16.09.2011 · Beim 4:1 über Hansa Rostock glückt den Frankfurtern ein Befreiungsschlag, der ihnen zum ersten Erfolgserlebnis im eigenen Stadion seit dem 19. März verhilft.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtEndlich ein Heimsieg. Endlich ein Befreiungsschlag. Knapp sechs Monate mussten die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht auf diesen Moment warten. Nach dem 2:1 gegen den FC St. Pauli, herausgeschossen am 19. März, war das 4:1 am 16. September gegen den FC Hansa Rostock das erhoffte Erfolgserlebnis für die zumindest für einen Tag auf Tabellenplatz drei vorgerückte Zweitliga-Mannschaft von Trainer Armin Veh. „Es ist ein eindrucksvoller Heimsieg gewesen“, sagte Heribert Bruchhagen. „Gerade in der zweiten Halbzeit, als Köhler für Ordnung und Linie sorgte, ist es eine überzeugende Leistung gewesen“, ergänzte der Vorstandschef der Eintracht.
Zufall, Absicht, Glück? Der in den vergangenen Wochen unter Rückenproblemen leidende Kapitän Pirmin Schwegler hatte noch vor der Heimpartie gegen die Hanseaten ein kurzes Gespräch mit Trainer Veh geführt. „Ich habe ihm gesagt, wenn es 3:0 steht, wären sechzig Minuten Einsatz für mich in Ordnung.“ Tatsächlich stand es nach einer Stunde exakt 3:0, herausgeschossen durch Mohamadou Idrissou (2. und 56.) und Alexander Meier (52.). Schwegler ging absprachegemäß, Matthias Lehmann kam – und die 38 500 Zuschauer bekamen noch zwei weitere Treffer geboten. Tobias Jänicke nutzte eine Unachtsamkeit von Eintracht-Torwart Oka Nikolov, der einen Flachschuss von Tom Weilandt nur abklatschen konnte (71.). In der Schlussminute war es eine Koproduktion des schießenden Constant Djakpa und des abfälschenden Matthias Holst, die zum 4:1-Schlusspunkt führte.
Köhler verpasste mit einem verschossenen Handelfmeter einen weiteren Treffer (75.). „Das Gespenst ist beiseite geschoben“, sagte Veh. „Mit der ersten Halbzeit bin ich gar nicht zufrieden, aber nach dem 2:0 ist einige Last abgefallen und wir haben richtig gut Fußball gespielt. So stelle ich mir das vor.“ Erwartungsgemäß brachte Veh die Eintracht ins Rotieren und brachte drei frische Profis. Karim Matmour auf rechts, Ümit Korkmaz auf links und Schwegler als Ordnungskraft vor der Abwehr: Mit dieser Mischung sollte der ersehnte Heimsieg glücken. Veh hatte zudem eine weitere Überraschung parat. Für den zuletzt indiskutablen Djakpa beorderte er Allroundmann Benjamin Köhler auf den linken Außenverteidigerposten. Eine Aufgabe, die der gelernte Mittelfeldspieler abgeklärt erfüllte.
Es dauerte nur 66 Sekunden, dann lag der Bundesliga-Absteiger Eintracht gegen den Zweitliga-Aufsteiger Hansa 1:0 in Führung. Es war Neuzugang Idrissou, der an der Grenze zum Fünfmeterraum am schnellsten reagierte und den Ball nach einem Eckstoß von Schwegler ins Rostocker Tor drosch. Für den Kameruner war es schon das zweite Tor im zweiten Spiel. „Von der ersten Minute an lief es gut für mich“, sagte der Stürmer später. Der früh erzielte Treffer sollte der Eintracht eigentlich gut tun, doch die Hessen brachten bis zur Pause nichts Substantielles zustande. Meier scheiterte mit einem Kopfball an Hansa-Schlussmann Kevin Müller (18.). Aktionen der Rostocker waren Mangelware. Ein Freistoß von Mohammed Lartey landete in der Frankfurter Mauer (27.). Und nach einer elfmeterreifen Rempelei im Eintracht-Strafraum zwischen Innenverteidiger Gordon Schildenfeld und Timo Semmer entschied Schiedsrichter Florian Steuer auf Freistoß für Frankfurt.
Weil der bemühte Österreicher Korkmaz eine Halbzeit lang mehr mit sich als mit dem Gegner beschäftigt war, nahm ihn Veh aus der Partie und brachte – Djakpa. Der Mann von der Elfenbeinküste ging auf seinen Stammposten, Köhler rückte in die Offensive. Und wieder fiel ein Tor. Diesmal war es die 52. Minute. Ausgangspunkt des Treffers von Meier, der aus kurzer Distanz erfolgreich war, war Djakpa, der Meier den Ball einschussbereit vor die Füße spielte. 2:0 – da konnte, da durfte nichts mehr schief gehen. Erfreulich: Die Eintracht ließ nicht nach, hielt weiterhin das Tempo hoch, wusste spielerisch mehr und mehr zu gefallen – und erhöhte auf 3:0 (56.). Wieder war es Idrissou, der mit einem sehenswerten Volleyschuss für Jubelstürme sorgte. Und wieder war der kleine Djakpa, der als Vorbereiter glänzte. Beim 4:1, als der Afrikaner beherzt abzog und Holst abfälschte, schrieb Djakpa den finalen Treffer sich zu. „Das war mein Tor.“
Dass er eine Halbzeit lang zuschauen musste, nahm er sportlich. „So ist Fußball. Der Teamspirit zählt.“ Nichts mit Fußball indes hatte das verspätete Feuerwerk zu tun, zu dem sich Hansa-Chaoten aus dem Rostocker Fanblock zur Pause entschlossen hatten. Annähernd fünf Minuten lang flogen Leuchtraketen durch die Frankfurter Arena und auf den Rasen. Nach Auskunft der Polizei kam es vor dem Anpfiff zu Ausschreitungen. Rostocker und Frankfurter Fans warfen am Bahnhof Stadion mit Steinen und Flaschen aufeinander. Dem Vernehmen nach wurde auch versucht, zwei Streifenwagen der Polizei anzuzünden. Negativer Höhepunkt eines aus Sicht der Eintracht sportlich erfreulichen Fußballabends.