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Veröffentlicht: 25.11.2015, 14:16 Uhr

Erik Wille im Gespräch „Für einen Fußballer bin ich nicht ideal gebaut“

Karriereende mit 22 Jahren - wie fühlt sich das an? Und was kommt danach? Der ehemalige Eintracht-Spieler Erik Wille spricht im F.A.Z.-Interview über Lebensträume und Lebenserfahrungen.

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© Picture-Alliance Dynamisch bei der Eintracht: Erik Wille (links) im Trikot der Frankfurter 2011 bei den A-Junioren.

Vor einem Monat haben Sie Ihre Karriere beendet. Wie weit ist der Profifußball schon weg?

Daniel Meuren Folgen: Ralf Weitbrecht Folgen:

Überhaupt nicht weit weg. Dadurch, dass ich zu studieren angefangen habe, hat ein neuer Lebensabschnitt angefangen. Das hilft. Sobald ich aber Menschen Fußball spielen sehe oder besonders natürlich meine Mannschaft vom MSV Duisburg, tut es extrem weh, nicht mehr spielen zu können. Ich fühle mich noch als Fußballspieler, realisiere aber mit jedem Tag mehr, dass ich es nicht mehr bin.

Uns in der Redaktion hat die Nachricht von Ihrem Karriereende betroffen gemacht, weil wir Sie nun mal als Sohn eines Redaktionskollegen mit etwas anderen Augen beobachtet haben. Wie verkraften Sie das, mit 22 Jahren nicht mehr das tun zu können, was man am liebsten getan hat?

Die Zeit seit der Operation an Weihnachten vor einem Jahr habe ich ja schon in dem Bewusstsein verbracht, dass es vielleicht nichts mehr wird. Ich hatte also fast ein Jahr, mich daran zu gewöhnen. Trotzdem war es sehr belastend.  

Was war denn gesundheitlich genau los?

Ich bin vermutlich nicht ideal gebaut für einen Fußballer. Aber vor allem war es der Verschleiß über viele Jahre Leistungssport. Ich hatte plötzlich immer wieder muskuläre Probleme, Nervenbahnen waren abgedrückt. Es hat lange gedauert, bis die Ärzte eine klare Diagnose stellen konnten. Am Ende kam heraus, dass die Hüfte schuld war und es zumindest eine sehr langwierige Sache würde.

Und vom einen Tag auf den anderen war dann der Traum vorüber…

Geplatzt! Fußballprofi war mein Traum, und er wurde ja auch Realität. Wird man dann berufsunfähig, ist das hart. Das geht doch jedem so, der seinen Beruf, den er liebt, nicht mehr ausüben kann. Ich möchte das gar nicht auf Fußball oder Sport beschränken. Für mich jedenfalls brach eine Welt zusammen.

Sie haben ja noch ein Dreivierteljahr voller Hoffnung eine Reha durchgezogen. Haben Sie da eigentlich jemals wirklich Hoffnung gehabt auf eine Rückkehr?

Wenn ich diese Hoffnung nicht gehabt hätte, dann hätte ich das nicht durchziehen können. Ich habe 110 Prozent gegeben, alleine um mir nachher nichts vorwerfen zu müssen. Es gab mehr schlechte Tage als gute. Aber ich habe bis zum letzten Tag, an dem ich mit den Ärzten die Entscheidung zum Karriereende traf, alles versucht.

Sie werden aber wieder richtig Sport treiben können?

Ja, anders kann ich nicht leben. Ich brauche seit Kindertagen viel Bewegung. Fitnesstraining geht sowieso. Aber ich will auch irgendwann wieder just for fun Fußball spielen können. Das Gras, der Ball – das fehlt mir einfach.

Sind Sie mental so klar im Kopf und so weit, dass Sie für sich sagen können: Profifußball, das war es jetzt?

Das habe ich ja nicht im Kopf beschlossen. Meine Hüfte hat das für mich entschieden. Von daher kann ich sagen, es lag nicht unbedingt an meinem Können. Nun fange ich quasi wieder bei Null an, bin einer von vielen, der einfach studiert. Das ist mir alles klar, und ich weiß, dass ich mich wieder von vorne durchkämpfen muss. Doch ich bin ganz zuversichtlich: Wenn ich es im Fußballgeschäft geschafft habe, dann wird es auch anderswo klappen.

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Sie haben ins Profidasein reingeschnuppert. Wie ist das gewesen? War es so hart, wie man oft sagt?

Man verspürt extrem viel Druck, wenn man spielt und Leistung bringen muss. Aber den haben doch andere auch, das ist eigentlich überall so. Für mich war Fußballprofi der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Ich hätte es gerne noch viele Jahre lang gemacht.

Sitzen Sie nun in der Vorlesung und denken manchmal daran: Mensch, eigentlich wäre ich jetzt auf dem Trainingsplatz? Braucht man vielleicht auch professionelle Hilfe, um ein derartiges Kapitel abzuschließen? Sie sind ja noch so jung.

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