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Frankfurt Skyliners Pokerface und Showmaster

Muli Katzurin geht seine neue Aufgabe als Cheftrainer der Frankfurt Skyliners mit Entschlossenheit an, legt aber Wert darauf, sich nicht in die Karten schauen zu lassen.

© DPA Vergrößern Neu in Frankfurt: Muli Katzurin.

Der Umbruch ist noch nicht vollzogen. Noch präsentiert sich die Internetseite der Frankfurt Skyliners im gewohnten Bild, das geprägt wird vom Namenszug des inzwischen in die zweite Reihe der Förderer zurückgetretenen Sponsors Deutsche Bank. Wer sich telefonisch mit dem Basketball-Bundesligaklub in Verbindung setzt, wird aber schon mit dem neuen Namen des Profiklubs begrüßt: „Fraport Skyliners“. Vieles, nicht nur der Name, wird in der kommenden Saison neu sein bei der einstigen Mannschaft von Cheftrainer Gordon Herbert, die im Play-off-Halbfinale knapp gegen Alba Berlin ausgeschieden war. Genau dorthin hat sich der Kanadier Herbert nach Saisonende verabschiedet. Dafür wechselte Muli Katzurin, der israelische Interimstrainer der Berliner, nach Frankfurt. In der vergangenen Woche machte Katzurin eine Art Antrittsbesuch bei seinem neuen Arbeitgeber. 56 Jahre alt ist der in Tel Aviv geborene Katzurin, der in seiner Heimatstadt als Trainer von Makkabi zweimal die nationale Meisterschaft errungen hat. Der einstige Alba-Coach ist ein erfahrener Übungsleiter, der vor seinem Kurzauftritt in der deutschen Hauptstadt Spitzenteams in Tschechien (Nymburk) und Polen (Wrozlaw) trainierte und dort auch Meistertitel errang. Mit Nymburk war der Skyliners-Headcoach auch schon ein paar Mal zu Gast in Frankfurt – als Testspielgegner der Hessen. „Man kennt sich schon länger“, sagt Kamil Novak, der tschechische Sportdirektor der Frankfurter.

Katzurin strahlt Konzentration auf das Wesentliche aus, versucht den Eindruck eines sachlichen, ruhigen Menschen zu erwecken. Ein wenig stört dabei der stechende Blick seiner dunklen Augen, der emotionales Potential signalisiert. Samuel Katzurin, so der vollständige Name des neuen Chefs am Spielfeldrand, ist ein Basketball-Verrückter, für den es nur eines gibt: Basketball. „Mein Hobby ist Basketball, und mein Beruf ist Basketball“, hat er jüngst bei seinem Antrittsbesuch der Frage entgegnet, was er denn sonst noch so mache. Das wirkte ein wenig unnahbar; doch diesen Eindruck will er wohl nicht vermitteln. „Nennt mich bitte Muli“, waren seine Begrüßungsworte, mit denen er Gesprächsbereitschaft signalisierte.

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Am 14. August wird das Training aufgenommen

Katzurin steht in Frankfurt vor einer großen Herausforderung. Seine Aufgabe ist es, in kurzer Zeit ein Team zusammen zu stellen, das die Bundesliga möglichst erfolgreich in Angriff nehmen soll. Fünf Stellen sind noch frei bei den Hessen – und die Suche läuft auf Hochtouren. Wie schon in den vergangenen Jahren zählen die Frankfurter nicht zu jenen Mannschaften, die sehr schnell sehr spektakuläre Verpflichtungen tätigen. Bislang stehen lediglich Danilo Barthel (Heidelberg) und Johannes Herber (Tübingen) auf der kurzen Liste der Neuzugänge. Nun suchen die Skyliners noch „zwei große Spieler, zwei Guards, davon ein Point Guard und noch einen Spieler, der sich danach richtet, wen wir für die anderen Positionen bekommen“, erklärte Katzurin.

Über die Akteure Näheres zu erfahren, könnte bei dem neuen Cheftrainer schwierig werden. Katzurin kündigte jetzt schon an, dass er „nicht über einzelne Spieler, sondern immer nur über das Team“ reden werde. Entsprechend zurückhaltend äußerte er sich auf die Frage, ob er den von Alba Berlin aussortierten Taylor Rochestie an den Main holen wolle: „Jeder guter Spieler ist eine Option.“ Dass jeder gute Spieler auch für die Frankfurter in Frage kommt, ist kaum zu erwarten. Denn, so sagt Katzurin: „Er muss ins Budget passen.“ In den vergangenen Spielzeiten haben die Skyliners trotz vergleichsweise knapper Kasse immer wieder für positive Überraschungen gesorgt, was die Qualität ihrer Verpflichtungen betraf. Spektakulärstes Beispiel war sicher DaShaun Wood, der es zum „wertvollsten Spieler“ der Liga schaffte, den die Frankfurter aber nicht halten konnten. Wood wechselte mit Cheftrainer Herbert nach Berlin.

Am 14. August wird Katzurin mit den bis dahin sicherlich vollzähligen Skyliners das Training aufnehmen. Ein Trainingslager in der italienischen Stadt Treviso (1. bis 8. September) ist schon fest eingeplant, „das eine oder andere Freundschaftsspiel“ soll auch dort schon zur Formfindung beitragen. Ansonsten lassen sich die Skyliners nicht in die Karten schauen. Das war schon unter Gordon Herbert so; Katzurin scheint den Poker nun perfektionieren zu wollen. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm dabei sicher nicht: „Wir werden ein gutes Team haben.“ Ein wenig widersprechen die Worte freilich einem Satz von Skyliners-Manager Gunnar Wöbke, der kürzlich während eines Internet-Chats mit Fans gesagt hat: „Wir sind gut beraten, zunächst das Ziel Klassenerhalt auszugeben.“ Wir auch immer: Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, werden der Trainer und die Skyliners beim Start in die Saison mit dem Heimspiel gegen Oldenburg die Karten auf den Tisch legen müssen. Dabei ist Pokerface Katzurin offenbar auch ein guter Showmaster: „Die Leute sollen Spaß beim Zuschauen haben. Denn letztlich ist ja alles eine Show.“

Quelle: F.A.Z.

 
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