Home
http://www.faz.net/-gzo-13i7t
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Donnerstag, 23. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Präsident Peter Fischer Der Eintracht-Surfer

25.08.2009 ·  Peter Fischer gilt als Kommunikationstalent und dürfte manch grauer Maus aus den hinteren Reihen der Frankfurter Eintracht ein Dorn im Auge sein. Der Präsident des Vereins verhält sich auch unter juristischem Druck selbstsicher und verteidigungsbereit.

Von Marc Heinrich
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Entgegen seinem Naturell gab sich Peter Fischer am Montag ausnahmsweise zugeknöpft. Es gebe „zum jetzigen Moment nichts Neues hinzuzufügen, da von meiner Seite bereits alles gesagt wurde“, ließ der Präsident des Vereins Eintracht Frankfurt eine Mitarbeiterin der Geschäftsstelle ausrichten. „Zu gegebener Zeit“, so die freundliche Dame weiter, werde sich ihr Chef „aber bestimmt noch einmal äußern“.

Am späten Nachmittag kam das komplette Präsidium des Klubs zu einer Sitzung zusammen, um gemeinsam zu überlegen, „wie die nächsten Schritte in dieser Sache aussehen könnten“, wie sie es nannte. Fischer und mit ihm die Eintracht sehen sich seit dem Wochenende in der misslichen Lage, dass im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ geschrieben wurde, der Dreiundfünfzigjährige Klubboss sei in undurchsichtige Finanzgschäfte verwickelt.

Kommunikationstalent

Im Kern des Berichts geht es um zwei Anschuldigungen: Zum einen soll Fischer einen Sponsorendeal zwischen der Eintracht und einer Firma eingefädelt haben, die ihren Zahlungsverpflichtungen schon nach wenigen Monaten nicht mehr nachkam. Die momentan alles andere als im Geld schwimmende Eintracht Frankfurt Fußball AG dementierte diese Meldung am Montagabend eindeutig. In einer Presseerklärung gab sie bekannt, dass Fischer „nicht an der Umsetzung des Vertrags beteiligt war“. Und weiter: „Es gab und gibt weder damals noch heute Anlass zu Vorwürfen oder Behauptungen eines Fehlverhaltens in Richtung Peter Fischer.“ Die weitaus gravierendere Behauptung: Fischer soll sich in einem Zivilprozess vor dem Frankfurter Landgericht verantworten müssen, weil er als einer der Initiatoren des Medienfonds „Dritte World Media“ Anleger „arglistig getäuscht“ habe.

Am Sonntag, als sich Fischer auf der Heimreise von der Leichtathletik-WM in Berlin befand, hatte er, seinem Kommunikationstalent entsprechend, mit starken Worten zur Selbstverteidigung angesetzt: „Ich habe noch nie so einen schlecht recherchierten, gekauften Artikel gelesen, in dem gar nichts stimmt“, begann er sein Widerruf. Das Magazin „wirft mit Schmutz nach mir“, die Vorwürfe seien „absurd und aus den Fingern gesogen“. Fakt ist: Ein komplexer Schadensersatzprozess ist schon seit drei Jahren anhängig.

So oder so: Bei aller Bekanntheit, wer ist dieser Peter Fischer eigentlich? Er gehört schon lange zu den besonders illustren Persönlichkeiten der Frankfurter Gesellschaft. Neben Heribert Bruchhagen, dem ruhigen und stets abgeklärten Vorstandsvorsitzenden, ist der 2,01 Meter große Tausendsassa der Mann, der dem Bundesligaklub in der Öffentlichkeit ein markantes Gesicht verleiht. Seit 2000 leitet er mit Fortune den Verein, der mit 72 Prozent die Mehrheit an der Fußball-AG hält. In seine dritte und vierte Amtszeit wurde er jeweils ohne Gegenstimme gewählt – ein nicht alltäglicher Vertrauensbeweis.

