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Im Gespräch: Eintracht-Profi Steinhöfer „Wenn es keine Perspektiven gibt, muss ich gehen“

06.09.2009 ·  Eintracht-Profi Markus Steinhöfer darf derzeit nur im Training dem Ball nachjagen. Im Interview nimmt er zu seiner ungewohnten Rolle als Ersatzspieler bei der Frankfurter Bundesliga-Mannschaft und möglichen Konsequenzen Stellung.

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Eintracht-Fußballprofi Markus Steinhöfer darf derzeit nur im Training dem Ball nachjagen. Im Interview nimmt er zu seiner ungewohnte Rolle als Ersatzspieler bei der Frankfurter Bundesliga-Mannschaft und möglichen Konsequenzen Stellung.

Sie haben nach dem Mannschaftstraining noch einmal mehr als eine halbe Stunde Flanken und Torschüsse geübt, machen Sie das immer so?

Im Moment schon. Ich habe leider nicht die Gelegenheit zu spielen - und da muss man sich ein bisschen selbst helfen. Die Standards sind eine Stärke von mir, und daran werde ich immer weiter arbeiten. Sie können nie gut genug sein, und hoffentlich bringt es dann im Spiel mal wieder etwas.

Was können Sie denn tun, um den Trainer davon zu überzeugen, dass Sie der Richtige für die erste Elf sind?

Gut trainieren und in den Freundschaftsspielen Gas geben. Aber wir sind zurzeit so viele Spieler im Kader, das ist gerade ein ganz heikle Situation. Für mich ist das natürlich nicht zufriedenstellend. Ich habe doch letztes Jahr gezeigt, was ich kann. Warum darf ich das nun nicht einmal mehr annähernd? Ich war zweimal auf der Bank, bin aber nicht einmal eingewechselt worden. Nach der Vorbereitung habe ich schon gedacht, es könnte sein, dass ich am Anfang auf der Bank sitze. Aber dass ich gar keine Rolle spiele, damit habe ich nicht gerechnet. Der Frust ist groß.

Was ist denn schiefgelaufen in der Vorbereitung nach der guten letzten Saison?

Ich wüsste nicht, was schiefgelaufen sein könnte. Wir haben neue Leute geholt, hauptsächlich für das Mittelfeld, und da sind wir natürlich jetzt überbesetzt. Nun spielen andere Leute, die Neuen wurden ja auch nicht geholt, um auf der Bank zu sitzen.

Sind die anderen denn besser?

Das müssen Sie den Trainer fragen. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, und der Trainer muss entscheiden, welche Stärken in die Mannschaft passen. Er beobachtet und entscheidet, wen er spielen lassen will und wen nicht.

Wie hat der Trainer begründet, dass Sie nicht mehr auflaufen?

Er sagte mir, dass die Leistungen ein bisschen schwankend seien und dass ich in der Defensive ein bisschen schwächer bin als manch anderer. Das stand ja nun auch schon öfter in der Zeitung. Als es nun um den Vertreter von Patrick Ochs als Rechtsverteidiger ging, habe ich gelesen, dass mir dafür die nötige Zweikampfhärte fehlt. Dabei habe ich als Rechtsverteidiger schon in Salzburg gespielt. Ich weiß, dass ich das spielen kann. Aber auch dort musste ich Geduld haben, konnte mich erst in der Wintervorbereitung bei Trainer Giovanni Trapattoni durchsetzen und habe danach eineinhalb Jahre immer gespielt. Nur bin ich jetzt schon im dritten Jahr dabei, da ist die Situation für mich natürlich wesentlich schwieriger anzunehmen.

Mit wem sprechen Sie über die Situation?

Mit meiner Familie, meiner Freundin und meinem Berater. Jeder ist davon betroffen, jeden belastet es beinahe so wie mich. Es kann einfach auch nicht mein Anspruch sein, auf der Bank zu sitzen oder ab und an mal einen Kurzeinsatz zu bekommen.

