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Vor Skibbes erstem Training Das neue Gesicht der Eintracht

08.06.2009 ·  Nicht nur der Trainer der Frankfurter Eintracht ist ein anderer. Auch die Mannschaft dürfte in der kommenden Saison anders aussehen – für einen anderen Fußball.

Von Uwe Marx und Ralf Weitbrecht
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Bis zum ersten Training dauert es noch eine Weile. Am 29. Juni erst, beim Übungsauftakt von Eintracht Frankfurt, wird Michael Skibbe zum ersten Mal nahe der Fußballarena für seinen neuen Arbeitgeber auf dem Platz stehen. Er ist, was das Sportliche betrifft, das neue Gesicht der Eintracht in der Nach-Funkel-Ära. Es wird nicht die einzige optische Veränderung sein. Auch seine Mannschaft wird ein neues Gesicht bekommen. Und zwar unabhängig davon, ob Skibbe noch zwei oder drei neue Spieler bekommt, wie von ihm angeregt. Oder gar keinen.

Der Fußball, den die Eintracht spielt, soll ein anderer werden. So ist es beabsichtigt. Die Mannschaft wird auch eine andere sein. Garantiert. Der von Funkel weitgehend ignorierte Brasilianer Caio ist dafür nur ein Beispiel. Ihm hat Skibbe bereits eine größere Wertschätzung in Aussicht gestellt. Im Mittelfeld sind also Verschiebungen möglich oder zu erwarten. Wie in jedem anderen Mannschaftsteil.

Pröll gegen Fährmann - und Nikolov?

Im Tor etwa wird der Dauerzweikampf zwischen Markus Pröll und Oka Nikolov durch ein neues Duell abgelöst: Pröll gegen Ralf Fährmann, den neuen Torhüter von Schalke 04. Allzu viel weiß man über den zwanzig Jahre alten Profi noch nicht. Er ist wohl sehr talentiert. Andererseits hat er in der vergangenen Saison nur drei Spiele für die Schalker bestritten. Nur einmal, beim 0:1 gegen Köln, spielte er auffällig gut. Pröll, der in Frankfurt dann und wann angeeckt ist, allerdings noch ein Jahr unter Vertrag steht, ist zum Kampf ums Tor bereit, so wie er es immer war. Für Skibbe dürfte es, sollten beide Spieler unverletzt bleiben, eine schwere Entscheidung werden. Torwarttrainer Andreas Menger wird sie ihm nicht abnehmen. Funkel hat am Ende immer selbst entschieden. Das wird unter Skibbe nicht anders sein.

Ob nun Fährmann oder Pröll oder vielleicht sogar Routinier Oka Nikolov, so oder so steht fest, dass die Eintracht eine Abwehr haben wird, die einem alten Arbeitstitel des großen FC Bayern ähnlich ist. Die Münchner wollten vor der Weltmeisterschaft 2006 einen FC Deutschland zusammenkaufen und etablieren. Das erinnert, was die Defensive betrifft, an die Eintracht 2009. Maik Franz, der Neue vom Karlsruher SC, wird ziemlich sicher zur Stammformation gehören, ebenso wie Marco Russ. Ein etwas erfahrenerer Spieler, dazu ein Talent – das klingt wie eine Innenverteidigung vom Reißbrett. Als letzter von vier Abwehrspielern nach dem gesetzten Rechtsverteidiger Patrick Ochs steht nur der Schweizer Christoph Spycher auf links für Internationalität – eine in der Bundesliga einmalige Konstellation.

Bajramovic als Impulsgeber?