Manch grauer Maus ein Dorn im Auge

Er selbst leistete mit Andeutungen Spekulationen Vorschub, die „Spiegel“-Veröffentlichungen könnten auf eine Intrige von Kontrahenten bei der Eintracht zurückzuführen sein. Er deutete im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung vielsagend an, „Feinde von der anderen Seite“ hätten möglicherweise nachgeholfen. Fischers Beliebtheit ist wohl tatsächlich manch grauer Maus aus den hinteren Reihen ein Dorn im Auge. Der eloquente und stets braun gebrannte Fußballkenner, ist volkstümlich und hat eine große Nähe zur Fanszene – die er bewies, indem er die Gründung der Fan- und Förderabteilung unter dem Dach des Vereins gegen Widerstand vorantrieb. Mit knapp 7000 Angehörigen macht diese Gruppierung mittlerweile fast die Hälfte der mehr als 14.000 Mitglieder der Eintracht aus.

Die Anhänger schätzen an Fischer, dass er für viele Menschen in den 16 Abteilungen der Eintracht ein offenes Ohr hat und sich mit Einsatz und Leidenschaft für die Belange der Amateure an der Basis und der Jugendlichen stark macht. Fischers Wort hatte auch deswegen bei der Neuverpflichtung von Trainer Michael Skibbe und der Trennung von Friedhelm Funkel Gewicht. Dem gebürtigen Licher, nun schon seit 39 Jahren am Main zuhause, kam schon oft zupass, dass sein Kritiker ihn unterschätzten, weil sie in ihm nur den eitlen Schaumschläger sehen wollten.

Freude an der Selbstinszenierung

Dem gelernten Kaufmann, in seiner Jugend ein veritabler Basketballer, später Besitzer von zwei Modeboutiquen, Betreiber der Diskothek „Tangente“, Inhaber einer Werbeagentur und Autor des Buches „Siegen aus Leidenschaft!“ ist die Freude an der Selbstinszenierung fürwahr nicht abzusprechen. Er steht gerne im VIP-Raum im Mittelpunkt, zieht mit Stürmer Ioannis Amanatidis nach Erfolgen in Sachsenhausen um die Häuser. Auf Ibiza hat er einen Beachklub eröffnet (auf Mallorca gibt es neuerdings eine Dependance) und dafür unverhohlen Reklame in einer Boulevardzeitung gemacht – mit Fotos am Strand, umringt von Mädels in knappen Bikinis. In diesem Sommer schlürfte er unter spanischer Sonne mit den Real-Profis Christoph Metzelder und Raúl Cocktails. „In diesem Job braucht man Eitelkeit“, sagt er dazu gelassen. Mancher Kollege im Aufsichtsrat nimmt solche Bekenntnisse pikiert zur Kenntnis und nennt ihn hinter vorgehaltener Hand einen Schnösel und Populisten. Fischer kennt solche Einwände – sie stören ihn nicht. „Als ich anfing, war ich der blonde Surfer aus Hawaii mit den blauen Augen.“

Er akzeptiert auch die Bezeichnung „Lebemann“ ohne Umschweife und ist in jedem Fall ein Zeitgenosse mit vielen Facetten: Einer, der Porsche fährt und modisch provokant gerne Sakkos in Pink trägt, aber genauso im gedeckten Anzug die Eintracht bei Einladungen der Landesregierung repräsentiert. Einer, der mit viel Glück die Tsunami-Katastrophe 2004 heil überstand und seitdem Geld für die Hinterbliebenen der Opfer in Phuket sammelt, der seit 17 Jahren Ehemann und Familienvater mit Leidenschaft ist. Sein größter Verdienst um die Eintracht: Er hat es durch Fleiß geschafft, die zuvor oft gegeneinander gerichteten Interessenlagen zu einen. Nebenbei errichtete er sich durch taktisches Geschick eine schier unerschütterliche Machtbasis bei dem Traditionsverein – wie stabil sie ist, werden die kommenden Tage zeigen.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Das gute Recht der 200

Von Jochen Remmert

Schaut man im aktuellen Konflikt um die Vorfeld-Lotsen genau hin, scheinen die Forderungen an Fraport nicht alle ganz so skandalös hoch zu sein. Mehr 4 19