Des heftigen Regenschauers am Ende des Vormittagstrainings hätte es nicht bedurft, die Gemüter abzukühlen. Zwar war es zuvor auf dem Platz heiß hergegangen, die Betriebstemperatur des Kaders stimmte, aber die Begeisterung kocht nicht über. Die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht bleiben hübsch auf dem Teppich, auch wenn die Aussichten auf den Ausstieg aus der zweiten Liga seit dem vergangenen Wochenende angesichts eines Vorsprungs von vier Punkten so günstig wie noch nie ist. Und daß der 1. FC Köln sich am Montag abend in Aue als Erster des derzeit führenden Trios nach oben verabschiedet hat, ist eher am Rande registriert worden. Jetzt sind also nur noch zwei von drei Plätzen zu vergeben, einen davon wollen die im Vorjahr abgestiegenen Frankfurter in Anspruch nehmen.
„Wir schauen nur auf uns“
Einen wichtigen Schritt können sie am kommenden Montag tun, wenn der Tabellenzweite MSV Duisburg ins Waldstadion kommt. Die Westdeutschen haben am vergangenen Wochenende das Kunststück vollbracht, aus einem 1:3 zur Halbzeit noch ein 4:3 zu machen und dürfen sich deswegen der Bundesliga ganz nahe wähnen. Zumindest näher als die Frankfurter. Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel, der früher sowohl in Kölner als auch in Duisburger Diensten stand, hatte sich den MSV persönlich erst gar nicht angeschaut. "Wir schauen auf uns, alles andere ist mir wurscht." Den Kölnern gratulierte Funkel artig, das war es denn auch schon, Vorrang hat die Konzentration auf das eigene Bestreben, ihnen schnellstmöglich nachzufolgen. "Wenn wir gewinnen, können die anderen spielen, wie sie wollen", sagt Funkel zu der besten Ausgangslage von allen, nämlich das große Werk aus eigener Kraft vollenden zu können. "Nicht viel darüber reden", sagt Angreifer Arie van Lent, man müsse "nur" noch seine Heimspiele gewinnen, dann könne die Mannschaft Vollzug melden.
Am Dienstag mußte Funkel auf die beiden jungen Daniyel Cimen und Alexander Huber verzichten, die an einem Schnelligkeitstest der U 20-Nationalmannschaft teilnahmen, außerdem auf Christopher Reinhard, dem irgendetwas auf den Magen geschlagen ist, daß der erheblich verstimmt reagiert hat. Ansonsten hat Funkel all die zusammen, mit denen er am Montag gegen die Duisburger nicht nur bestehen, sondern gewinnen will, um die glänzende Serie von zuletzt vier Siegen in Folge bei 13:0 Toren auszubauen. Für den Mittwoch hat Funkel seinen Leuten freigegeben, "um etwas durchschnaufen zu können". Die zehn Tage zwischen einem Freitag- und einem darauffolgenden Montagspiel sind zäh, da muß man sich einiges zur Auflockerung einfallen lassen. Am Donnerstag geht es dann mit der gewohnten Intensität weiter. Schließlich wollen sich die Frankfurter in dem vermutlich proppevollen Stadion in einer angemessenen Verfassung präsentieren - zumal sie auf die Ergebnisse zuvor reagieren können. Das wichtigste Resultat wird aus München kommen, wenn die "Löwen" gegen Alemannia Aachen gespielt haben.
Apropos "Löwen". Dier wollen partout ihren Torben Hoffmann zurückhaben. Trainer Reiner Maurer hat noch einmal bekräftigt, den Abwehrspieler, dessen Vertrag in Frankfurt ausläuft, für die kommende Saison haben zu wollen. Das hat intern für einige Aufregung gesorgt, weil Hoffmann, der samt Markus Weissenberger vor einem Jahr nach Frankfurt gekommen war, von Präsident Auer damals als "Abzocker" bezeichnet worden war. Eine andere ins Spiel gebrachte Personalie läßt Friedhelm Funkel völlig kalt. Es geht um Christoph Preuß, der die Eintracht nach ihrem Abstieg verlassen hatte und nun mit dem VfL Bochum vor dem Abstieg steht. Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen hatte Preuß damals als "meine größte Enttäuschung" bezeichnet. Eine Rückkehr wäre für viele andere ebenfalls eine.

