29.08.2009 · Die Skyliners gewinnen bei den „White Wings“ in Hanau zwar standesgemäß 94:41, aber beim Team von Trainer Didin läuft noch lange nicht alles rund.
Von Leonhard Kazda, HanauEs gibt noch viel zu tun für die Frankfurt Skyliners – das war der erste Eindruck, den die Basketballprofis von Cheftrainer Murat Didin am Donnerstagabend vermittelten. Das Testspiel bei der Regionalligamannschaft der TG Hanau, das die Frankfurter in aller Deutlichkeit 94:41 gewannen, war der erste öffentliche Auftritt der Skyliners in der Vorbereitung auf die bevorstehende Bundesligasaison. Eineinhalb Monate haben die Hessen noch Zeit, sich für die Aufgaben zu rüsten. Dann beginnt am Donnerstag, 8. Oktober, die Saison mit einem Auswärtsspiel in Trier.
Vielleicht lag es an der nahezu tropischen Hitze in der Hanauer Main-Kinzig-Halle, dass so manches bei den Skyliners einen eher matten Glanz trug. Die Profis vom Main kamen sehr langsam in Schwung und hatten dabei sogar ein wenig Glück, gegen die drei Klassen tiefer angesiedelten Spieler aus der Stadt der Gebrüder Grimm nicht in Rückstand zu geraten. Auch wenn am Ende das Ergebnis standesgemäß war – ein Basketball-Märchen zeichnete sich bei der Realityshow in Hanau keineswegs ab. Dem Team von Trainer Didin fehlt es an Homogenität – was zu diesem frühen Zeitpunkt und angesichts der sechs Neuzugänge tatsächlich sicher „völlig normal“ ist, wie Sportdirektor Kamil Novak nach der Partie befand, zu der rund 500 Zuschauer gekommen waren. Spannend wird aber sicher die Frage, ob alle Profis, die in den vergangenen Wochen zu den Hessen gestoßen sind, den Erwartungen gerecht werden. Bei dem einen oder anderen deutete sich an, dass er bald Anschluss finden kann an jenen Leistungsbereich, den Didin mit seinem Team ansteuert. Der Amerikaner Seth Doliboa ist sicher einer von diesen Spielern. „Ein erfahrener Mann“, sagte Novak, sei der Flügelspieler, der von Benfica Lissabon nach Frankfurt kam und dort auch unter dem Korb für Druck sorgen soll. „Athletisch und vielseitig“ sei Doliboa, sagte Novak nach dem Test, der diesen Eindruck bestätigte. Ähnliches gilt für Qarran Calhoun, der auf den gleichen Positionen, nämlich auf dem Flügel und als Mann mit Centerqualitäten, eingesetzt werden kann. Den richtigen Biss zeigte der Profi von den Houston Cougars in der Hanauer Spätsommerhitze aber auch nicht.
Neue Talente im Kader
Der dritte neue Amerikaner bei den Skyliners heißt Grayson Moyer und hat laut Novak Vorzüge in einem Bereich, den die Hessen sicher erst noch ausarbeiten müssen: das Spiel als Mannschaft. Ein „Teamplayer“, so sagte Novak, sei der 23 Jahre alte Amerikaner, der zudem noch mit „hoher Spielintelligenz und einem guten Wurf“ ausgestattet sei. All dies zeigte Moyer in Hanau genau so, wie seine Teamkollegen ihre Vorzüge zur Geltung brachten: vage bis ansatzweise. Ein großer Deutscher ist auch unter den Neuen: Marius Nolte. „Ein Arbeiter, ein echter Center“ sei der 2,06 Meter lange Hüne, der aus Paderborn zu den Skyliners kam. Die beiden anderen Neulinge zählen zu den Talenten: Filmore Beck und Fabian Franke – für Novak und die Skyliners sind sie „Zukunftsprojekte mit Potential“.
Cheftrainer Didin wirkte recht still beim ersten Auftritt seines neuen Teams. Natürlich sei noch „Sand im Getriebe“ zu diesem frühen Zeitpunkt, hatte Novak gesagt – und auch der Headcoach konnte ihm da nicht widersprechen. Deutlich spürbar war aber in Hanau die Zurückhaltung bei der Formulierung der Ziele. Ob es diese Mannschaft weit nach vorne schafft? Werden die Play-offs überhaupt in Reichweite des Teams sein, bei dessen Zusammenstellung Sparmaßnahmen eine wichtige Rolle gespielt haben? Ein Profi soll noch kommen: ein Spielmacher, der neben Pascal Roller die Auftritte der Skyliners lenken soll.
Kein Spitzenteam
„Wir haben keinen Stress“, sagte Novak zu der bevorstehenden Verpflichtung eines Point Guards. Es gebe mehrere Kandidaten, aber ein Angebot sei noch keinem unterbreitet worden. Cheftrainer Didin hat da wohl schon konkretere Vorstellungen und spricht von zwei Spielern, die für den Posten in Frage kämen. „Sehr bald“, sagte Didin, wolle er einen von ihnen in den Reihen der Mannschaft sehen. Dann wären es sieben Neue auf einen Streich, fast wie bei den Gebrüdern Grimm. Das hätte zwar schon gut zum Auftritt in Hanau gepasst. Aber Didin wird wohl noch warten müssen, bis er sich mit der kompletten Mannschaft auf einen Weg machen wird, von dem noch keiner weiß, wohin er führen wird.
Wie ein künftiges Spitzenteam, das den Marsch zum Titel antritt, sehen die Skyliners derzeit jedenfalls nicht aus. In ihrem Radius liegen in dieser Saison wohl andere Ziele. Dazu zählen aber auch sicher Regionen der Tabelle, in die Didin und seine Profis lieber nicht wollen.