30.09.2008 · Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel über Pfiffe im Stadion, über gefühltes Vertrauen, vermeintlich kritische Sätze seines Vorgesetzten, seine Bringschuld und die nächsten schweren Gegner: Hoffenheim, Leverkusen, Bayern.
Von Marc HeinrichEintracht-Trainer Friedhelm Funkel über Pfiffe im Stadion, über gefühltes Vertrauen, vermeintlich kritische Sätze seines Vorgesetzten, seine Bringschuld und die nächsten schweren Gegner: Hoffenheim, Leverkusen, Bayern.
Beim 1:1 gegen Bielefeld wirkte Ihre Mannschaft von Beginn an verunsichert. Können Sie sich das erklären?
Ich war lange genug selbst Spieler und kann nachempfinden, was in einem vorgeht, wenn man nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt und nach sieben Minuten in Rückstand gerät. Die Platzverhältnisse waren auch wieder ganz schlecht, so dass es nicht einfach war, den guten Fußball zu spielen, wie wir uns das vorgenommen hatten. Außerdem fehlen uns wichtige Spieler, die erfahren genug sind und in schwierigen Situationen ihre Nerven besser im Griff haben.
Gegen die Arminia reichte es erst kurz vor Schluss zum Ausgleich. Wie ordnen Sie das Unentschieden ein, und was überwiegt – der Ärger über den verpassten Erfolg oder die Freude über den Punkt?
Für die Moral war der eine Zähler ganz wichtig. Er hat jedem von uns bewiesen: Für Einsatz wirst du belohnt. Jetzt können wir in Ruhe weiterarbeiten.
Die Ruhe dürfte relativ sein. Viele Fans haben schon nach wenigen Minuten, als es bei Ihrem Team nicht lief, wieder Ihren Rauswurf gefordert. Und das auch nach Abpfiff. Lässt Sie das kalt?
Ja. Natürlich ist es nicht angenehm. Ich kann die Reaktion der Fans auch nachvollziehen. Aber es belastet mich nicht, es hat auf mein Wohlbefinden keinen Einfluss.
Noch immer wartet die Eintracht trotz eines vermeintlich leichten Auftaktprogramms auf den ersten Sieg, und jetzt stehen Spiele gegen Hoffenheim, Leverkusen und Bayern bevor. Wird Ihnen da nicht angst und bange?
Nein, warum auch? Außerdem gibt es auch noch die Spiele gegen Cottbus und den KSC. Bald kehren außerdem Leistungsträger wie Chris und Amanatidis zurück. Wir haben schon oft genau dann etwas erreicht, wenn uns niemand etwas zutraute.
Ist von Amanatidis und Chris schnelle Hilfe zu erwarten?
Bei Amanatidis sieht es gar nicht mehr so schlecht aus. Er steigt vermutlich an diesem Dienstag wieder ins Mannschaftstraining ein. Dann werden wir die Belastung langsam steigern und sehen, welche Fortschritte er macht. Ich bin zuversichtlich, dass er vielleicht schon in Hoffenheim wieder im Kader ist. Chris fehlt uns leider weiterhin. Das ist ein Handicap, das wir in den Griff bekommen müssen.
Liegt die Planlosigkeit der Mannschaft allein am Fehlen der beiden Anführer?
Jein. Sie sind erfahren, abgebrüht und clever, diese Merkmale fehlen manchen der anderen Spieler noch. Aus welchen Gründen auch immer. Ein Juhvel Tsoumou ist als Sturmtalent halt noch kein Amanatidis. Kann er in seinem Alter auch noch nicht sein. Ich werde bei Amanatidis aber kein unkalkulierbares Risiko eingehen und ihn nur dann bringen, wenn er wieder restlos gesund ist. Was nutzt es uns, wenn er am Wochenende zurückkäme und sich gleich wieder verletzte. Wir haben danach noch so viele Spiele, in denen wir ihn brauchen.
Warum ist der Saisonstart nicht so verlaufen wie allgemein erwartet?
Dafür gibt es einige Erklärungen. Wichtige Spieler sind von der Europameisterschaft nicht in bestem Zustand zurückgekehrt. Andere konnten ihre Form, die sie in der Vorbereitung hatten, noch nicht abrufen. Die Neuzugänge kommen langsamer in Tritt als gewünscht. Durch diese vielen kleinen Details kommt unser Spielfluss nicht zustande. Nervosität hat sich breitgemacht – und schon steckt man in einer schwierigen Lage. Das soll aber keine Entschuldigung sein. Wir werden kämpfen, um unsere Probleme zu lösen, und ergeben uns nicht. Fakt ist: Wir brauchen schnell Erfolgserlebnisse.
Lässt sich im Training etwas ändern, damit es auch im Ernstfall besser läuft?
Das ist leichter gesagt als getan. An diesem Montag habe ich der Mannschaft zum ersten Mal seit fast drei Wochen frei gegeben. Sie sollte keinen Platz sehen und an etwas anderes denken als ständig nur an Fußball.
Sie sagten, Sie hätten in Frankfurt schon schwierigere Phasen überstanden. Welche meinten Sie da?
In der zweiten Liga hatten wir auch Niederlagenserien und sind trotzdem aufgestiegen. Wir haben in der Bundesliga gegen den Abstieg gekämpft, und als die Rückrunde schon weit fortgeschritten war, sah es nicht immer gut um uns aus, da blieben nicht mehr viele Spiele, um das Blatt zu wenden. Wir haben es aber geschafft. Jetzt sind erst fünf Spieltage rum. Die Situation ist deswegen nicht dramatisch.
Spüren Sie noch den bedingungslosen Rückhalt des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen? Vor dem Bielefeld-Spiel gab es Äußerungen von ihm, die so interpretiert wurden, dass er ein wenig von Ihnen abgerückt sein könnte.
Natürlich spüre ich den Rückhalt. Wir arbeiten seit über vier Jahren gut zusammen, das macht sich jetzt bezahlt. Es wird niemals Statements von Bundesligatrainern oder Vereinsvorständen geben, die nicht von findigen Leuten in die eine oder andere Richtung ausgelegt werden können. Das ist doch ganz normal in unserem Metier. Das Vertrauen, das ich jetzt spüre, habe ich mir erarbeitet. Heribert Bruchhagen und ich stehen zusammen wie eine Eins. Ich weiß, dass er weiß, was wir aneinander haben. Auch deswegen fühle ich mich jetzt in der Pflicht, diese Unterstützung durch Siege mit der Mannschaft zurückzuzahlen.
Was für eine Arroganz: Fans nur als Klatschvieh wichtig
Manfred Schmidt (ffm007)
- 30.09.2008, 10:49 Uhr
Das hat Funkel nicht gesagt!
Hans-Peter Olsen (Diesunddas)
- 30.09.2008, 14:29 Uhr