Ist die Situation denn nicht doppelt merkwürdig? Ihre Stärken im Spiel liegen in der Offensive, das war gefragt bei Friedhelm Funkel, der auf defensiven Fußball setzte. Bei Michael Skibbe nicht, obwohl der mehr nach vorne spielen will.

Natürlich ist das schwer zu verstehen. Meine Stärken liegen in der Offensive, und wir spielen jetzt viel offensiver. Aber offensichtlich ist für mich gerade kein Platz. Unter Funkel hat Caio nie gespielt, und er ist auch ein offensiver Spieler. Manchmal kann ich wirklich nicht verstehen, warum meine Chancen so minimal sind.

Ist Caio denn stärker in der Defensive?

Das müsste auch der Trainer beantworten. Ich weiß nicht, ob Caio mehr Stärken in der Defensive hat als ich.

Wünschen Sie sich manchmal Friedhelm Funkel zurück?

Unter ihm habe ich gespielt. Aber dieses "Was wäre, wenn?" - solche Gedanken zählen nicht.

Haben Sie nach Ihrer erfolgreichen letzten Saison auf einen Bonus gehofft?

Nicht unbedingt auf einen Bonus. Aber natürlich habe ich gehofft, dass es wertgeschätzt wird, was man gemacht hat. Wir hatten eine richtig schwierige Saison, wir haben offensiv nicht so gut dagestanden und nur 39 Tore geschossen - ich war an einem Drittel direkt beteiligt. Ich dachte schon, dass das ein bisschen etwas wert wäre. Nun ist ein neuer Trainer da, und ich bin offensichtlich erst einmal außen vor. Dabei habe ich bewiesen, dass ich in der Bundesliga spielen kann. Das muss ich weiter zeigen. Ich bin jung, 23 Jahre alt und brauche Spielpraxis.

Was ist das für ein Gefühl, die oftmals schlechten Ecken und Freistöße von der Bank zu sehen - Sie haben genau dort Ihre Stärke?

Mit fällt schon auf, dass die Standardsituationen nicht optimal kommen. Dabei können diese Situationen eine richtige Waffe sein. Gerade, weil wir viele große Spieler in der Mannschaft haben. Aber wenn ich nicht auf dem Platz bin, dann kann ich auch keine Ecken oder Freistöße schießen. Die schießt jemand anderes. Wenn ich spiele, schieße ich die wieder, und dann hoffe ich, dass auch wieder Tore daraus resultieren.

Wie kann man sich den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft vorstellen - grätschen Sie den Konkurrenten auch mal ab?

Nein, das mache ich nicht. Das wäre auch ein bisschen wie im Kindergarten. Ich trete nicht gezielt irgendjemanden um. So einer bin ich nicht.

Haben Sie sich in den vergangenen Wochen verändert?

In den ersten ein, zwei Wochen war es für mich schon eine krasse Umstellung. Im Moment habe ich die Situation akzeptiert, aber ich habe mich natürlich nicht damit abgefunden. Wenn der Trainer sieht, dass ich mich reinhänge und gut arbeite, dann wird meine Chance kommen. Man darf sich nicht verrückt machen lassen.

Vielen macht das neue Gesicht der Eintracht viel Spaß, Ihnen aber nicht so, oder?

Es ist eine Euphorie in der Stadt. Wir hatten einen guten Start, ganz anders als im letzten Jahr. Natürlich macht das vielen Spaß. Mich freut es auch, wenn es dem Verein gutgeht. Wir haben auch eine gute Stimmung in der Truppe, mir macht auch das Training eine Menge Spaß. Aber ich würde auch gern wieder einmal spielen. Es ist nun das erste Mal, dass ich mal so richtig weg vom Fenster bin. Sollte sich daran nicht etwas ändern, könnte man schnell auch in Vergessenheit geraten. Wenn es für mich bei der Eintracht keine Perspektiven gibt, dann muss ich eben andere Wege gehen.

Das Gespräch führten Thomas Klemm und Michael Wittershagen.

Quelle: F.A.S.
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