Anne-Kathrin Westphal konnte einem leid tun. Die Abwehrspielerin in Diensten des Frauenfußball-Bundesligavereins SC Bad Neuenahr lag nach ihrer missglückten Aktion in der 79. Minute auf dem Rasen des Stadions und damit buchstäblich am Boden. Wenige Sekunden zuvor hatte die 25 Jahre alte Fußballerin, vermutlich aus Respekt vor der heranstürmenden Frankfurter Angreiferin Birgit Prinz, den Ball halbhoch zu ihrer Torhüterin zurückgespielt. Dass die Schlussfrau, die ehemalige Frankfurterin Uschi Holl, jedoch einige Meter vor der Linie stand, war Anne-Kathrin Westphal wohl entgangen.
Und so sprang der Ball gemächlich ins Tor zur 4:0-Führung für den 1. FFC Frankfurt. Dass ausgerechnet Anne-Kathrin Westphal das Eigentor beim 5:0-Auswärtssieg des FFC zum Auftakt der neuen Bundesligasaison unterlief, war bezeichnend. Denn die Abwehrspielerin hatte es mit Birgit Prinz zu tun – und dieses Duell stand sinnbildlich für den Unterschied, der an jenem Tag zwischen den beiden Teams herrschte.
„Wir hatten hier und da ein wenig Glück“
Denn auch wenn das deutliche Ergebnis eine andere Sprache spricht: Es waren überwiegend Kleinigkeiten, die am Samstagnachmittag den Unterschied ausmachten zwischen dem siebenmaligen deutschen Meister und dem Außenseiter, der dem FFC in der vergangenen Saison im eigenen Stadion noch eine 0:1-Niederlage beigebracht und den Klub damit fast um die Meisterschaft gebracht hatte. Doch diesmal reichten vor den 750 Zuschauern Nuancen zu einem Kantersieg, der in dieser Höhe keineswegs verdient war.
FFC-Trainer Günter Wegmann hatte vor dem Spiel einige Personalentscheidungen getroffen: So vertraute er Stephanie Ullrich anstatt Neuzugang Alisa Vetterlein den für die verletzte Stammtorhüterin Silke Rottenberg reservierten Platz zwischen den Pfosten an. In der Viererkette lief unter anderem die vor der Saison zum FFC gestoßene amerikanische Nationalspielerin India Trotter auf – und machte ihre Sache ordentlich. Stattdessen agierte deren Landsfrau Alexandra Krieger, wie auch schon in der zweiten Hälfte der Vorsaison, als zentrale Figur im Mittelfeld, unterstützt durch Kerstin Garefrekes, Meike Weber und die sehr agile Sarah Günther. Im Angriff bot Wegmann neben Birgit Prinz die von ihrer Verletzung genesene Petra Wimbersky auf.
„Wir haben im richtigen Moment die Tore geschossen und hatten hier und da ein wenig Glück“, bekannte Wegmann nach seinem gelungenen Einstand als Trainer des FFC. Und er hatte recht, wie der Blick auf die Frankfurter Führung zeigt: Nach zehn Minuten, in denen Bad Neuenahr mutig aufspielte, erwuchs aus dem Duell Westphal gegen Prinz das 0:1. Die Spielerin aus Bad Neuenahr legte sich den Ball ein Stück zu weit vor, die Nationalstürmerin sprintete dazwischen, eroberte mit einer beherzten Grätsche die Kugel, überlief noch zwei Gegenspielerinnen und brachte mit der perfekten Vollendung dieses Sturmlaufs ihr Team in Führung.
Laufwege stimmen noch nicht perfekt
Die dreimalige „Weltfußballerin“ präsentierte sich am Samstag so, wie man sie kennt: auf dem Feld kraftvoll, danach kritisch. „Wir waren defensiv nicht gut, unser Passspiel war nicht gut, und wir kamen nicht wirklich gut ins Spiel“, resümierte sie. „Es klingt vielleicht blöd nach einem 5:0-Sieg: Aber es hat noch nicht wirklich gepasst bei uns.“ Doch die Frage muss erlaubt sein: Wie sollte es auch? Schließlich trainierte die Mannschaft nach dem Ende der Olympischen Spiele nur eine Woche zusammen.
Folglich ist es keine allzugroße Überraschung, dass die Laufwege noch nicht perfekt aufeinander abgestimmt waren. Der Gegner, im Vorjahr Fünfter, nutzte diese Probleme zumindest für einige aussichtsreiche Torchancen. Dennoch führten zwei Treffer von Birgit Prinz (10. und 55. Minute), ein Doppelpack von Kerstin Garefrekes (65., 88.) sowie das Eigentor zu einem deutlichen Ergebnis.
Hauptsache drei Punkte – das dürfte das wesentliche Fazit der Dienstreise nach Bad Neuenahr sein. Trainer Wegmann sah es pragmatisch: „Es ist wichtig, dass wir gut in die Saison gestartet sind.“

