18.05.2009 · Der glückliche Verbleib in der Bundesliga besänftigt die Gemüter nicht. Nach dem 0:2 in Bochum relativiert auch Vorstandsvorsitzender Bruchhagen erstmals seine Unterstützung für Eintracht-Trainer Funkel.
Von Ralf WeitbrechtPfiffe nach der Rettung. Für die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht hat das Wort zurückgepfiffen eine ganz neue Bedeutung bekommen. Als sich einige der abermals geschlagenen Fußballspieler nach dem Schlusspfiff auf den Weg zu den Fans machten, gab es laute Pfiffe und gesenkte Daumen. Der Schulterschluss, auf den die Eintracht nach dem 0:2 in Bochum mit den vielen mitgereisten Anhängern gesetzt hatte, fand nicht statt. In zurückliegenden Jahren, als man die Mission Klassenverbleib beispielsweise in Dortmund und in Bremen perfekt gemacht hatte, wurde die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel noch lautstark gefeiert. Diesmal aber, im zu Ende gehenden Fußballjahr 2008/2009, ist alles anders. Man ist zwar gerettet, doch große Freude kommt deshalb nicht auf.
Nach dem Debakel gegen Bremen, als die Eintracht am Mittwoch empfindlich 0:5 gegen Werder unterlegen war, kam es zur Entscheidung, Frankfurt den Rücken zu kehren, um sich in einem Kurztrainingslager auf das letzte Auswärtsspiel einzuschwören. Doch von guten Vorsätzen war in Bochum wenig zu sehen. Vermeintliche Führungsspieler wie Marco Russ, Michael Fink und Chris blieben blass und weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Und weil auch auf den Außenpositionen Markus Steinhöfer und Mehdi Mahdavikia nahezu wirkungslos agierten, konnte von der Eintracht an diesem Nachmittag keine Gefahr ausgehen. Die Folge: Man unterlag verdient 0:2. „Insgesamt haben wir nur acht Spiele in dieser Saison gewonnen“, klagte Ioannis Amanatidis. „Das ist sicherlich zu wenig.“ Der Kapitän und Anführer der Eintracht, erstmals seit sieben Monaten wieder für die Frankfurter in der Bundesliga am Ball, war über die Art und Weise der Darbietung reichlich bedient. „Die Mehrheit der Dinge läuft schlecht“, sagte der Grieche.
Kein klares Bekenntnis
Die Chance, mit einer couragierten, beherzten und mitreißenden Leistung Pluspunkte zu sammeln und auf ein versöhnliches Saisonende hinzuwirken, wurde in Bochum fahrlässig vertan. Funkel musste sich fast schon erwartungsgemäß wieder gegen seine Person gerichtete Rufe anhören. Und dass einige Unbeirrte sogar versuchten, dem Mannschaftsbus vor der Abfahrt aus dem Stadion den Weg zu versperren, hatte es zuletzt in dieser Deutlichkeit nach der 1:6-Pokalniederlage bei den Amateuren des VfB Stuttgart gegeben – in der Saison 2000/2001. Sportlich trug die Eintracht am 33. Spieltag wenig dazu bei, das gestörte Verhältnis zur zahlenden Kundschaft nachhaltig zu korrigieren. Funkel sieht den Tabellendreizehnten aber weiter auf Kurs. „Wir haben gute Arbeit geleistet“, sagte er nach der 16. Saisonniederlage. „Ich habe überhaupt keinen Grund, mich zu verteidigen“, meinte der 55 Jahre alte Coach – und schloss einen Rücktritt abermals aus. „Ich habe hundert Prozent Rückendeckung“, versicherte er.
Tatsächlich stärkte ihm der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen jahrelang den Rücken. In schwierigen Zeiten, so zu Beginn dieser höchst turbulent verlaufenen Saison, stand der Vorstandschef wie ein Fels in der Brandung und ließ sich in seiner Entscheidungsgewalt nicht beeinflussen. Auch jetzt, sagte Bruchhagen in Bochum, wolle man sich nicht von außen vorschreiben lassen, was zu tun sei. „Wir haben in der richtigen Phase die Vertragsverlängerung mit Herrn Funkel vorgenommen. Wir handeln nach den Gesetzen der Bundesliga. Wir handeln mit Augenmaß und lassen uns in Entscheidungen nicht hineintreiben.“ Zu einem klaren Bekenntnis pro Funkel wollte sich Bruchhagen nicht durchringen. Erst nach dem letzten Spieltag sei der Zeitpunkt gekommen, um „besonnen nachzudenken, was für die Eintracht das Richtige ist“.
Bilanz ziehen
Klassenverbleib. Weder Funkel noch Bruchhagen haben daran gezweifelt, dass die Mannschaft dies nicht erreichen würde. „Nie waren wir in akute Abstiegsgefahr geraten“, sagte Funkel. Und Bruchhagen erneuerte seine schon am 18. April gefällte Meinung, „dass ich seit unserem Sieg gegen Gladbach fest vom Klassenerhalt ausgegangen bin“. Fünf Spiele hat die Eintracht seitdem absolviert, viermal wurde verloren. In Bochum hätte diese sportlich ernüchternde Bilanz durchbrochen werden können, denn Kapitän Amanatidis hat schon recht, „dass wir eigentlich besser sind als der VfL“. Doch im Endspurt der Liga läuft bei der Eintracht manches aus dem Ruder. Verständlich, dass Bruchhagen eine „hochkonzentrierte Leistung“ im noch ausstehenden Heimspiel gegen den HSV fordert. „Wir haben die Verpflichtung, die Saison professionell abzuschließen.“ Zwei Tage später, so die Planung, kommt der Aufsichtsrat zusammen, um Bilanz zu ziehen. Es dürfte eine spannende Veranstaltung werden.
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