Weiter vorn aber dürfte es dann wirklich international werden. Chris, der variable Brasilianer, gilt als technisch beschlagenster Eintracht-Profi und besitzt als Ordnungsfaktor vor der Abwehr herausragende Bedeutung. Unter Vorgänger Funkel fand sich der bald 31 Jahre alte Südamerikaner auch schon mal in der Innenverteidigung wieder. Doch sein Herz schlägt auf der sogenannten Sechser-Position. Mit freundlicher Unterstützung von Zlatan Bajramovic? Der Bosnier, ähnlich variabel und ähnlich lauffreudig wie der Brasilianer, kann der Eintracht unter Skibbe ein wertvoller Antreiber und Impulsgeber sein – wenn er denn gesund und fit bleibt. Was zuletzt selten der Fall war. Gut möglich, dass Skibbe, wie er schon am Freitag bei seiner Präsentation angedeutet hat, gerade auf dieser Position Verstärkungsbedarf sieht. Es geht also um Absicherung nach hinten, um weiter vorn das zu ermöglichen, woran er sich messen lassen will: attraktiven Fußball zu spielen.

Bei der spielerischen Neuausrichtung, geprägt von herzerfrischendem Angriffsfußball – so der Plan –, soll Caio eine neue Chance erhalten. Der Brasilianer, zuletzt nicht gerade ein Ausbund an Fitness und Kondition, dürfte sich zum Bundesligastart am zweiten Augustwochenende in der neuformierten Stammelf wiederfinden – ein erstklassiges Leistungsniveau vorausgesetzt. An Alexander Meier, einem der wichtigsten Offensivhelfer unter Funkel, dürfte kein Weg vorbeiführen. Und auch die zweite offensive Außenposition, besetzt mit dem fleißigen Tschechen Martin Fenin oder dem dribbelfreudigen Österreicher Ümit Korkmaz, unterstreicht die internationale Offensivausrichtung der Eintracht.

Fragezeichen hinter Amanatidis

In der Spitze findet sich der Kopf der Mannschaft wieder, Kapitän Ioannis Amanatidis. Weil aber der Grieche sieben Monate benötigt hat, um die Folgen eines Knorpelschadens mit anschließender Operation zu überstehen und niemand weiß, wie schnell er wieder ganz der Alte sein wird, will sich Skibbe auch hier nach neuem Personal umschauen. Landsmann Nikos Liberopoulos, der in der Vorsaison erfolgreichster Frankfurter Angreifer war, wird auch seine Einsatzchancen erhalten – aber wohl nur als Ergänzungskraft.

Sicher, im Fußball, zumal in einer gut sechswöchigen Vorbereitungsphase, können die sonderbarsten Dinge passieren. Man denke nur an den Bruch des Mittelfußknochens, den sich Korkmaz vor annähernd einem Jahr bei seiner letzten Trainingseinheit im Zillertal zugezogen hat. Doch Profis wie Mehdi Mahdavikia, Nikola Petkovic, Aleksandar Vasoski, Alexander Krük, Faton Toski und Marcel Heller dürften sich ziemlich sicher eher selten und dauerhaft im Mannschaftsgefüge wiederfinden. Und auch die jungen Kräfte wie Verteidiger Habib Bellaid, der beste Vorbereiter Markus Steinhöfer, Allrounder Benjamin Köhler und Jungprofi Sebastian Jung müssen um ihren Status kämpfen.

Skibbe und die Elf brauchen auch Glück

Zwei, drei Neue, dazu das „sehr gut zusammengestellte“, vorab von Skibbe gelobte Kerngerüst: Die Eintracht des Jahrgangs 2009/2010 wird sich verändern. Sie muss es auch, wenn sie der forschen Ankündigung ihres neuen Motivators, attraktiven, erfolgreichen und offensiven Fußball zu zeigen, gerecht werden will. Die neue alte Eintracht wird eine Mischung aus jungen und gestandenen Profis sein. Im Prinzip genau die richtige Mischung, um dem Wunsch vieler Anhänger nach begeisterndem Fußball zu entsprechen. Bei aller Vorfreude: Skibbe und seine Mannschaft brauchen für die angestrebte Aufbruchstimmung einen Begleiter, den man nicht trainieren kann: Glück.

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