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Eintracht-Kommentar : Frankfurter Kampfeinheit

Jubelpose: Eintracht-Spieler feiern Haller für seinen sehenswerten Glücksschuss gegen Stuttgart Bild: dpa

Moral und Kampfkraft sind im Kader von Eintracht Frankfurts Trainer in einem Maß vorhanden, mit dem sich sonstige Schwächen teilweise kaschieren lassen. Diese beiden grundlegenden Tugenden braucht sein Team aber auch.

          Einfach kann jeder! Auf diesen Spruch besitzt Niko Kovac kein Copyright. Doch beim Trainer der Eintracht, der ihn seit dem ersten Tag in Frankfurt gerne verwendet, passt das Motto vortrefflich. An Herausforderungen hat es bei seiner Arbeit in den vergangenen 18 Monaten selten gemangelt. Mit spielerischer Leichtigkeit wurde kaum eine Aufgabe, die nach der Rettung vor dem Abstieg folgte, gemeistert. Aber unter der Regie des heute 45-Jährigen entwickelte sich der Verein zu einer Bundesligaadresse, an der es nach eigenem Selbstverständnis mittlerweile als angemessen gilt, wenn der erste Blick in der Tabelle nicht mehr automatisch nach unten zu gehen hat. Kovac verhalf mit seinem Ehrgeiz (der ihn eines nicht allzu fernen Tages zu einem Klub bringen wird, bei dem er umfassendere Gestaltungsmöglichkeiten vorfindet) der Eintracht bei allen Schwierigkeiten zu einem gehobenen Anspruchsdenken. Wohin das nun in seiner zweiten Saison führt, die er von Beginn an verantwortet, ist offen.

          Im Sommer waren die Hessen in der Lage, in für sie bis dahin unerreichbar scheinende Dimensionen auf dem Transfermarkt vorzudringen. Dass die Investitionsbereitschaft wunschlos glücklich macht, ist nach sieben Spieltagen in der Bundesliga nicht zu erkennen. Noch hat die Mannschaft ihr Potential allenfalls angedeutet. Auch beim schmeichelhaften Erfolg gegen Stuttgart blieb das Team den Nachweis schuldig, dass bereits eine Einheit gefunden ist, die sich zu Recht zu Höherem berufen fühlt. Die Abwehr hat erst sechs Gegentore zugelassen, ist aber noch in der Findungsphase; einzig Abraham erfüllt die Verteidigungspflicht mit aller Konsequenz. Das Mittelfeld ist nicht das unermüdliche Kreativzentrum, sondern eine große Problemzone, in der weder de Guzman noch Boateng bislang in der Lage sind, so Regie zu führen, wie es nötig ist, um in der Vorwärtsbewegung nicht so oft auf das Zufallsprinzip von „Versuch und Irrtum“ vertrauen zu müssen.

          Was Schwächen teilweise kaschiert

          Dass es bei allen Mängeln trotzdem zum ersten Heimsieg genügte, veranschaulicht, dass es auch woanders Anlaufschwierigkeiten gibt; und dass die drei Punkte der Eintracht sogleich zum Vorstoß auf den achten Rang verhalfen, belegt, wie eng die Dinge in dieser frühen Saisonphase zusammenliegen. Die Punktzahl – bei der Eintracht sind es nun zehn – taugt noch nicht als verlässlicher Gradmesser. Was aber schon jetzt einiges wert ist: Moral und Kampfkraft sind in Kovacs Kader in einem Maß vorhanden, mit dem sich sonstige Schwächen teilweise kaschieren lassen. Und ohne diese beiden grundlegenden Tugenden wären alle (verständlichen) Ansprüche, die schönen Seiten des Fußballs öfter im Frankfurter Spiel erkennen zu können, noch schwerer realisierbar.

          Die Neuausrichtung der Eintracht wird so schnell nicht in Spitzenregionen führen. Aber auch der Absturz steht nicht zu befürchten, wenn sie so weitermacht. In der Länderspielpause können Kovac und Co. nun dank ihres gelungenen Kraftakts vom Samstag ohne zusätzlichen Druck weiter an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Das klingt nach wenig, ist aber allerhand wert, wie sie in Köln, Bremen oder Hamburg ohne weiteres bescheinigen können.

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