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Frankfurt Marathon - die Kunst des Umdisponierens

26.10.2008 ·  Das Geschäft mit den Langstreckenläufern fordert nicht nur von den Athleten Ausdauer. Auch die Frankfurter Veranstalter müssen geduldig und äußerst flexibel sein. Denn: Es ändert sich laufend etwas.

Von Leonhard Kazda
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Manchmal hat es einer wie Christoph Kopp nicht leicht. Eigentlich trägt der 60 Jahre alte Spezialist für Laufveranstaltungen beim Frankfurt Marathon den Titel "Ressortleiter Topathleten". Doch ab und zu muss Kopp auch in die Rolle eines Diplomaten auf internationaler Ebene schlüpfen. Das war auch vor diesem 27. Lauf in Frankfurt so, der am Sonntag um 10 Uhr vor dem Messeturm gestartet wird. Eigentlich hatte der Fachmann für die Spitzenathleten damit gerechnet, dass der Kenianer Sammy Kurgat in der Gruppe der Spitzenläufer an der Startlinie stehen würde. Doch Kurgat, im vergangenen Jahr noch in Frankfurt Dritter, zog es vor, in Köln an den Start zu gehen und dafür das Rennen am Main lieber sausen zu lassen. Ein Wechsel des Managements des Läufers habe eine Rolle gespielt, sagt Kopp. Und Jo Schindler, der Frankfurter Renndirektor, deutet an, dass es dabei um Geld gegangen sei, das der Athlet von seinem alten Manager glaubte, noch bekommen zu müssen. So lief Kurgat am Rhein statt am Main - und gewann dort sogar in 2 Stunden, 10 Minuten und 1 Sekunde. "Hat sich also gelohnt für ihn", sagt Kopp trocken.

Verärgert? "Nein", sagt Kopp, "wir müssen bei jedem Lauf mit ungefähr zehn Prozent Ausfallquote bei den Topläufern rechnen. Das ist normal." Was auch daran liegt, dass Marathon ein harter Sport ist, der seinen Tribut auch in Form von Verletzungen fordert. So wie dies bei Rodgers Rop der Fall war. Der Kenianer galt als einer jener Athleten, die für Spitzenzeiten gut gewesen wären. Doch vor drei Tagen erreichte Kopp ein Anruf aus Kenia, in dem ihm Rop mitteilte, dass er nicht kommen werde. Beim Berlin Marathon war der schnelle Langstreckler als Tempomacher für Haile Gebrselassie vorgesehen. Was nach dem Weltrekordlauf des Äthiopiers (2:04:26 Stunden) noch einmal ein schönes Licht auf Rops Start in Frankfurt geworfen hätte, sagt Schindler. Doch kurz vor dem Rennen in der Hauptstadt hatte Rob ein Stechen im Knie gespürt und für Berlin mit dem Hintergedanken abgesagt, wenigstens in Frankfurt starten zu können. Was aber auch nicht funktionierte. Er könne aktuell bestenfalls 2:20 Stunden laufen, signalisierte Rop jetzt am Telefon. Aber eine solche Zeit ist in der Ausdauer-Hochgeschwindigkeitsbranche weniger prickelnd.

Prämie für neuen Streckenrekord

In Frankfurt werden andere Resultate erwartet. Zeit ist Geld im internationalen Marathonsport. Wer an diesem Sonntag in Frankfurt im Männerfeld schneller ist als 2:07:00 Stunden oder bei den Frauen die 42,195 Kilometer in weniger als 2:22:30 Stunden rennt, kassiert zusätzlich zur 15.000 Euro betragenden Siegprämie noch stolze 75.000 Euro. Da damit auch der Streckenrekord von 2:07:58 Stunden (2:25:12 Stunden bei den Frauen) geknackt wäre, würden zusätzliche 5000 Euro in die Kasse des flinken Siegers fließen. Unter dem Strich wären dies dann 95 000 Euro. Damit sei der Frankfurt Marathon deutsche Spitze, sagt Schindler und fügt hinzu: "Es sei denn, man läuft in Berlin Weltrekord."

Ernsthafte Sorgen müssen sich die Frankfurter Marathon-Macher nach der Absage von Rop nicht machen. Die Liste der schnellen Männer, die das Zeug dazu haben, zumindest in die Nähe solcher Rekordzeiten zu laufen, umfasst immer noch mindestens drei Läufer. Allesamt kommen sie aus Kenia: Benson Barut, Banjamin Maiyo und William Kiplagat heißen sie. Renndirektor Schindler rechnet mit einem schnellen Rennen und fürchtet sogar, dass die Spitze des Feldes "gleich losballern" wird. Die nach vorne treibende Kraft liegt auf der Hand: die Siegprämie.

Es ändert sich laufend etwas

Im Frankfurter Feld wird auch ein Mann namens Bella Yator sein. Der stand schon im vergangenen Jahr auf der Starterliste des Marathons am Main - freilich unter einem anderen Namen. Der Kenianer hatte seine Staatsbürgerschaft an Qatar verkauft, kassierte dafür 500 Euro monatlich und hatte deshalb seinen Namen in "Yaser Belal Manzour" geändert. Aber die Qataris erteilten ihrer Marathon-Neuerwerbung nicht rechtzeitig das Ausreisevisum für Deutschland. Yator konnte deshalb in Frankfurt nicht starten und kehrte Qatar erzürnt den Rücken. Am Sonntag läuft er aber hier: als Kenianer unter seinem alten Namen.

Flexibilität ist eine wichtige Voraussetzun in dem Beruf, den Kopp ausübt. Im vergangenen Jahr hatte der Topathleten-Chef die Flugtickets für seine laufenden Gäste selbst besorgt - und sich auch um alle Umbuchungen gekümmert. "Das mache ich lieber nicht mehr", sagt er und lacht. Aber böses Blut gibt es auch bei kurzfristigen Absagen oder Änderungen nicht. Das zeigt die Tatsache, dass Yator in Frankfurt startet ebenso wie der Umstand, dass mit Rop nach dessen spontanem Rückzug für nächstes Jahr fest vereinbart wurde, dass er in Frankfurt am Start ist. Das ist beim Marathon eben so: Es ändert sich laufend etwas.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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