07.09.2010 · Markus Pröll wartet weiter auf einen neuen Brötchengeber und Einsätze auf dem Fußballfeld. Im Interview äußert sich der Torwart über die Frankfurter Eintracht, seine Arbeitslosigkeit und Samstage vor dem Fernseher.
Erinnern Sie sich noch an Ihr bislang letztes Spiel in der Fußball-Bundesliga?
Ja, das ist schon etwas länger her. Es war am 23. Mai 2009, also in der vorletzten Saison. Wir haben gegen den Hamburger SV gespielt und 2:3 verloren. Damals habe ich mir nicht vorstellen können, dass so eine schwierige Zeit vor mir liegen würde. Ich hätte niemals damit gerechnet, weil ich immer gezeigt habe, dass ich gar nicht so schlecht bin.
Jetzt sind Sie mit 31 Jahren in einem guten Alter für Torhüter und vertragslos - wie passt das zusammen?
Momentan ist die Konstellation für Torhüter sehr ungünstig. Viele Vereine setzen auf Talente, einerseits aus sportlichen, andererseits vielleicht auch aus finanziellen Gründen. Die Bundesliga ist für Torhüter komplett zu. All das ändert aber nichts an meinen Qualitäten, ich bin jetzt seit zwölf Jahren im Geschäft. Wenn man sich die Möglichkeiten einmal anschaut, dann kann ich eigentlich nur noch ins Ausland gehen. Das Gute daran ist, dass ich dies jederzeit machen kann, weil ich ohne Verein dastehe. Für mich ist das Transferfenster noch nicht geschlossen.
Gab es denn schon Angebote?
Ja, aus der Türkei, aus Griechenland und Osteuropa. Aber wenn man in meinem Alter erst einmal aus dem Fokus gerät, dann hat man es schwer, noch einmal zurückzukommen. Ich möchte mir den nächsten Schritt sehr gut überlegen. Ich unterschreibe nicht alles - das habe ich mir vorgenommen.
Sie trainieren derzeit bei der zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen - ist es schwierig, die Motivation hoch zu halten, wenn nicht immer der nächste Spieltag das Ziel ist?
Ich spiele gern Fußball, und natürlich tut es weh, wenn man nicht jede Woche um Punkte kämpft. Aber damit muss man sich abfinden. Ich versuche das Beste daraus zu machen, halte mich fit, versuche individuelle Sachen zu verbessern und gebe den Jungs in Leverkusen noch ein paar Tipps. Es ist jetzt auch nicht so, dass ich nicht weiß, wohin mit meiner Kraft. Trotzdem ist die Situation nicht schön. Jeder will doch auch gebraucht werden.
Haben Sie ein Imageproblem, Sie gelten als zu verletzungsanfällig?
Natürlich hatte ich Verletzungen, aber davon hat keine einzige irgendwelche Folgewirkungen. Es ist alles verheilt, es ist alles wieder gut. Und ich meine, dass es eine Kunst ist, immer wieder zurückzukommen. Wenn die Leute sagen können: Boah, jetzt ist der Prölli schon wieder da, obwohl er sich alle Bänder in der Schulter gerissen hat! Aber bei manch einer Verletzung habe ich schon mit dem Schicksal gehadert. Zuletzt habe ich nach einem Freundschaftsspiel noch Autogramme geschrieben und bin mit einem kleinen Mädchen zusammengestoßen, ich habe es auf die Seite gehoben, bin dabei hingefallen - und habe mir eine Schultereckgelenksprengung zugezogen. Wenn ich über das Kind drüber gelaufen wäre, glauben Sie mir, das hätte wirklich einen bleibenden Schaden davon getragen. Ich hoffe nun natürlich auch für mich, dass da oben im Himmel einer aufgepasst und das gesehen hat. Die Verletzungen haben mir schließlich immer wieder meinen Stammplatz gekostet.
Sie waren viele Jahre ein Erfolgsgarant der Eintracht, doch schon unter Trainer Friedhelm Funkel gab es Irritationen, und schließlich wurden Sie nicht mehr gebraucht. Können Sie den Wendepunkt benennen?
Es gab eine Zeit, in der ich gemerkt habe, dass die Rückendeckung nicht mehr da war. Das ging urplötzlich, der Wind hatte sich gedreht. Es lief auf einmal ganz komisch. Aber auf den Zeitpunkt möchte ich nicht näher eingehen. Es lässt sich nicht mehr herausfinden, was passiert wäre, wenn ich bei der Eintracht noch eine richtige Chance bekommen hätte.
Sind Sie verbittert? Schon als Sie noch in Frankfurt waren, hat Vorstandschef Heribert Bruchhagen Ihren Namen nie in seine Reihe der verdienten Spieler aufgenommen.
Das ist halt so im Fußball. Man bekommt viel Geld, hat dafür eine Leistung zu erbringen - und ich glaube, dass ich dies über all die Jahre ordentlich getan habe. Die Leute, die mich verfolgt haben, wissen das auch zu beurteilen.
Hätten Sie im Nachhinein irgendetwas anders machen können?
Das habe ich mich auch schon gefragt, aber ich bin der Meinung, dass ich nicht viel falsch gemacht habe. Was ich getan habe, habe ich hundertprozentig durchgezogen. Wenn andere der Meinung waren, dass das nicht in Ordnung war, dann muss ich das akzeptieren. Ich würde nichts anders machen - doch die Situation könnte schöner sein.
Sind Sie schlechter als Oka Nikolov oder Ralf Fährmann?
Dazu möchte ich nichts sagen.
Oder waren Sie im Vergleich zu den beiden einfach zu teuer?
Dazu möchte ich auch nichts sagen.
Als was bleibt Ihnen die Eintracht in Erinnerung?
Ich habe mich in all den Jahren hier sehr wohl gefühlt, der Verein ist mir ans Herz gewachsen. Ich denke auch, dass die Fans gesehen haben, dass ich immer alles gegeben habe. Meine Erinnerungen an die Eintracht werden immer positiv sein.
Haben Sie noch Kontakt zur Mannschaft?
Natürlich, ich telefoniere regelmäßig mit ein paar von den Jungs. Mit vielen habe ich jahrelang zusammen gespielt, da geht man nicht einfach von heute auf morgen auseinander.
Was vermissen Sie am meisten?
Es beginnt beim Tagesablauf mit der Vorbereitung auf die Partien und endet mit dem Spieltag selbst. Nun sitze ich samstags zuhause auf der Couch, wenn die Bundesliga beginnt. Das ist deutlich entspannter als die ganze Aufregung im Stadion, die ich trotzdem vermisse. Genauso wie den Zusammenhalt unter den Jungs, den Wettkampf, das Gefühl eines Sieges. Aber all das kann morgen schon wieder da sein. Darauf bereite ich mich vor.
Sie haben für Köln und Frankfurt in der Bundesliga gespielt - wem drücken Sie nun als neutraler Zuschauer die Daumen?
Ich fühle mich mit Frankfurt noch ein Stück weit verbundener, weil meine Zeit dort einfach erst sehr kurz zurückliegt. In Köln lebe ich derzeit, deshalb interessiere ich mich natürlich auch für den FC.
Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?
Ich möchte mich noch mal präsentieren dürfen. Zeigen, dass ich ein guter Torhüter bin, und wissen, dass sich all die Qual nach den Verletzungspausen doch gelohnt hat.