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Im Gespräch: Michael Skibbe „Die Eintracht entwickelt sich nicht weiter“

11.01.2010 ·  Einmal mehr macht der Coach keinen Hehl aus seinem Frust über die Bedingungen, die sich ihm in Frankfurt bieten. Seine neueste Klage gipfelt in einer indirekten Rücktrittsdrohung.

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Trainer Michael Skibbe macht einmal mehr keinen Hehl aus dem Frust über die Bedingungen, die sich ihm derzeit bei Eintracht Frankfurt bieten. Seine neueste Klage zum Abschluss des Trainingslagers in Belek. gipfelte in einer indirekten Rücktrittsdrohung.

Michael Skibbe, das Trainingslager in der Türkei neigt sich dem Ende zu. Wie sieht Ihr Fazit aus?

Ich bin mit der Trainingsleistung der Mannschaft sehr einverstanden. Ich denke, dass wir gut vorbereitet in die Rückrunde gehen können. Ich mache mir aber trotzdem große Sorgen, was die Besetzung des Kaders angeht. Wir wissen nicht, wann Martin Fenin zurückkommt. Bei Ioannis Amanatidis wissen wir, dass er sehr spät zurückkommen wird. Im Offensivbereich sind wir zu dünn besetzt. Dazu kommt noch, dass wir jetzt auch im Mittelfeld ausgedünnt sind. Der Verlust von Zlatan Bajramovic, der höchstwahrscheinlich bis zum Saisonende ausfallen wird, wiegt natürlich auch schwer. Dass Aleksandar Vasoski bis zum Saisonschluss ausfallen wird, wiegt doppelt schwer, weil wir dadurch Chris wahrscheinlich nicht für das Mittelfeld freibekommen. Dementsprechend macht der Verlust von Markus Steinhöfer, der zum 1. FC Kaiserslautern gegangen ist, die Sache noch komplizierter. Wir gehen sehr gehandicapt in die Rückrunde.

War es demnach im Nachhinein ein Fehler, Steinhöfer gehen zu lassen?

Wenn man unsere Saisonziele sieht, dann ist der Verlust eines guten Spielers nicht gut. Steinhöfers Einsatzzeiten in der Hinrunde waren aber nicht so groß. Dann ist es für die Entwicklung des Spielers gut, wenn er woanders spielen kann. Spieler können sich immer verletzen, und dass Bajramovic so lange ausfällt, war vor zwei Wochen noch nicht absehbar.

Sie gehen nicht mehr davon aus, dass bis zum Ende der Transferperiode noch ein neuer Stürmer kommt?

Nein. Alles, was jetzt kommt, ist auf den letzten Drücker über eine DVD vom Spielerberater zugeworfen. Das ist nichts, was in irgendeiner Weise Substanz haben kann. Wir müssen einfach damit leben, dass wir als Eintracht Frankfurt nicht die Möglichkeit haben, uns weiterzuentwickeln, sondern auf dem Punkt verharren, auf dem wir jetzt mit der Mannschaft angekommen sind. Das macht eine perspektivische Entwicklung unglaublich schwer.

Um einen Namen zu nennen: Was ist denn mit Altintop, den Schalke 04 unbedingt loswerden möchte?

Für Eintracht Frankfurt ist kein guter Stürmer finanzierbar. Man darf das aber nicht als Kritik an meinen Spielern verstehen, die sich alle unglaublich bemühen. Im Rahmen unserer sportlichen Möglichkeiten haben wir eine ordentliche Hinrunde hingelegt. Aber der Substanzverlust ist einfach zu groß, um dauerhaft guten Fußball zu spielen. Wir sind jetzt absolut an eine Grenze gestoßen, die wir leider mit unserem Verein nicht überspringen können. Und durch mehr Training ist nicht mehr rauszuholen.

Das hört sich sehr resignierend an.

Nein, das ist nicht resignierend. Das ist der Status quo. Aber man muss es schon so ausdrücken: Das ist eine Situation, in der Eintracht Frankfurt nicht in der Lage ist sich weiterzuentwickeln. Wenn wichtige Leute wie jetzt ausfallen und beispielsweise auch noch Pirmin Schwegler oder Chris fehlen würden, ist eine Kompensation nicht machbar. Es ist nicht möglich, eine perspektivische Entwicklung der Mannschaft aufzuzeigen.

Herr Skibbe, Sie haben mehrmals betont, gerne Trainer bei Eintracht Frankfurt zu sein. Fragen wir mal provokativ: Wenn es so weitergeht, machen Sie dann Schluss im Sommer?

