Alles bestens. Die Frankfurt Lions stehen an der Tabellenspitze der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Sie haben das beste Team beisammen, das jemals in Frankfurt gespielt hat. Die drei Ausnahmekönner Doug Weight, Stephane Robidas - zwei Profis aus der nordamerikanischen Profiliga NHL - und der nicht minder begabte Stürmer Pat Lebeau verzücken den Anhang Woche für Woche. Die Löwen gehen, können sie die Form der vergangenen Wochen konservieren, Ende März als Favorit in die Play-off-Runde. Trainer Rich Chernomaz und Stürmer Chad Bassen haben ihre Verträge gerade erst um ein weiteres Jahr verlängert. Alles bestens?
Nicht ganz. Eine Personalie beschäftigt den deutschen Meister hinter den Kulissen. Bleibt Lance Nethery weiterhin Manager? Schwer zu sagen. Schon einmal, im Oktober des vergangenen Jahres, wollten die DEG Metro Stars den Kanadier nach Düsseldorf locken - als Trainer und Manager. Seinerzeit widerstand Nethery dem Abwerbungsversuch der Rheinländer und blieb am Main. Doch diese vermeintlich alte Geschichte ist für die Lions noch längst nicht ausgestanden. Am Donnerstag, einen Tag vor dem DEL-Spitzenspiel gegen die Nürnberg Ice Tigers (Eissporthalle am Ratsweg, 19.30 Uhr) bestätigte Nethery abermals, daß ihm ein sehr konkretes Angebot der DEG vorliegt. Diesmal wollen die Metro Stars den Macher der Lions "nur" als Manager verpflichten. In Düsseldorf jedenfalls pfeifen es die Spatzen angeblich schon von den Dächern, daß Nethery neuer Manager der DEG werden wird. Eigentlich wollten die Metro Stars schon Ende dieser Woche bekanntgeben, wer den Klub wieder in die Beletage der DEL führen wird. Die Pressekonferenz aber wurde verschoben. Nun soll der Neue nach dem Ende der Vorrunde vorgestellt werden. Und was den Frankfurter Eishockeyfans zu denken geben könnte: Lance Nethery dementiert rein gar nichts. Im Gegenteil. "Die DEG zieht in eine neue Halle um. Und wenn ich ehrlich bin, muß ich sagen: Das reizt mich schon."
Gut möglich, daß Nethery seinen Verhandlungspartner bei den Lions, Eigentümer Gerd Schröder, mit dieser eindeutig uneindeutigen Aussage unter Druck setzen will. Gut möglich ist es aber ebenso, daß Nethery allmählich die Geduld verliert. Schon mehrfach hatten sich Nethery und Schröder in den vergangenen Monaten zusammensetzen wollen. Zu einem Ergebnis kamen sie nie. Anfang nächste Woche wollen die beiden einen neuen Versuch unternehmen. Wieder einmal. "Die ein oder andere Kleinigkeit" gebe es noch zu regeln, sagt Nethery. Aber in Wirklichkeit geht es wohl um ein bißchen mehr. Zwar haben sich die Lions zu einem Spitzenklub der DEL gemausert. Vor allem dank der klugen Personalpolitik von Nethery, der seit 2002 bei den Löwen ist - erst als glückloser Trainer, dann als erfolgreicher Manager. Wirklich professionelle Strukturen aber scheint er noch zu vermissen, ohne ins Detail gehen zu wollen. "Vier, fünf Konzepte und Ideen" wolle er bei den Lions noch umsetzen. Das klingt nach mehr als nur einer Kleinigkeit.
Vor allem macht Lance Nethery schon seit Monaten kein Hehl daraus, daß er den Bau einer neuen Halle in Frankfurt für dringend notwendig hält, um den Standort zu sichern und konkurrenzfähig zu bleiben. Noch seien die Lions eine vergleichweise preisgünstige Mannschaft. "Noch liegen wir, was die Gehaltszahlungen angeht, auf Platz sieben bis neun. Aber der Trainer und einige Spieler sind schon teurer geworden." Also müssen die Einnahmen steigen. "Viele Teams werden neue Arenen haben. Wenn wir langfristig Erfolg haben wollen, brauchen wir auch eine." Dies hat Gerd Schröder schon seit Jahren vor. Vorangekommen ist der Chef der Eishockey-Firma damit noch nicht. Wofür Nethery durchaus Verständnis hat. "Das ist eine Riesen-Investition. Ich verstehe ja, daß die Finanzierung stehen muß. Das dauert eben." Vielleicht dauert es Nethery aber zu lange. In Düsseldorf jedenfalls sind sie fast fertig. Am 31. August zieht die DEG in eine 12000 Zuschauer fassende Arena um. Eine in der Tat reizvolle Perspektive.
Trainer Rich Chernomaz will sich keinen Reim auf die zähen (oder immer wieder vertagten) Verhandlungen zwischen Schröder und Nethery machen. Zumindest mag er es nicht kommentieren. Nur soviel: "Lance würde gerne bleiben." Täte er es nicht, wäre es "ein schwerer Verlust" für Chernomaz: "Wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Und Lance hat eine Menge großartiger Dinge für die Lions gemacht." Selbst als Kartenverkäufer hat sich der Manager bei den Lions schon verdingt, wenn Not am Mann war. Und mit Stolz stellt Nethery fest: "Ich habe hier in Frankfurt so viel aufgebaut. Das würde ich nicht gerne aufgeben." Er könnte es aber. Nun ist Gerd Schröder am Zug.

