03.11.2006 · Daß es ausgerechnet der Fußball noch nicht zu seiner eigenen Ruhmeshalle gebracht hat, ist schon ein Ding der Unmöglichkeit, glossiert Frank Neumann. Er hat in der neuesten Ausgabe der Sportberatung auch eine Idee, wer den Spaß bezahlen soll.
Von Frank Neumann, Frankfurt„Wie ich gehört habe, denkt man darüber nach, in Frankfurt eine „Hall of Fame“ des Fußballs zu errichten. Was soll das eigentlich sein?“
Hall of Fame, Ruhmeshalle, Walhalla, Museum für Fußballheroen – nennen Sie es, wie Sie wollen. Es wäre ein Ort, an dem die Persönlichkeiten des deutschen Fußalls endlich zu den angemessenen Ehren kämen, die man ihnen bisher so schnöde verweigert: Menschen wie Herberger, Beckenbauer, Seeler, Rahn, Bierhoff, Ballack oder Klinsmann. Vielleicht gäbe es dort auch ein Eckchen für Robert Hoyzer. Zu Ruhm im weitesten Sinne hat er es ja gebracht, wenn auch nicht wirklich zu Ehre.
Sie nannten ihn „Superfliege“
Zuallererst ist so eine Hall of Fame freilich etwas, von dem wir alle bisher noch gar nicht wußten, daß wir es überhaupt brauchen. Andererseits: Daß es ausgerechnet der Fußball noch nicht zu seiner eigenen Ruhmeshalle gebracht hat, ist schon ein Ding der Unmöglichkeit. Denn in anderen Sportarten: Halls of Fame, wohin man schaut. Vor allem natürlich in Amerika. High-Schools, Universitäten und die großen Sportverbände – alle haben ihre Gedenkstätten: der Profifootball, der Baseball, das Eishockey, die Boxer, Motorsportler und, und, und. Erwähnenswert auch die Walhalla der WWE (World Wrestling Entertainment), wo große Sportkameraden wie Hulk Hogan zu Ehren kommen. Oder Jimmy Snuka, den man die „Superfliege“ nannte, weil er seine Gegner gerne mit einem Sprung von den Ringseilen aus platt machte. Lachen Sie nicht. Damit schrieb der Mann Wrestling-Geschichte.
Selbst die Pornoindustrie hat eine Hall of Fame. Auch das ganz im Ernst. Genauer gesagt sind es sogar zwei, wo man die durchaus sportlichen Leistungen der Akteure in Disziplinen ehrt, über die wir jetzt im Detail nicht berichten wollen, geschweige denn dürfen. So anrüchig sollte ein Fußball-Ruhmeshalle natürlich nicht sein, sondern groß, glänzend, überwältigend. Und damit auch ganz schön teuer. In Amerika nehmen sie schlappe 15 bis 20 Dollar Eintritt, um den Unterhalt zu finanzieren.
Wer zahlt?
Über die Kosten hat sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auch schon seine Gedanken gemacht und bei der Stadt Frankfurt vorgefühlt, ob man ein Grundstück dafür haben könne. In bester Lage und umsonst, versteht sich. Man ist ja auch ganz schön klamm beim DFB, der – nur mal ein Beispiel – jedem seiner Nationalkicker für die Selbstverständlichkeit, in die EM-Endrunde einzuziehen, bis zu 150.000 Euro zahlen will. Wenn die Finanzierung knapp wird, könnte man auch die Deutsche Fußball-Liga zu Rate ziehen. Dort weiß man was vom Geschäftemachen. Gegen Fans vorgehen zu wollen, die mit Handy oder Digitalkameras aufgenommene Bundesliga-Szenen im Internet veröffentlichen – eine Superidee. Sie sehen. Der deutsche Fußball versteht was von Ruhm und Ehre. Dafür muß unbedingt eine Halle her.