25.01.2008 · Noch sind es dreieinhalb Jahre, bis die ersten Spiele der Titelkämpfe in Deutschland angepfiffen werden. Jetzt wurde das Organisationskomitee der Frauenfußball-Weltmeisterschaft vorgestellt, samt der OK-Chefin, Steffi Jones.
Von Michael WittershagenSteffi Jones ist noch nie mit einem Hubschrauber geflogen. Vor einigen Wochen hat die Fünfunddreißigjährige das verraten und zudem erzählt, dass sie allein den Gedanken daran sehr aufregend finde. Von Franz Beckenbauer weiß man indes, dass er spätestens seit der Fußball-Weltmeisterschaft nur allzu gern mit einem solchen Verkehrsmittel unterwegs ist. Und weil Steffi Jones seit einigen Wochen das weibliche Pendant zu Beckenbauer als Präsidentin des Organisationskomitees (OK) einer Weltmeisterschaft ist, hat der Zweiundsechzigjährige ihr am Freitag zur offiziellen Eröffnung der OK-Büros beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen Hubschrauber im Miniaturformat mitgebracht. Einen grünen, vielleicht drei Finger breit. Beckenbauer holt dieses fluguntaugliche Gerät aus der linken Tasche seine Sakkos und lächelt.
So kennt man ihn, den Kaiser, wie er allerorten genannt wird: humorvoll, liebenswert, sympathisch Und so hat ihn auch Steffi Jones bislang kennengelernt. Zu Hause vor dem Fernseher. Sie hatte ja auch keine andere Möglichkeit, weil die Begegnung der beiden zugleich ihr erstes persönliches Treffen war. „Natürlich ist man aufgeregt vor einem solchen Tag“, sagt die Fünfunddreißigjährige. Schlecht geschlafen habe sie, von der Veranstaltung geträumt, in der sie wieder einmal im Mittelpunkt stehen sollte, und insgeheim gehofft, dass alles gut wird. „Steffi ist eine sehr aufgeschlossene, junge, hübsche Dame. Eine bessere Wahl hätte man nicht treffen können“, sagt Beckenbauer.
Eröffnungsspiel in Berlin, Finale in Frankfurt
Dieses Lob, diese Zufriedenheit mit Steffi Jones als Cheforganisatorin der Weltmeisterschaft 2011, viele Verantwortliche beim DFB sprechen beides an diesem Nachmittag aus. Auch Theo Zwanziger, der Präsident sagt: „Du bist eine tolle Frau, eine tolle Nationalspielerin, die etwas kann, die etwas leistet und die die Menschen für sich gewinnen kann.“ 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport sind gekommen. Petra Roth, die Frankfurter Oberbürgermeisterin etwa. Oder Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds. Sie alle lächeln und klatschen. Und Steffi Jones?
Sie trägt einen schwarzen Hosenanzug, darunter eine rosafarbene Bluse, hat ihre dunklen Haare streng zu einem Zopf nach hinten gebunden. Steffi Jones nippt am Glas Mineralwasser und lächelt. Beinahe hat man den Eindruck, als sei ihr die Aufregung um ihre Person noch immer ein wenig unangenehm. Ganz anders als Franz Beckenbauer, für den das Interesse an seiner Person seit Jahren zum Alltag gehört. Ein paar Minuten später steht sie auf der Bühne und sagt, was man von ihr in den kommenden Wochen und Monaten zu erwarten hat. „Ich brenne richtig und freue mich auf all die Aufgaben, die kommen werden.“
Noch sind es dreieinhalb Jahre, bis die ersten Spiele der Titelkämpfe in Deutschland angepfiffen werden. Wann genau, will der Weltfußballverband FIFA am 14. März verkünden. Glaubt man Wolfgang Niersbach, dem Generalsekretär des DFB, soll das Turnier aber auf jeden Fall in der Sommerpause der europäischen Profifußballligen ausgespielt werden, damit die besten Frauen der Welt nicht gegen den Vereinsfußball um das Interesse der Öffentlichkeit kämpfen müssen. Stimmen die Rahmenbedingungen, sollen das Eröffnungsspiel in Berlin und das Finale in Frankfurt ausgetragen werden. Welche Spielorte und Stadien der Weltmeisterschaft ein Gesicht geben werden, soll im dritten Quartal dieses Jahres entschieden werden.
Fünf enge Mitarbeiter helfen Jones bei der Organisation
Die Vorbereitungen gehen schon jetzt so richtig los. An der Seite von Steffi Jones werden es vor allem fünf Mitarbeiter sein, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen werden: Uli Wolter als Gesamtkoordinator, Heike Ullrich wird sich um die Turnierorganisation kümmern, Doris Fitschen um das Marketing, Winfried Naß wird die Abteilung „Städte/Stadien“ leiten und Jens Grittner Pressesprecher des Organisationskomitees werden.
Es hat sich einiges verändert im Leben von Steffi Jones in den zurückliegenden Wochen. Davon zeugt etwa, dass sie seit einiger Zeit eine neue Handynummer hat. Zu viele Leute kannten die alte, haben sie angerufen, wollten Glückwünsche aussprechen oder etwas wissen von der Präsidentin des OK. Das wird es nun nicht mehr geben. „Ich muss lernen, dass es jetzt für viele nur noch einen offiziellen Weg zu mir gibt.“ Ihre Stimme klingt, als müsse sie sich erst noch ein wenig daran gewöhnen.
Ähnlich wie Franz Beckenbauer wird auch Steffi Jones die teilnehmenden Nationen an der Weltmeisterschaft besuchen und ihnen persönlich eine Einladung aussprechen. Mehr sogar. Möglicherweise, sagt die 111-malige Nationalspielerin, werde sie auch in jene Länder fliegen, die schon in der Qualifikation scheitern. Ob sie dafür den Hubschrauber nimmt, ist fraglich. Genauso, ob sie den symbolischen Schlüssel dabeihaben wird, den ihr Franz Beckenbauer am Freitag überreicht hat. „Er soll dir Glück bringen. Er soll dir international möglichst viele Tore zur Unterstützung aller Art aufschließen.“