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Fußball : FC Barcelona statt Eintracht – mit elf Jahren

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Im Trikot des besten Klubs der Welt: Georgios Spanoudakis Bild: privat

Georgios Spanoudakis hat es mit viel Talent und Hilfe seines Vaters aus Rüsselsheim zum derzeit erfolgreichsten Fußballverein der Welt geschafft. Nun hofft der Elfjährige auf eine große Karriere.

          „Dein Sohn ist ein Spieler für den FC Barcelona.“ Konstantinos Spanoudakis hatte verstanden, genickt, breit gelächelt und war wie so oft unendlich stolz auf seinen Georgios. Die feierlich vorgetragenen Worte des Nachwuchskoordinators des katalanischen Weltklubs haben das Leben der Familie Spanoudakis auf jeden Fall gehörig umgekrempelt.

          Rückblende: Georgios dribbelt, grätscht, schießt, schlägt Außenristpässe, zirkelt Freistöße in Serie ins Netz. Sein Jubel ist verhalten, die Erfolgserlebnisse im Trikot der Frankfurter Eintracht sind zu selbstverständlich geworden über die Jahre. Seine Technik ist erstaunlich, seine Dynamik ungewöhnlich für sein Alter. Zu sehen ist dies in mit Musik unterlegten Clips auf den einschlägigen Videoplattformen im Internet, zu hören sind auch seine früheren Trainer. Der Junge sei mit überragendem Talent gesegnet, sagen alle unisono. Georgios Spanoudakis ist vor vier Wochen elf Jahre alt geworden. Und Georgios Spanoudakis trägt nicht mehr den Eintracht-Adler auf der Brust, sondern seit knapp drei Monaten das weltberühmte Streifentrikot des Champions-League-Siegers FC Barcelona. Mit der Nummer zehn auf dem Rücken.

          „Wie eine große Familie“

          „Jedes Kind träumt von Barcelona“, sagt Konstantinos Spanoudakis. „Was sollte ich Georgios antworten, wenn er mir irgendwann vorwirft: Barca wollte mich, und du hast nein gesagt?“ Die beiden Männer der Familie ließen Mutter, Schwester und das heimische Rüsselsheim zurück und zogen nach Barcelona. Die vielen Fahrten nach Wiesbaden, wo Georgios zur Schule ging, und nach Frankfurt zum Training sind passé. Konstantinos wohnt nun bei einem Onkel, der in Barcelona als Unternehmer arbeitet, Georgios lebt von Montag bis Freitag im klubeigenen Internat „La Masia“ unweit des Stadions Camp Nou. Mutter und Schwester kommen wahrscheinlich im Sommer nach. Georgios, der im griechischen Thessaloniki geboren ist und einen deutschen Pass hat, ist der Hoffnungsträger der Familie.

          In Barcelona sind Talente den Stars wie Messi (links) und Ibrahimovic nah

          Bis er 17 Jahre alt ist, laufe sein Vertrag bei Barca, erzählt Konstantinos Spanoudakis. Wie viel Geld Georgios für seine jungen Kickerdienste schon einspielt, will der Grieche nicht verraten. Georgios ist der Jüngste unter all den hochbegabten Nachwuchskickern aus der ganzen Welt von Kamerun bis Russland, die in „La Masia“ fit gemacht werden für die mögliche Profikarriere – aber auch für das Leben ohne Fußball. Schule und Hausaufgabenbetreuung werden genauso ernst genommen wie das Training. Auch mit der fremden Sprache mache sein Sohn große Fortschritte, sagt Konstantinos. Auf dem katalanischen Rasen habe er sich zudem schon genauso treffsicher gezeigt wie auf dem Grün am Frankfurter Riederwald. In Barcelona nennen sie ihn schon „el alemán“, den Deutschen. Vor drei Wochen, beim „Classico“ gegen Real Madrid in der spanischen Liga, kamen nicht weniger als sieben Eigengewächse aus „La Masia“ im Team des FC Barcelona zum Einsatz – von Iniesta über Puyol bis Messi. Die Physiotherapeuten bei Barca würden bei den Schenkeln eines Profispielers keinen Unterschied machen zu den Beinchen eines Spielers der U 12, erzählt Konstantinos begeistert. „Das ist wie eine große Familie.“ Neulich hat Georgios auf der Massagebank gelegen und ist dort später von dem schwedischen Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic abgelöst worden.

          „Wir machen uns keinen Stress

          Bei der Eintracht hält sich der Ärger um den Verlust des kleinen, 1,55 Meter großen Technikers in Grenzen. „Von einer Profikarriere träumen kann man von der U 17 an. Und da schaffen es von den fünf Besten auch nur zwei“, sagt Armin Kraaz, der stellvertretende Leiter des Eintracht-Leistungszentrums. „Wir haben Georgios als guten, talentierten Spieler gesehen – nicht mehr und nicht weniger.“ Wen man auch fragt, der Elfjährige wird als charakterstark beschrieben, als einer, der trotz seiner Begabung mit beiden Füßen auf dem Boden stehe. Georgios, den alle nur „Jogo“ rufen, war ein Sympathieträger in der U 12 der Eintracht und dazu ihr Kapitän. 132 Tore habe Georgios mal in einer Saison geschossen. Dazu muss man nur wissen, dass auf dem Kleinfeld Ergebnisse wie 30:0 keine Seltenheit sind für den Eintracht-Nachwuchs.

          Konstantinos Spanoudakis ist arbeitsunfähig und konzentriert sich voll auf die Karriere des Sohnes. Er hat Georgios schon vor Jahren eine eigene Homepage gebaut, dokumentiert die Karriere seines Sohnes in Bild und Ton. Konstantinos wirkt aber nicht so verbissen und hyperehrgeizig wie manch andere Eltern eines vermeintlichen Wunderkindes. Immer wieder sagt er: „Man muss bedenken, dass Georgios erst elf Jahre alt ist. Wir machen uns keinen Stress.“

          „Sehr glücklich in Barcelona“

          Bei der Eintracht ist mit Befremden aufgenommen worden, wie und wann Konstantinos Spanoudakis den Wechsel seines Sohnes eingefädelt hat – mitten in der Saison, und dann innerhalb von zwei Tagen nach einem Spiel ließ der Grieche den Verein wissen, dass die Familie aus „privaten Gründen“ nach Spanien ziehen werde. „Der Vater hat seinen Sohn quer durch Europa bei Topvereinen angeboten“, erzählt Kraaz. Unter anderem von Benfica Lissabon und Chelsea London wurden Vater und Sohn zu einwöchigen Probetrainings eingeladen – für Kost, Logis und Reisekosten kamen die Vereine auf.

          Auch in Barcelona spielte Georgios vor. Konstantinos sagt, er sei bei Spielen von Eintrachts U 12 von Scouts der Topklubs angesprochen worden. Bei der Eintracht heißt es: Das seien „Märchen“, denn in dieser Altersklasse werde noch gar nicht professionell gescoutet. Konstantinos hat für seinen Sohn das Beste gefunden, was der Weltfußball derzeit zu bieten hat. „Manche Leute glauben, dass ich alles geplant habe. Aber das stimmt nicht“, sagt er. „Georgios ist sehr glücklich in Barcelona. Und das ist doch das Wichtigste.“

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