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Im Gespräch: Ioannis Amanatidis „Jeder von uns spielt am Limit“

17.01.2009 ·  Eintracht-Kapitän Ioannis Amanatidis ist durchaus zufrieden mit dem, was die Mannschaft in der Hinserie gezeigt hat. Im Interview spricht er über Trainer Friedhelm Funkel, über Mitspieler Caio und seinen Stammplatz im Sturm.

Von Michael Wittershagen
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Derzeit fällt Ioannis Amanatidis wegen eines Knorpelschadens im Knie aus. Als Kapitän der Eintracht fühlt er sich dennoch verantwortlich für den Erfolg der Mannschaft. Er stellt sich schützend vor Teamkollegen und Trainer.

Würden Sie gerne weiter mit Trainer Friedhelm Funkel zusammenarbeiten?

Es spricht nichts dagegen, oder? Der Trainer ist inzwischen mehr als fünf Jahre bei der Eintracht, und in dieser Zeit wurde die Mannschaft von Jahr zu Jahr besser. Natürlich sind wir schlecht in diese Saison gestartet, aber niemand sollte vergessen, welche Spieler in dieser Zeit verletzt ausgefallen sind. Dafür kann aber der Trainer nichts. Zum Ende der Hinserie ging es bei uns aber wieder nach oben, da war die Ausbeute mit den Mitteln, die wir zur Verfügung haben, sehr gut. Wir können bisher durchaus zufrieden sein.

Ihrer Meinung nach macht der Trainer bei der Eintracht also gute Arbeit.

Die Ergebnisse sprechen doch eine eindeutige Sprache und genau dafür.

Trotzdem gibt es Kritiker im Aufsichtsrat der Eintracht, die etwa die unattraktive Spielweise der Mannschaft bemängeln.

Aber das muss nicht zwangsläufig eine Kritik am Trainer sein. Jeder von uns will besseren Fußball sehen. Auch die Zuschauer, die pfeifen, wenn wir ihnen einmal kein attraktives Spiel bieten. Das ist ganz normal. Doch selbst diese Reaktion bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass alle auf den Rängen gegen Friedhelm Funkel sind. Nicht jede Aussage muss immer den Trainer treffen.

Aber wer ist denn dann dafür verantwortlich, wie die Eintracht auftritt?

Jeder, der auf dem Platz steht. Unsere Spieler haben ihre Qualitäten vielleicht eher im kämpferischen Bereich. Das ist die Marschroute des Vereins, solche Spieler werden verpflichtet. Und jeder von ihnen spielt an seinem Limit oder versucht es zumindest. Da braucht man von niemandem zu erwarten, dass er plötzlich anfängt, attraktiv zu spielen. Das geht nicht. Dies muss man akzeptieren – oder eben lauter Zauberer holen.

Einer dieser Zauberer ist mit Caio schon gekommen. Warum hilft er der Eintracht nicht weiter?

Ich stecke nicht in seiner Haut, kenne seine Gedanken nicht. Vielleicht braucht er noch mehr Zeit zur Integration, vielleicht war es für ihn noch viel schwerer, als viele glaubten, sich an das Training in Deutschland zu gewöhnen.

Im Winter ist zudem Leonard Kweuke aus der Slowakei gekommen. Sein ehemaliger Trainer Werner Lorant meint, er sei dreimal besser als Sie. Da muss Ihnen ja angst und bange sein.

Wenn Werner Lorant die Intelligenz dort gehabt hätte, wo man sie benötigt, dann wäre er vielleicht noch Trainer in der Bundesliga. Solche Aussagen sind wenig effektiv. Für mich ist das egal, ich mache meinen Job und weiß, was ich spielen kann. Aber Leonard Kweuke, der als junger Mann nach Frankfurt kommt, wird durch solche Sätze enorm unter Druck gesetzt. Ich weiß nicht, ob ihm dadurch geholfen ist. Wenn Werner Lorant nun ein naiver, junger Mann wäre, dann könnte man so eine Aussage ja noch verstehen. Aber so habe ich dafür überhaupt kein Verständnis.

Sie fallen seit Oktober mit einem Knorpelschaden im Knie aus, seitdem überzeugen Martin Fenin und Nikos Liberopoulos im Sturm. Machen Sie sich denn keine Sorgen um Ihren Stammplatz?

Jetzt bringen Sie mich zum Lachen. Ich mache mir derzeit wirklich um vieles Gedanken, aber sicher nicht um meinen Stammplatz. Bis vor einem Monat konnte ich mich nur mit Gehhilfen bewegen, jetzt schwimme ich immerhin schon wieder und fahre Rad. Ich freue mich für die beiden und bin als Kapitän verantwortlich für unsere Mannschaft. Wenn die Eintracht erfolgreich spielt – umso besser.

Aber Ihnen muss es doch schwerfallen, den anderen bei der Arbeit nur zuschauen zu können.

Nein, ich habe mich damit abgefunden. Natürlich musste ich zu Beginn der Verletzung auch erst einmal lernen, mental mit der Situation zurechtzukommen. Jetzt geht es nur noch um Geduld. Derzeit ist der Heilungsprozess positiv, trotzdem mache ich mir keinen Druck, und ich spüre auch keinen Druck von Seiten des Vereins. Nun müssen wird abwarten, was bei der zweiten Untersuchung Ende Januar herauskommt. Ich gehe davon aus, dass ich ungefähr im März wieder im Mannschaftstraining dabei sein werde.

Haben Sie etwas gelernt in den vergangenen Wochen und Monaten?

Ich habe die kleinen Dinge wieder mehr zu schätzen gelernt. Wer gesund ist, mag nicht darüber nachdenken, wie es sich anfühlt, verletzt zu sein. Zwischendurch habe ich mich jetzt schon darüber gefreut, wieder auf meinen eigenen beiden Beinen stehen zu können.

Mit Ihrem bisher letzten Tor für die Eintracht gegen Karlsruhe haben Sie vermutlich den Job von Trainer Funkel gerettet. Hat er Ihnen dafür eigentlich mal gedankt?

Ein Trainer muss sich bei einem Spieler doch nicht bedanken, nur weil dieser ein Tor erzielt hat. Wo würden wir denn da hinkommen? Es ist doch mein Job, ordentlich zu spielen. Wenn das gelingt, bekomme ich Anerkennung, dafür werde ich bezahlt. Sicher war Friedhelm Funkel froh über diesen Treffer, aber danken muss er mir dafür nun wirklich nicht.

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