Und sie bewegen sich doch. Rechtzeitig vor dem Ende der winterlichen Transferperiode hat Michael Skibbe endlich seinen stürmisch geforderten Angreifer bekommen. Dass ab sofort der Schalker Halil Altintop für den erstklassigen Rivalen Eintracht Frankfurt Tore schießen soll, ist zugleich das Ende eines vor allem in der Öffentlichkeit ausgetragenen Dialogs zwischen Trainer Skibbe und Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Immer wieder hatte der forsche, ambitionierte und selbstbewusste Skibbe lautstark Verstärkungen gefordert. „Schließlich bin ich hier in Frankfurt Trainer geworden, um die Mannschaft weiterzuentwickeln.“
Zuletzt geschah es im Wintertrainingslager in Belek an der türkischen Riviera, dass Skibbe abermals in die Offensive ging. „Eintracht Frankfurt kann sich keinen guten Stürmer leisten“, klagte er. Nun aber ist einer da: der 27 Jahre alte Altintop, 32maliger türkischer Nationalspieler, 2006 Bundesliga-Torschützenkönig. Kurios: Wie schon in seiner Hoch-Zeit auf dem Kaiserslauterer Betzenberg ist dies schon das zweite Mal, dass Altintop für Ioannis Amanatidis einspringt.
Damals hatte Altintop die Nachfolge des Griechen angetreten, der vom FCK zur Eintracht gewechselt war. Aktuell steht Amanatidis den Frankfurtern wegen eines Knieschadens ebenso wenig zur Verfügung wie Sturmkollege Martin Fenin. Skibbe hatte zwar aus der angreifenden Not eine Tugend gemacht und mit dem 34 Jahre alten Griechen Nikos Liberopoulos sowie dem vom Mittelfeldspieler zum Stürmer umfunktionierten Alexander Meier eine bislang beachtliche Tugend gemacht. Doch nicht nur Skibbe wusste: Ideallösungen sehen anders aus.
Ein Stürmer gefunden, ein Torwart auf dem Absprung
Nun also Altintop. Nach Skibbes fehlgeschlagenen Bemühungen, erst den Brasilianer Lincoln, dann den Griechen Theofanis Gekas und vor kurzem den Algerier Rafik Djebbour für ein Engagement bei der Eintracht zu begeistern, ist nun der offensichtliche Favorit da, „von dem wir immer in den letzten Monaten gesprochen haben“, sagte der 44 Jahre alte Fußballlehrer am Donnerstag. Schon seit Jugendzeiten kennen und schätzen sich Skibbe und Altintop. „Ein einziges Telefongespräch mit ihm hat mir gereicht“, sagte Altintop. Er brauchte nicht mehr überzeugt zu werden, „um einen Neuanfang in Frankfurt zu starten. Ich sehe sehr gute Perspektiven“, sagte der Stürmer mit der deutsch-türkischen Doppelstaatsbürgerschaft. „Für mich und für die Eintracht. Ich kann es kaum erwarten.“
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Förderer und Impulsgeber Skibbe den auf Schalke unzufriedenen und nicht mehr beachteten Altintop schon an diesem Samstag im Heimspiel gegen Köln von Beginn an einsetzt. Mehr noch: Skibbe erwägt sogar, „ob wir wegen Halil unser System abändern können oder wollen“. Schließlich sei Altintop für ihn „komplett in seinen stürmischen Qualitäten“.
Stürmisch – das ist es überhaupt rund um die Eintracht in diesen Tagen gewesen. Torwart-Dinosaurier Oka Nikolov, seit 1991 schon bei der Eintracht zwischen den Pfosten, zieht es über den Atlantik. Der bodenständige Odenwälder, angelockt von einer neuen sportlichen Herausforderung und wohl auch einer neuer Währung, will Ende März das Abenteuer in der amerikanischen Major League Soccer angehen. Red Bull New York, millionenschwer unterstützt vom Getränke-Milliardär Dietrich Mateschitz, könnte aber nur dann für Nikolov eine neue Heimat werden, wenn Bruchhagen ihm die Freigabe erteilt. Doch der Vorstandschef spielt auf Zeit und will erst warten, wie sich die Torhütersituation der Eintracht im März darstellt. „Wir würden ja die letzten acht Saisonspiele auf Nikolov verzichten müssen.“
Preuß hat das Ende seiner Karriere als Fußballprofi verkündet
Überhaupt keine sportliche Rolle bei den aktuell bis auf Tabellenposition sieben gekletterten Frankfurtern spielt Christoph Preuß. Der 28 Jahre alte Hesse ist der Pechvogel mit der größten, kaum zu glaubenden Leidensgeschichte. Insgesamt viermal schon wurde der variable Defensivallrounder am Knie operiert. Nun ist wieder der Außenmeniskus angerissen. Die schmerzliche Folge: Preuß hat am Donnerstag offiziell das Ende seiner Karriere als Fußballprofi verkündet.
Bruchhagen, der neben ihm auf dem Podium saß, hatte Tränen in den Augen. „Christoph hat unmenschliche Belastungen auf sich genommen“, sagte der mitgenommene Manager. „Eine nochmalige Operation, um wieder in der Bundesliga Fußball zu spielen, wäre nicht vertretbar gewesen.“ Preuß selbst machte am Tiefpunkt seiner Karriere einen gefassten Eindruck. „Ich wusste, dass das Knie sehr vorgeschädigt ist. Ich war vorbereitet.“
Die Eintracht im Winter 2010: Ein Torwart ist auf dem Absprung, ein Stürmer ist endlich gefunden, und eine hochgeschätzte „Integrationsfigur“ (Skibbe über Preuß) gibt auf. Turbulenzen mit Tiefgang.
Man wundert sich, warum die Eintracht nicht ganz oben mitspielt
Manfred Schmidt (ffm007)
- 31.01.2010, 11:23 Uhr

