10.05.2011 · Die Stadt Frankfurt prüft, ob sie gegen die randalierenden Anhänger der Frankfurter Eintracht Strafanzeige erstattet. Wie Sportdezernent Markus Frank sagte, hat die Stadt als Eigentümerin der WM-Arena eine Gesamtverantwortung für das Geschehen dort.
Die Stadt Frankfurt prüft, ob sie gegen die randalierenden Anhänger der Frankfurter Eintracht Strafanzeige erstattet. Wie Sportdezernent Markus Frank (CDU) am Montag sagte, hat die Stadt als Eigentümerin der WM-Arena eine Gesamtverantwortung für das Geschehen dort. „Die Szenen haben uns alle sehr erschreckt“, sagte Frank und fügte hinzu: „Wir wollen, dass die, die das getan haben, bestraft werden.“
Der Dezernent war wie Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und andere ranghohe Politiker der Stadt bei der 0:2-Niederlage der Eintracht gegen den 1. FC Köln im Stadion gewesen. Nach Spielende stürmten etwa 150 offenbar gewaltbereite Mitglieder der „Ultra“-Fanszene in den Innenraum; sie wurden erst von einer Polizeikette gestoppt. Es entstand ein Schaden von rund 600.000 Euro; mehrere Personen wurden festgenommen. „Solche Ausschreitungen schaden Frankfurt natürlich, aber das Image einer Stadt wird auch nicht von ein paar Krawallmachern bestimmt“, äußerte Frank.
„Steigerung der Gewalt“
Unterdessen ermittelt die Polizei gegen die Festgenommenen wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Sachbeschädigung und des Landfriedensbruch. Auch Videomaterial werten die Ermittler aus, um weitere Störer zu identifizieren. Das werde wohl noch mehrere Woche dauern, sagte ein Sprecher. Dann werde das Ermittlungsergebnis an die Staatsanwaltschaft übergeben.
Der Beamte, der am Samstag den Polizeieinsatz im Stadion geleitet hatte und Erfahrung mit sogenannten Risikospielen hat, sprach am Montag von einer „Steigerung der Gewalt“, die sich von Seiten eines kleinen Teils der Frankfurter „Ultras“ in den vergangenen Spielen schon angekündigt habe. Aus Sicht der Polizei sei die Situation aber zu jedem Zeitpunkt „beherrschbar“ gewesen.
Privater Sicherheitsdienst habe zu spät eingegriffen
Sportdezernent Frank kündigte härtere Kontrollen seitens der Stadt an. So werde geprüft, ob den „Ultras“ weiterhin gewisse Sonderrecht gewährt werden könnten. Bisher hat die Eintracht Frankfurt AG als Veranstalter der Erstliga-Fußballspiele den „Ultras“, die sich für besonders treue Eintracht-Fans halten, im Stadion mindestens einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem sie ihre Utensilien für Choreographien während der Partien lagern können. „Niemand darf Sonderrechte nutzen, wenn er damit Straftaten vorbereitet“, sagte Frank. Er frage sich seit einiger Zeit, „wie die Feuerwerkskörper ins Stadion kommen“. Der Dezernent wies daraufhin, dass Stadt, Land und DFB je 50.000 Euro im Jahr in ein gemeinsames Fanprojekt investierten.
Die Anhänger der „Ultras“ konnten nach seinen Angaben deshalb so zahlreich in den Innenraum des Stadions gelangen, weil der private Sicherheitsdienst der Eintracht zu spät eingriff. Nach derzeitigem Ermittlungsstand seien einzelne Anhänger über den Stadionzaun geklettert. Als sie dort nicht in Gewahrsam genommen worden seien, hätten sie vom Innenraum aus die Sicherheitstüren geöffnet, durch die dann zahlreiche weitere Personen gestürmt seien.
Geldbuße und Platzsperre möglich
Die „Ultras“ Frankfurt sind eine der ältesten und größten Vereinigungen in der Szene in Deutschland. Einer Polizeischätzung zufolge haben sie etwa 1000 aktive und passive Mitglieder; diese entrichten einen Jahresbeitrag von 19,97 Euro (in Anlehnung an das Gründungsjahr 1997). Aus ihrem Dasein als Pioniere in Deutschland leiten sie einen gewissen Stellenwert im Vergleich zu ähnlichen Gruppierungen ab, mit denen sie um den Status als „beste Fanszene Deutschlands“ konkurrieren. Die „Ultra“-Bewegung orientierte sich bei ihrem Entstehen in Deutschland Mitte der neunziger Jahre an Vorbildern aus Italien, wo die Fankultur zu jener Zeit deutlich bunter war als in den stimmungsarmen deutschen Stadien.
Während der Wettstreit ursprünglich um Fangesänge, Choreographien und Banner ausgetragen wurde, hielt mit den Jahren immer mehr Gewalt Einzug. Die Frankfurter bezeichneten sich bald auch nicht ohne Stolz als „brutal asozial“. Diese Selbstbeschreibung ist insofern irreführend, als die „Ultras“ üblicherweise keineswegs aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen. Zu einem große Teil besteht die Gruppe aus Abiturienten und Studenten, also sehr jungen Mitgliedern mit hohem Bildungsniveau. Mancherorts haben sich die „Ultras“ mittlerweile wieder auf alte Anliegen besonnen. Auch in Frankfurt gab es Bekenntnisse zu einer Selbstreinigung innerhalb der Szene, die allerdings offenbar bislang nicht erfolgreich war.
Wegen der Ausschreitungen ermittelt auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegen Eintracht Frankfurt. Mit einem Urteil sei frühestens in der zweiten Wochenhälfte zu rechnen, heißt es. Sowohl eine Geldbuße als auch eine Platzsperre sind möglich.