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Kommentar zu Rhein-Main-Derby Das Prinzip Franz

07.12.2009 ·  Maik Franz nach Spielen seiner Mannschaft auseinanderzunehmen ist wie der Protest gegen die Erderwärmung: Es gehört zum guten Ton. Der Eintracht-Profi gilt manchem als das Böse schlechthin im Fußball. Und doch ist es unprofessionell und naiv, sich an Franz abzuarbeiten.

Von Uwe Marx
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Maik Franz nach Spielen seiner Mannschaft auseinanderzunehmen ist wie der Protest gegen die Erderwärmung: Es gehört zum guten Ton. Der Eintracht-Profi gilt manchem als das Böse schlechthin im Fußball. Jedenfalls in der Bundesliga. Ein wildgewordener Aggressor, dem alles zuzutrauen ist. Das ist auf den ersten Blick nachvollziehbar. Der Abwehrspieler wirft sich mit allem, was er hat, Gegnern entgegen, und dass er in seiner Wortwahl nicht immer jugendfrei ist, dürfte als gesichert gelten. Und doch ist es unprofessionell und naiv, sich an Franz abzuarbeiten - so wie es auch einige Mainzer nach dem Kennenlernen beim 0:2 gegen Eintracht Frankfurt getan haben.

Es stimmt, dass der ruppige Defensivspieler ein Grenzgänger ist. Aber wenn er die Grenze zur Unsportlichkeit überschreitet, greift der Schiedsrichter ein. Denn Franz ist ein notorischer Provokateur, und dass ausgerechnet er geschont wird, ist unwahrscheinlich. Wird aber nicht gegen ihn gepfiffen, dann ist jedes Klagen ein Zeugnis der Hilflosigkeit. Man muss seine Spielweise nicht gutheißen - mal abgesehen davon, dass sie für seine jeweiligen Mannschaften wertvoll ist -, aber man ist ihr nicht hilflos ausgeliefert. Sich darauf vorzubereiten ist möglich. Das hätten auch die Mainzer tun können.

Eine unnötige körperliche Annäherung

Wer Maik Franz entgegenkommt, indem er sich im direkten Duell seiner Waffen bedient, hat schon verloren. In der Kunst der fußballpsychologischen Spielführung ist er der Erfahrenere. Und bestimmt der Effektivere. Hier eine unnötige körperliche Annäherung, da eine Einmischung in Diskussionen, dort ein paar harte, womöglich auch beleidigende Worte - Franz beherrscht sein Repertoire. Was dagegen hilft, ist eine andere Kunst - die des Ignorierens und der Selbstkontrolle.

Jeder, der es mit Franz zu tun bekommt, weiß, was ihn erwartet. Es gibt keinen Überraschungseffekt mehr. Und wer weiß, was kommt, kann sich lange genug überlegen, wie er darauf reagiert. Deshalb muss man dem Prinzip Franz nicht zwangsläufig zum Opfer fallen. Man muss sich auf den Schiedsrichter verlassen und eigene Aggressionen unterdrücken. Was dann noch bleibt - gute Leistungen, Tore, gelungene Zweikämpfe -, sollte ausreichen, um zu bestehen. Eine gehörige Portion Leidensfähigkeit gehört natürlich dazu. Aber in welchem Fußballspiel ist das anders? Gegner sehen immer dann schlecht aus, wenn sie nach einem Spiel jammern und wehklagen und Franz grinsend den Platz verlässt. Nicht weil er jemandem persönlich geschadet hätte, sondern weil er unter den Siegern ist und die Kläger und Kritiker eben nicht. Deren Lamento mag menschlich verständlich sein. Sportlich schlau ist es nicht.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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