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Kommentar Unsere Eintracht

16.05.2009 ·  Von der Frankfurter Eintracht erwarten viele Fans, dass sie Spitzenfußball zeigt, zumindest aber attraktive Spiele. Dazu gehört, natürlich, Erfolg. Aber man wäre schon mit mehr Siegeswillen und Spielwitz zufrieden.

Von Jörg Hahn
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Manche bezeichnen es als Frankfurter Hybris, als Selbstüberhebung, die sich einfach rächen muss; andere nennen es berechtigte Ansprüche einer Metropole an ihren ersten Fußballverein: Von der Frankfurter Eintracht erwarten viele Fans, dass sie Spitzenfußball zeigt, zumindest aber attraktive Spiele. Dazu gehört, natürlich, Erfolg. Aber man wäre schon mit mehr Siegeswillen und Spielwitz zufrieden.

Wer von Zeiten mit Grabowski und Hölzenbein, mit Möller, Bein, Yeboah oder oder Okocha schwärmt, verkennt sicherlich ein Stück weit die Marktentwicklung im Profifußball und blendet auch ein wenig aus, dass die Eintracht schon am Abgrund stand, als ihr zunächst die Lizenz verweigert worden war.

Nicht immer die besten Transfers

Doch nach Rettung und Konsolidierung ist die Eintracht beim notwendigen nächsten Schritt – sich nämlich wieder näher an die Topklubs heranzuschieben – aus dem Tritt geraten. Am Spielermarkt wurden nicht immer die besten Entscheidungen getroffen, unabhängig vom Budget, das etwa mit dem des von Mäzen Dietmar Hopp gepäppelten Aufsteigers Hoffenheim nicht vergleichbar ist.

Vorstandschef Heribert Bruchhagen empfindet es offenbar als Anschlag auf seine wirtschaftliche Vernunft, wenn Fans ins Träumen geraten und ihre Ansprüche lautstark im Stadion formulieren. Doch warum sollten sie jubeln bei dürftigen Vorstellungen? Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt derzeit nicht, schließlich kommt das Publikum nicht in erster Linie, um eine schicke Arena zu bestaunen oder die Choreographien der „Ultras“ unter den Fans, sondern um spannenden und unterhaltsamen Fußball zu sehen. Wenig hilfreich ist es, wenn jene, die protestieren gegen Bruchhagen oder Trainer Friedhelm Funkel oder die Spielweise oder gegen alles gleichzeitig, abqualifiziert werden, als abstoßender Mob oder als verwöhnte Logenbesitzer.

Neidische Blicke nach Berlin

Nein, es gibt, und das kann man hören auf den Rängen der Arena oder beim Gespräch im Apfelweinlokal, mehr und mehr Unzufriedene, die seit Jahren oder auch Jahrzehnten ins Stadion gehen, sich ihre Dauerkarte, Gegentribüne, Mitte, leisten – und die jetzt den Spaß verlieren, wenn sie hören, dass es für die Zukunft heißen soll: „Niveau halten“.

Welches Niveau? Neidisch schauen manche auf den Hamburger SV oder auf Hertha BSC, mit denen die Eintracht jahrelang auf Augenhöhe war. Stattdessen Verwirrung, was der Trainer mit Spielern wie Mahdavikia oder Caio vorhat, und Ratlosigkeit, ob vier Torhüter die Mannschaft demnächst wirklich weiterbringen? Von einer Eintracht, die die Nummer eins im Rhein-Main-Gebiet sein will, darf und muss man mehr verlangen als Abstiegskrampf.

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Jahrgang 1961, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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