„Ich weiß nicht mehr, wie das Spiel war.“ Einen Tag nach dem 2:1-Zittersieg am Freitagabend über die SG Sonnenhof Großaspach arbeitete Benno Möhlmann den unverdienten Frankfurter Erfolg im DFB-Pokal mit Humor auf. Eigentlich hätte der FSV-Trainer morgens ein Straftraining ansetzen oder ein paar ernste Worte an seine Fußball-Zweitliga-Mannschaft richten müssen. Aber er sagte: „Das nützt nichts. So ein Spiel werden wir nicht wieder haben.“ Für die zweite Runde des Wettbewerbs wünscht sich der Achtundfünfzigjährige nun einen „Fünftligisten“. Seine Begründung: „Wenn die Viertligisten schon zu stark für uns sind. . .“ Der ungenügende Auftritt seines Teams konnte Möhlmann die Laune nicht verderben.
Als Tabellenvierter der zweiten Liga waren die Hessen zur Mittelfeldmannschaft der Regionalliga Südwest (zwei Unentschieden zum Auftakt) gereist. Der FSV war der große Favorit. Doch dann provozierten die Bornheimer ihren Rauswurf. Mit einer indiskutablen Leistung in der zweiten Halbzeit, in der die zwei Klassen tiefer spielende Sportgemeinschaft dem prominenten Gegner deutlich überlegen war. Trotzdem: „Unser Trainer war hinterher relativ ruhig“, berichtete Innenverteidiger Tim Heubach. „Er weiß, dass wir selber wissen, dass es großer Mist war.“ Nur die mangelhafte Chancenverwertung der Großaspacher sowie der gewohnt gute Torhüter Patric Klandt bewahrten die Frankfurter vor der Blamage.
250.000 Euro durch das Weiterkommen gesichert
„Das es so extrem wird, hätte ich nicht gedacht“, sagte Klandt. Sein Kollege Michael Görlitz stellte zu seinem Erstaunen fest, „dass wir nach der Pause nicht mehr viel den Ball hatten“. Was sagt mehr über den gegenwärtigen Leistungsstand des FSV aus? Die vier Punkte, die er zum gelungenen Rundenauftakt in der zweiten Liga geholt hat? Oder die Unbeholfenheit im Pokal beim krassen Außenseiter? „Wir sind noch keine Spitzenmannschaft“, sagte Klandt auf Nachfrage. Und Yannick Stark hat seit Freitag den Eindruck, dass die Außenseiterrolle den Bornheimern besser liegt. „Insofern wird uns das in der Liga beim kommenden Spiel in Ingolstadt sicher eher in die Karten spielen.“ Der Mittelfeldakteur war immerhin ein Beispiel dafür, dass es beim FSV auch Dinge gab, die Hand und Fuß hatten. Sein prächtiger Distanzschuss zum 1:1 (21. Minute) war zwar sein erstes Pflichtspieltor für die Hessen, aber nicht sein erster Volltreffer. „Das ich nach den Standards den Rückraum mache, haben wir im Training geübt“, erzählte Stark. „Ohne den Treffer wäre das Spiel noch zäher geworden.“ Bereits 81 Sekunden später köpfte Mathew Leckie den FSV eine Runde weiter. Kurz vor dem Abpfiff hätte der Australier schließlich einen Konter zum 3:1 abschließen können. Stattdessen traf der Angreifer diesmal zu seinem Ärger („Den hätte ich machen müssen“) das Tor nicht.
Die mehr als 250.000 Euro, die dem FSV durch das Weiterkommen im Pokal garantiert sind, stecken die Bornheimer wohl nicht in neue Spieler. Auf „ein Prozent“ bezifferte Möhlmann die Möglichkeit, dass der Verein noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv wird - auch wenn die Verletzung von Linksverteidiger Anthony Jung die „Geschichte ein bisschen durcheinander“ bringe, wie es der Trainer ausdrückte. Durch die Rückkehr von Zafer Yelen, der in Großaspach 25 Minuten lang zum Einsatz kam, verzichtet der FSV darauf, nach der Verpflichtung von Odise Roshi seine Offensive weiter zu verstärken. Allerdings wird Yelen noch drei bis vier Wochen brauchen, bis er nach seiner hartnäckigen Sprunggelenksverletzung den Rückstand aufgeholt hat. Der beschwerdefreie Spielmacher war der Einzige, der der mühsamen Pokalbegegnung etwas abgewinnen konnte. Glück gehabt, lautete ansonsten die Erkenntnis. „Wir sind hier mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte Sportchef Uwe Stöver.

