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FFC Frankfurt nach Birgit Prinz : Auf absehbare Zeit ohne Nummer neun

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Ein Lächeln der Erleichterung: Birgit Prinz ist nach ihrer Rücktrittserklärung mit sich im Reinen. Bild: Wonge Bergmann

Birgit Prinz beendet auch ihre Karriere im Verein. Sie soll dem FFC Frankfurt aber erhalten bleiben. Der Klub muss nun die Lücke im Team füllen.

          Als Siegfried Dietrich im Fahrstuhl das Sponsorenetikett abnahm, das bis dahin brav auf dem violetten Pullover seiner Klientin geklebt hatte, war eine neue Epoche beim FFC Frankfurt angebrochen. Nach 13 Jahren muss der Verein künftig ohne seine prominenteste Spielerin auskommen. Birgit Prinz hatte kurz zuvor in einer Pressekonferenz ihren Rücktritt bekanntgegeben. Die Gelegenheit zum Nachdenken, den kurzen Moment der Stille auf dem Weg zur Tiefgarage des Frankfurter Hotels, brauchte die 33-Jährige eigentlich gar nicht mehr, um Distanz zu gewinnen. Zu souverän, zu gelassen hatte sie dort zuvor die Entscheidung, nach dem Abschied von der Nationalmannschaft künftig auch nicht mehr für den 1. FFC Frankfurt auflaufen zu wollen, begründet. Da war eine Frau mit sich im Reinen.

          „Es fühlt sich nach dem richtigen Moment an, da meine Motivation, die eigene und berufliche Zukunft weiter voranzutreiben, immer größer geworden ist und das Leben als Profisportlerin zu viel Zeit und persönliches Engagement benötigt, um dies in befriedigender Weise neben einander gestalten zu können“, sagte die sichtlich gelöste Birgit Prinz. Froh sei sie, dass nun Klarheit herrscht – die Tage und Wochen der Ungewissheit seien zuletzt doch belastend gewesen. Für ihn sei es dagegen nicht einfach gewesen, sagte Siegfried Dietrich. „Sehr glücklich“ hätte es den bewegten FFC-Manager gemacht, wenn die dreimalige Weltfußballerin noch ein Jahr an ihre erfolgreiche Karriere drangehängt hätte. „Ich habe es bis zum letzten Tag gehofft“, sagte Dietrich, zumal Birgit Prinz bereits eine Woche lang beim Pokalsieger mittrainiert, zwei Testspiele bestritten und nach eigenem Bekunden „sehr viel Spaß“ hatte.

          „Die Mannschaft ist sehr gut besetzt“

          Dietrich hofft nun, dass sich Birgit Prinz zumindest ab und an noch einmal das FFC-Trikot überstreifen wird. „Ich habe die Zeit mit Birgit sehr genossen und ich hätte sehr gern mit ihr weitergearbeitet. Aber natürlich respektiere ich ihre Entscheidung, sagte Sven Kahlert. Ob sich Birgit Prinz dem FFC-Trainer als Stand-by-Spielerin zur Verfügung stellt und im Ernstfall tatsächlich noch einmal das schwarz weiße Trikot des deutschen Pokalsiegers trägt, ist noch nicht entschieden.

          Doch dürfte jene Lösung näher an den Wünschen von FFC-Manager Dietrich als an den beruflichen Ambitionen der 33-Jährigen liegen. „Die Mannschaft ist sehr gut besetzt und hat ein Riesenpotential. Ich gehe nicht davon aus, dass der FFC mich braucht“, sagte Birgit Prinz, die ihrem Verein dennoch erhalten bleiben will: Nicht als Spielerin, aber als Beraterin. Spätestens im September werden Dietrich und Birgit Prinz diskutieren, in welcher Form sich die Diplom-Psychologin beim FFC Frankfurt einbringen kann. Eine Möglichkeit wäre die Arbeit in der Schnittstelle zwischen Jugend- und Seniorenbereich. „Das ist eine schwierige Phase für die Mädels, ich könnte mir über kurz oder lang aber auch eine Zusammenarbeit mit der Bundesliga-Mannschaft vorstellen“, sagte Birgit Prinz.

          „Die Nummer neun wird nicht mehr vergeben“

          Es wird ein ungewohntes Bild sein, wenn der FFC Frankfurt am 21. August im Stadion am Brentanobad gegen die SG Essen-Schönebeck antritt, im ersten Bundesligaspiel der Saison 2011/12, im ersten Bundesligaspiel ohne Birgit Prinz, die seit 1998 das Trikot des Klubs trug. Spielerinnen wie die schwedische WM-Teilnehmerin Jessica Landström müssen dann in die Rolle hineinwachsen, die Birgit Prinz in den vergangenen Spielzeiten innehatte, wenn auch zuletzt nicht mehr mit der Dominanz ihrer besten Jahre. Gestandene Nationalspielerinnen wie Nadine Angerer oder Saskia Bartusiak müssen künftig mehr Verantwortung übernehmen. Weitere Neuzugänge sind indes auch nach dem Rücktritt nicht vorgesehen: „Birgit wäre sozusagen das Sahnehäubchen auf unseren Kader gewesen, ihr Entschluss hat keinen Einfluss auf unsere personelle Planung“, sagte Dietrich.

          Im Herbst soll Birgit Prinz im Rahmen eines Heimspiels in der Bundesliga oder der Champions League verabschiedet werden, vielleicht findet in diesem Zeitraum auch noch ein Abschiedsspiel statt: Zum vorerst letzten Mal würde dann eine FFC-Spielerin mit der Rückennummer neun auflaufen – wofür Dietrich sorgen will: „Die Nummer wird, zumindest solange ich hier etwas zu sagen habe, nicht mehr vergeben.“

          Quelle: F.A.Z.

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