal im Monat, das ist nicht mehr. Vielleicht sollten Sie einfach klein anfangen, das ist immer noch das beste. Irgendwo in der Regionalliga. Oder in der zweiten Liga, da gibt es viel zu tun. Vielleicht in Offenbach, die brauchen immer gutes Personal, weil sie es mit dem Geld nicht so haben. Aber sie haben Ahnung, da können Sie was lernen, über Vertragsgestaltung zum Beispiel und über die soziale Versorgung von Fußballehrern. Letzte Saison haben sie Trainer Boysen gefeuert, und als dann Trainer Frank die Mannschaft vor dem Abstieg rettete, bekam der Trainer eine Nichtabstiegsprämie: nicht Frank, der Retter, sondern Boysen, der Gefeuerte, dessen Vertrag sich auch gleich noch um ein Jahr verlängerte.

Sie werden zugeben, auf solche Vertragsinhalte zu kommen ist nicht ganz einfach. Das verlangt Weitblick und Routine. Das bekämen Sie auch hin? Na, dann versuchen Sie es. Viel Erfolg dabei.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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