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Fankultur „Dreck, Scheiße, Hurensöhne“

12.07.2006 ·  Fußball ist ein schöner Sport. Aber was hat er eigentlich mit Kultur zu tun? Sorgen dafür die Fans? Was ist das: Fußballkultur?

Von Steffen Gerth
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Fußball ist ein schöner Sport. Aber was hat er eigentlich mit Kultur zu tun? Sorgen dafür die Fans? Was ist das: Fußballkultur?

Fußballkultur geht ungefähr so: An einem Sonntagnachmittag in einer Großstadt, sagen wir einfach mal in Mainz, stapft eine stattliche Gruppe junger Männer, erkennbar ausgewiesen als Sympathisanten eines Fußballvereins, der nicht in Mainz ansässig ist. Sagen wir einfach, sie kommen aus Frankfurt. Drumherum sind so viele Polizisten, daß man um die Sicherheit des restlichen Landes bangen muß. Die jungen Männer beschäftigen sich mit dem Sauberkeitszustand der Stadt, in der sie soeben am Bahnhof angekommen sind. „Mainzer Dreck, Mainzer Dreck.“ Offenbar ist alles hier Dreck. Oder eben „Scheiße.“ Im Stadion dann auch. „Dreck. Scheiße, Hurensöhne“.

Mancher Mainzer hat andere Sorgen, nämlich daß Menschen, erkennbar ausgewiesen als Frankfurt-Anhänger, sich ihrer entsprechenden Kleidung entledigen sollen, weil die besseren Plätze für solche Leute nicht vorgesehen sind. Die Haupttribüne ist von Andersdenkenden freizuhalten. Lächerlich.Genauso lächerlich sind einige Fans auf den teuren Plätzen beim SV Darmstadt 98, die ihr Team nach einer Regionalliganiederlage behandeln, als wären sie Schwerverbrecher.
Und letztens in Stockholm, beim Derby zwischen Hammarby und Djurgarden, haben die Hammarby-Fans nach einer Stunde den Platz gestürmt, weil Djurgarden besser war und 3:0 geführt hat. Spielabbruch.

Verzichtbares Kulturgut

Was das alles mit Fußball zu tun hat? Es ist die Frage, ob solche Fans am Sport Fußball Interesse haben oder doch mehr eine Gesinnungsgemeinschaft bilden, die sich im Rahmen eines Spiels auslebt mit Männertümelei, Kraftmeierei, Lokalpatriotismus. Und als Höhepunkt wird die Bespaßung der eigenen Mannschaft erwartet, die als Dienstleister in einem Freizeitpark aufzutreten hat. Daß es im Sport aber manchmal holpert, daß Gegner zwangsläufig dazugehören und einfach auch einmal einen besseren Tag erwischen - wer will das hören?

Es gibt Leute, die behaupten, daß das Gros der Fußballfans von Fußball eigentlich nicht viel versteht, sondern nur nachplappert, was ihm flotte Menschen aus Funk und Fernsehen vorplappern, die vom Fußball auch nicht viel verstehen. Und weil man von der Sache keinen rechten Plan hat, werden halt Gegner beschimpft oder die eigene Mannschaft. Und deshalb werden auch sogenannte „Kämpfer“ geliebt, die auf dem Platz mangels Spielvermögen schuften wie Wolgaschlepper, was meist grausig aussieht, aber Eindruck macht und als „ehrliche Arbeit“ Achtung findet.

Ach ja, Fan darf man auch nur von „richtigen“ Vereinen sein. Dazu zählen der VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen natürlich nicht. Das ist Retorte, wahrhaftig ist nur Tradition oder was dafür gehalten wird. Egal, wie langweilig dort gespielt wird. Das alles zählt zur Fußballkultur. Und ist wie vieles, was als Kulturgut bezeichnet wird, vor allem eines: verzichtbar.

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