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Finanzmarkt Lassen Sie sich von der Wall Street nicht den Schlaf rauben

23.02.2004 ·  Sind Sie wegen der Folgen absehbarer höherer Zinsen beunruhigt? Entspannen Sie sich und denken Sie daran, was Warren Buffet sagt: Letztlich zählt die langfristige Perspektive, so Chris Farell von Businessweek Online.

Von Christopher Farrell, Businessweek Online
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Beginnen wir einmal mit einem kleinen Quiz. Bitte beantworten Sie die folgenden Fragen mit Ja oder Nein:

1) Erhöht ein starkes Wachstum die Inflationsrate?

2) Vermindert sich durch ein verlangsamtes Wachstum der Inflationsdruck?

3) Wird durch eine restriktive Geldpolitik das Wirtschaftswachstum gebremst?

4) Erhöhen sich durch eine scharfe Geldpolitik die Zinsraten?

Für die meisten Marktteilnehmer lautet die Antwort auf alle vier Fragen Ja - für alle anderen nicht unbedingt. Denken Sie an die vielen Geschichten über eine bevorstehende Marktkorrektur, die Sie in der jüngsten Zeit gelesen oder gehört haben. Typischerweise hört sich solch eine Story folgendermaßen an: Die Anleger haben den Markt in unhaltbare Höhen getrieben, vielleicht sogar so hoch, daß eine weitere Investitionsblase im Entstehen sein könnte. Die Federal Reserve wird die Zinsraten erhöhen, sobald sie davon überzeugt ist, daß die Wirtschaft stark genug ist, um in einem ausreichend hohen Maße neue Stellen zu schaffen. Ein rapides Beschäftigungswachstum sowie eine fallende Arbeitslosenrate werden den Inflationsdruck abermals erhöhen. Eine durch die Fed initiierte Zinserhöhung wird sich in niedrigeren Unternehmensgewinnen niederschlagen. Der Aktienmarkt wird fallen.

Nun, wären Sie ein Wall-Street-Händler, der auf die Minute, die Stunde und den Tag genau Aktien kaufen und verkaufen muß, würde Sie dieses recht wahrscheinliche Szenario sicherlich Nerven kosten und Ihnen vielleicht als drohende Gefahr erscheinen. Hinzu kommt, daß die Anmerkung, jede Marktreaktion würde gedämpft, da die Wall Street eine Erhöhung der Zinsraten durch die Fed in den Markt einpreist, wahrscheinlich falsch ist. Der Future-Markt sagt uns voraus, daß der erste Zinsschritt nach oben im August-Treffen des Offenmarktausschusses der Fed beschlossen werden dürfte. Danach könnte die Fed die Zinssätze noch mehrere Male anheben. Die Unsicherheit, wie viele Zinsschritte nun genau bevorstehen, würde die Investoren jedoch beunruhigen.

Verkaufsoptionen

Die Erhöhung der Marktraten könnte deutlicher ausfallen als erwartet, falls die Kreditnachfrage der Unternehmen und des Staates zur gleichen Zeit zulegt. Die Haushalte, Unternehmen und die amerikanische Regierung sind in einem hohen Maße verschuldet. Die Sorge, daß es bei weiter steigenden Raten zu einer Verschuldungsimplosion kommen könnte, ist zunehmend berechtigt. Bezieht man die heutigen Rekordhöhen der bestehenden Tilgungspflichten und Schuldverschreibungen in die Überlegungen mit ein, könnten die Investoren weitaus negativer reagieren, als es einen die Erfahrungen aus vergangenen Konjunkturzyklen glauben lassen. „Allein aus diesem Grund sollten wir mit einer Erhöhung der kurzfristigen Zinsraten um 'lediglich' einen halben Prozentpunkt zufrieden sein“, meint David Rosenberg, Chef-Volkswirt bei Merril Lynch & Co.

Nach wie vor sollte jeder außer den Wall-Street-Händlern über eine Zinserhöhung durch die Fed jubeln - und sein Portfolio einfach in Ruhe lassen. Denn sollte tatsächlich all das eintreffen, was die Wall Street nach einer Marktkorrektur durch eine Zinserhöhung der Fed erwartet, gibt es darauf nur eine richtige Antwort: Wiederholen Sie immer wieder das berühmte Brooklyn-Mantra: Fuggedaboudit ! (Vergessen Sie's!)

Mit diesem Satz endete auch ein bedeutendes Essay, das vor einigen Jahren von Laurence Siegel, Director of Policy Research in der Investment-Abteilung der Ford Foundation, und Paul Kaplan, Chef-Volkswirt bei Ibbotson Associates, verfaßt worden ist. Der Titel dieses Essays lautete “Good and Bad Monetary Economics, and Why Investors Need to Know the Difference“. Es ist erstmals im Investment Policy Magazine erschienen (zu finden unter http://www.investmentpolicy.com/web, Stichwort Monetary Economics, oder direkt unter http://www.clubcyrus.com/ipm/pdf/7036/031-040.pdf).

Ein stabiles Engagement

Investoren, deren Zeithorizont über mehrere Monate hinausgeht, sollten längst erkannt haben, daß ein starkes Wirtschaftswachstum und eine niedrige Arbeitslosenrate für die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne prinzipiell gute Nachrichten sind - und nicht wirklich etwas über die künftige Inflationsentwicklung aussagen. Ein schnelles Wachstum verursacht keine Inflationssteigerung, eine niedrige Arbeitslosenrate auch nicht.

Betrachten wir es doch einmal von dieser Seite: Wie könnten mehr Leute, die arbeiten und ein Gehalt beziehen, dafür verantwortlich sein, daß eine Währung abgewertet wird? Das ist unmöglich. Nein, zu einer höheren Inflationsrate könnte lediglich führen, daß sich die Fed dazu entschließt, weiterhin eine lockere Geldpolitik zu betreiben - beispielsweise um eine Wiederwahl von George Bush zu unterstützen. Eine andere Möglichkeit wäre der Versuch, die Zinsraten künstlich auf einem niedrigen Niveau zu halten, um für die Hochverschuldeten in Amerika den Tag der Abrechnung hinauszuzögern.

Fakt ist: Eine Anhebung der Leitzinsen durch die Fed verrät dem Markt lediglich, daß die Zentralbank auch weiterhin an einer Preisstabilität festhält. In der Tat dürfte dieses Signal eher psychologischer als realer Natur sein. Der bevorzugte Inflationsindikator von Greenspan - der Konsumdeflator - ist auf Jahresbasis um gerade einmal 0,7 Prozent gestiegen. Die Investoren verlangen dennoch nach einer verläßlichen Rückversicherung, daß die Fed auf eine mögliche Inflationssteigerung ein wachsames Auge hält.

Stimmungsschwankungen: Mr. Market ist ein Neurotiker

Falls Sie das alles noch nicht überzeugt hat, denken Sie an Warren Buffett, den erfolgreichsten Investor der vergangenen fünfzig Jahre. Hinsichtlich der Möglichkeit einer Marktkorrektur würde er nur zwei Worte verlieren: einfach ignorieren. Lassen Sie sich von Mr. Market nicht vorschreiben, was Sie mit Ihrem Geld anstellen sollen. Buffett hat wiederholt gewarnt: Mr. Market ist ein Neurotiker. Er leidet unter dramatischen Stimmungsschwankungen. Einen Tag ist er depressiv, am nächsten Tag ist er euphorisch. Versucht man, mit Mr. Market Schritt zu halten, verliert man viel zu leicht sein Geld. Einzig die Menschen, die an der Wall Street oder anderen Börsen arbeiten, verdienen an Ihren zahlreichen Ordern.

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