Ich bin auf jeden Fall bemüht, auch mich sportlich zu verbessern. Es ist wichtig für mich, dass der Verein, der von mir trainiert wird, mit mir eine sportliche Entwicklung gehen möchte.

Warten Sie nun ab, was für Planungen für den Sommer laufen, falls es in diesem Winter, wie anzunehmen ist, nichts mehr mit Verstärkungen wird?

Sportliche Entwicklungen und sportliche Veränderungen müssen sein. Dieser Status quo ist für einen Trainer lange nicht haltbar. Und die vielen Verletzungen und Perspektiven, die damit zusammenhängen, machen es für die kommende Saison nicht besser. Man kann nicht davon ausgehen, dass Amanatidis, Vasoski und Bajramovic nächste Saison jeweils dreißig, vierunddreißig Spiele machen.

Noch einmal nachgefragt: Was machen Sie?

Ich habe einen Vertrag bei der Eintracht. Ich habe ein Interesse daran, die Mannschaft tagtäglich weiterzuentwickeln. Aber diese Weiterentwicklung ist im Moment nur schwer möglich.

Haben Sie das Gefühl, dass der Vorstand um Manager Heribert Bruchhagen aktuell nicht alles getan hat, um Verstärkungen zu holen?

Heribert Bruchhagen hat alles dazu gesagt, was zu sagen ist. Eine sportliche Entwicklung des Kaders ist nicht wirklich machbar.

Es hört sich so an, als ob Sie nicht mehr lange Trainer von Eintracht Frankfurt sein werden.

Ich stehe für Veränderungen, auch in der Spielweise der Mannschaft. Die möchte ich vorantreiben. Dafür brauche ich jegliche Unterstützung von allen Seiten. Wir haben in dieser Hinrunde sehr häufig an unserer Leistungsgrenze gespielt. Das Saisonziel, das wir vor dem Start ausgegeben hatten, habe ich damals für realistisch gehalten. Wir konnten ja auf eine gute Anzahl von guten Bundesligaspielern zurückgreifen. Nach den vielen Ausfällen aber sind diese Ziele nur schwerlich zu erreichen. Wir können froh sein, dass wir 24 Punkte haben.

Ist es vielleicht ein Problem, dass Sie schon 24 Punkte haben? Bei 17 oder 18 hätten Sie vielleicht Gekas oder Djebbour bekommen?

Ja, das mag sein. Aber für den Vorstand hat die weitere wirtschaftliche Konsolidierung oberste Priorität.

Nervt Sie das?

Ich arbeite gerne mit der Mannschaft. Die Jungs sind mit Feuereifer dabei, und besonders freue ich mich auch für einen wie Marcos Alvarez. Er wird in der Rückrunde noch seine Einsätze bekommen. Wie überhaupt fast alle Spieler, die hier in der Türkei dabei gewesen sind, zum Einsatz kommen werden. Auch zukünftig muss ja mit Sperren und Verletzungen gerechnet werden.

Eine weiterhin schwierige Aufgabe für Sie und die Eintracht.

Die schwierige Aufgabe hat sich Eintracht Frankfurt gestellt, als der Klub Michael Skibbe als Trainer eingestellt hat.

Werden Sie Gastspieler Karlo Primorac wieder nach Hause schicken?

Der Junge hat gute Ansätze. Beim 0:3 gegen Karlruhe hat er in einer müden Mannschaft, die schlecht gespielt hat, noch den bemühtesten Eindruck gemacht. Ich möchte nur Spieler verpflichten, die uns sofort und auf Dauer helfen können. Dafür ist die Entwicklung von unseren Jungen wie Alvarez und Juvhel Tsoumou eigentlich zu gut. Wir werden Primorac bis zum Sommer weiter im Auge behalten. Eintracht sollte auf die bewährten Spieler setzen. Für die ist Alvarez ein Konkurrent geworden.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sofort Schluss zu machen?

Nein, natürlich nicht. Es wäre für einen Trainer nicht richtig, solche Gedanken überhaupt zu haben. Ich kann nur wiederholen, dass ich sehr gerne Trainer bei der Eintracht und dieser Mannschaft bin – und dennoch muss natürlich diese sportliche Entwicklung zu erkennen sein. Ich möchte zu Saisonbeginn nicht nur Hurra schreien. Wenn im Laufe der Saison zu erkennen ist, dass einiges von dem nicht umgesetzt werden kann, muss ich das doch rechtzeitig ansprechen.

Aufgezeichnet von Ralf Weitbrecht.

Quelle: F.A.Z.
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