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Stadion am Bornheimer Hang : Bis auf den letzten Rang

Viel Schatten, wenig Licht: Der Umbau der Haupttribüne im Volksbank-Stadion ist zu einem Machtkampf im Magistrat geworden. Bild: Marcus Kaufhold

Seit fast einem Jahr gibt es Ärger wegen des Tribünenumbaus im Stadion am Bornheimer Hang. Es mischen mit: Politiker, Ex-Politiker, Ämter, Sponsoren, der FSV Frankfurt. Ein Aufsatz zur Besinnung.

          Der Grundstein zum Tribünendebakel wird am 5. September 2007 gelegt. An diesem Tag, einem Mittwoch, trifft sich die CDU-Fraktion im Römer. Die Wut ist groß: Wenige Tage zuvor hat Oberbürgermeisterin Petra Roth ihrem aufstrebenden Parteifreund Boris Rhein gezeigt, wer im Magistrat das Sagen hat. Kurzerhand hat sie ihm das wichtige Sicherheits- und Ordnungsdezernat entzogen und ihn abgespeist – mit dem Wirtschaftsressort.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Viele in der Fraktion toben. Rhein solle zurechtgestutzt werden, heißt es. Der Druck auf Roth ist immens. Mittendrin: der damalige Fraktionsvorsitzende Markus Frank. Heute ist er als Sportdezernent für den Umbau des städtischen Fußballstadions am Bornheimer Hang verantwortlich. Die Sitzung dauert lang. Danach wird ein Schreiben verschickt; der Inhalt ist eine Demütigung für Roth. Der Spreng-Satz für die Zukunft lautet: Die Oberbürgermeisterin bedauere, „dass sie die Erwartungen der Fraktion enttäuscht“ habe. Einen solchen Satz zu vergessen, ist nicht einfach.

          Das Jahr beginnt mit einem Kracher

          Wer verstehen will, warum die Posse um den Umbau der Haupttribüne im Volksbank-Stadion immer neue Wendungen nimmt und Verwirrung schafft, kommt an diesem Satz nicht vorbei. Denn mittlerweile ist das Stadion-Projekt, das am Ende rund 30 Millionen Euro gekostet haben wird, zu einem Machtkampf zwischen Roth und Frank geworden.

          Das Jahr beginnt mit einem Kracher. Am 10. Januar 2010 kommen wichtige Politiker der CDU zusammen. Es sind nur noch ein paar Stunden bis zum Neujahrsempfang von Fußball-Zweitligist FSV Frankfurt, dem Hauptnutzer des Volksbank-Stadions. Es geht um Gefahrenabwehr: Roth, die Ehrenvorsitzende des FSV-Aufsichtsrats, will bei dem Empfang eine Rede halten. Die Oberbürgermeisterin spricht gern spontan, Manuskripte legt sie zuweilen noch kurz vor einem Auftritt zur Seite.

          „Alles wird glatt gehen“

          Das wissen die Herren, die sich mit ihr kurz vor der Winterdämmerung treffen. Einer von ihnen ist der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Horst Kraushaar, der im Juni, wenige Monate später, überraschend stirbt. Das Gespräch wird später von mehreren Seiten kolportiert. In einem Punkt stimmen alle Versionen überein: Es sei unmissverständlich vereinbart worden, dass die Oberbürgermeisterin keinesfalls einen teuren Neubau der Haupttribüne versprechen dürfe.

          Ein Mitglied der Koalition erinnert sich noch an eine SMS, die er nach dem Treffen bekam. „Alles wird glatt gehen“, stand sinngemäß darin, Roth werde sich zurückhalten. Denn sowohl die Fraktionen von CDU und Grünen als auch der seit Sommer 2009 amtierende Sportdezernent Frank bevorzugen statt des Neubaus eine günstigere Sanierung. Außerdem soll sich der FSV an den Kosten beteiligen. Zu diesem Zeitpunkt sind schon fast 18 Millionen Euro Steuergeld in die Sanierung des Stadions gesteckt worden. Maximal 10,5 Millionen Euro für die Haupttribüne sind zusätzlich im Etat vorgesehen.

          Hat die Bank Druck gemacht?

          Wenige Stunden nach dem Treffen stellt sich die Oberbürgermeisterin vor die FSV-Festgemeinde und sagt: „Mit dem Neubau wird noch in diesem Jahr begonnen.“

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