Bange machen gilt nicht, erst recht nicht für einen professionellen Trainer. Da mögen die Eindrücke von der 0:3-Niederlage beim 1. FC Saarbrücken ernüchternd gewesen sein, da mag der selbstbewußte weil ungeschlagene Tabellenführer aus der Zweiten Fußball-Bundesliga ins Frankfurter Waldstadion kommen - Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel gibt sich von berufswegen unaufgeregt vor dem Zweitrundenduell im Pokal mit der Spielvereinigung Greuther Fürth. "Das Spiel ist offen", lautet die Mutmachung des Coaches an seine Mannschaft und ihre Anhängerschaft. "Die Jungs müssen selbstbewußt auftreten, um mit der Unterstützung der Zuschauer das Spiel zu gewinnen." Nun, mit einem derart großen Andrang wie bei den bisherigen beiden Zweitliga-Heimspielen ist auf den Rängen der First-Class-Baustelle an diesem Mittwoch von 19 Uhr an nicht zu rechnen, wie die Vorverkaufszahlen nahelegten. Doch zumindest zehntausend Besucher erwartet die Frankfurter Eintracht, wenn sie auf den Branchenführer zweiter Klasse trifft. Frankfurt und Fürth trennen 220 Kilometer, sechs Punkte - aber nur ein einziges Törchen mehr als die Eintracht hat die Spielvereinigung erzielt. Dank einer soliden Abwehr reichte dies zu vier Erfolgen in den ersten fünf Spieltagen. "Eine harte Nuß" gelte es zu knacken, behauptete Funkel. Aber beim genaueren Blick auf den bisherigen Liga-Alltag, wie der Eintracht-Trainer ihn pflegt, relativiert sich die fränkische Erfolgsserie ein bißchen. "Deren Startprogramm mit drei Heimspielen war einfacher als unseres", sagte Funkel, der sich nicht länger wegen mit der Niederlage in Saarbrücken beschäftigt. Einzig vom Fürther Auswärtssieg in Unterhaching, der als Mahnung für die Hausherren von heute gelten kann, war er etwas überrascht. Dennoch: "Fürth hat in Benno Möhlmann einen erfahrenen Trainer und einen guten Kader mit erfahrenen und jungen Spielern." Was die Franken derzeit nicht haben, ist ihren etatmäßigen Abwehrchef. An diesem Mittwoch und mindestens weitere vier Wochen wird Tomas Votava fehlen, der sich am Sonntag beim 2:0-Heimsieg gegen Aufsteiger Rot-Weiß Erfurt einen doppelten Muskelfaserriß in der rechten Wade zugezogen hatte. Der nach einer Roten Karte für drei Ligaspiele gesperrte Kapitän Petr Ruman kann im DFB-Pokal hingegen ebenso auflaufen wie auf Frankfurter Seite Alexander Schur, der in Saarbrücken Gelb-Rot sah.
Für seine ungestüme Aktionen muß Schur nicht mit Konsequenzen rechnen, doch kleinere Umstellungen in der Startelf behält sich Friedhelm Funkel vor. Welche Maßnahmen er plant, darüber verrät er noch nichts. Doch könnte es einen der jüngeren Profis treffen, die nach furiosen Saisonstart etwas nachließen. "Sie haben Kraft gelassen", erkannte Funkel, "sie haben Probleme, sich das Spiel einzuteilen." Benjamin Köhler könnte für Markus Beierle weichen, Stefan Lexa gehört nach seinem fehlerhaften Auftritt vom vorigen Sonntag auch zu den Wackelkandidaten. Hingegen spielt Funkel mit dem Gedanken, Chris erstmals in den Kader zu berufen. Nach Saarbrücken war er schon mitgereist, mußte aber auf der Tribüne Platz nehmen. Torben Hoffmann wird der Brasilianer wohl nicht ersetzen, da der Innenverteidiger nach seiner Wadenverhärtung und der Trainingspause am Montag wieder einsatzbereit erscheint. Er überlege, "den einen oder anderen draußen zu lassen", kündigte Funkel an, der zudem von seinem Kapitän eine stetige Leistungssteigerung erwartet. "Jens Keller ist auf dem Weg, an Sicherheit zu gewinnen."
Vor dem heutigen Zweitligaduell im DFB-Pokal träumt der fünfzigjährige Funkel bereits ein bißchen von Berlin - ein finales Reiseziel, das er "mit etwas Losglück" nicht aus den Augen verlieren will. "Gerade für Zweitligamannschaften ist der Pokal unglaublich reizvoll", befand der Eintracht-Trainer. Ähnliches wird Benno Möhlmann sicher auch seinen Fürthern sagen.

