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Fall Funkel: Eine Umfrage Wo guter Rat teuer ist

15.01.2009 ·  Es heißt, der Aufsichtsrat sperre sich gegen Funkels Vertragsverlängerung als Trainer. Es heißt weiter, Funkel würde gerne verlängern, und Vorstandsvorsitzender Bruchhagen stärke ihm den Rücken. Jetzt antwortet der Aufsichtsrat - inoffiziell. Und alles scheint wieder offen.

Von Marc Heinrich und Uwe Marx
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Zuletzt war viel die Rede vom Aufsichtsrat der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Viel gehört hat man von ihm allerdings nicht. Mal abgesehen vom Vorsitzenden Herbert Becker, der die Bundesligamannschaft sogar ins Trainingslager nach Portugal begleitet hat, treten die anderen Mitglieder des neunköpfigen Kontrollgremiums kaum in Erscheinung. Dabei ist die Stimmungslage gerade jetzt interessant, gilt der Aufsichtsrat doch als Quelle des Misstrauens gegenüber Trainer Friedhelm Funkel und der Opposition, was die Vertragsverlängerung mit ihm betrifft. Die Konstellation stellte sich zuletzt so dar: Funkel will bleiben und vom Sommer an in sein sechstes Jahr bei der Eintracht gehen. Heribert Bruchhagen, der Vorsitzende des Vorstands, will mit seinem Fußballbruder im Geiste verlängern – nur der Aufsichtsrat stellt sich quer.

Es wurde vermutet, er wolle frischen Wind auf der Trainerbank und nach viereinhalb Jahren mit Funkel ein neues Gesicht. So gesagt hat das öffentlich keiner. Der Graben aber schien ziemlich genau zwischen Vorstand und Aufsichtsrat zu liegen. Inzwischen soll der Vorsitzende einen Vorstandsbeschluss, also einen Vorschlag über Laufzeit, Gehalt und andere Konditionen, bis Dienstag nächster Woche anstreben. Das könnte den Entscheidungsdruck erhöhen und verhindern, dass der Trainer nur an den ersten Spielen der Rückrunde gemessen wird und seine Zukunft von den Ergebnissen in zwei, drei Spielen abhängt. Würde Funkels Vertragsverlängerung scheitern, wäre nicht nur er, sondern auch Bruchhagen schwer beschädigt. Umso interessanter, was Mitglieder des Aufsichtsrats zum „Fall Funkel“ zu sagen haben:

Achim Vandreike: „Halte nichts davon, Einzelheiten auszubreiten“

„Das meinen Sie doch nicht im Ernst, dass ich mit Ihnen jetzt über die Personalie Funkel spreche, oder? Im Aufsichtsrat ist fest vereinbart, dass wir mit einer Stimme sprechen, und diese Rolle hat Herbert Becker übernommen. An diese Maßgabe halte ich mich selbstverständlich.

Ich kann nachvollziehen, dass es für so manchen von Interesse sein könnte, alles im Detail aufbereitet zu bekommen, doch ich halte überhaupt nichts davon, alle Einzelheiten in diesen Tagen in der Öffentlichkeit auszubreiten.“

Reinhard Gödel: „Kein Dissens bei Vorstand und Aufsichtsrat

„Das ist nicht mein Thema, solange der Vorstand um Heribert Bruchhagen keinen Vorstandsbeschluss zu diesem Thema auf den Tisch gelegt hat. Und dem werde ich sicher nicht vorgreifen. Natürlich, wenn Bruchhagen uns einen Vertrag mit Funkel vorlegen würde, in dem ein Gehalt von fünf Millionen Euro steht, dann würde ich erst mal fragen, ob das überhaupt geht. Aber davon kann ja keine Rede sein.

Ich sehe auch überhaupt keinen Dissens zwischen Vorstand und Aufsichtsrat, so wie das zuletzt von einigen Seiten dargestellt und zum Thema gemacht wurde. Mal abgesehen davon, gibt es noch gar keinen Termin für eine Aufsichtsratssitzung, bei der über einen Beschluss des Vorstands entschieden werden könnte – aber das wäre natürlich auch kurzfristig zu organisieren.“

Peter Fischer: „Ich weiß nicht, wo die Hast herkommen soll

„Dazu sage ich nichts, ich bin im Urlaub in Thailand, das muss jeder verstehen. Ich bekomme hier allenfalls Vibrationen des Themas mit. Danach bin ich noch in Südamerika und erst Ende Januar wieder zurück. Aber meine Kollegen aus dem Aufsichtsrat werden mich sicher telefonisch auf dem Laufenden halten.

Ich weiß auch gar nicht, wo die Hast herkommen soll. Mich hat noch keiner nach einem Termin gefragt, also hat es wohl noch Zeit. Auch die anderen Mitglieder des Aufsichtsrats haben Verpflichtungen und Termine, da werden wir so schnell nicht zusammenkommen können. Ich kann mir vorstellen, dass es in der Woche vor dem ersten Spiel der Rückrunde so weit sein wird. Aber meine Meinung in dieser Sache ist ganz klar und ja ohnehin bekannt, der Trainer, der Vorstand, alle kennen sie.“

Hans Herrmann Reschke: „Man kann Funkel nur dankbar sein“

„Ob Funkel bleiben soll oder nicht, das ist eine Frage, die der Vorstand zu entscheiden hat. Erst danach beschließt der Aufsichtsrat. Ich gehe davon aus, dass Heribert Bruchhagen die Entscheidung des Vorstands wie üblich gut begründen wird. Eine Bitte um Genehmigung aber gibt es noch nicht. Das mag man bedauern oder auch nicht.

Eine Meinung zu diesem Thema kann ich noch nicht haben, weil ich die Gründe für die Meinung des Vorstands nicht kenne. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Aufsichtsrat eine gut begründete Vorstellung des Vorstands in der Luft zerreißen würde. Herr Funkel kann man grundsätzlich nur dafür loben und dankbar sein, was er hier in den vergangenen Jahren geleistet hat.“

Bernd Ehinger: „Es liegt nichts vor für eine Abstimmung

„Ich verstehe die ganze Aufregung nicht ganz. Und auch nicht, woher plötzlich dieser Zeitdruck gekommen ist. Der Vorstand führt in der Eintracht Frankfurt Fußball AG die Geschäfte und muss auch in diesem Fall dem Aufsichtsrat seine Vorhaben präsentieren. Das ist ein ganz üblicher Vorgang.

Noch liegt aber nichts vor, worüber wir hätten abstimmen können. Wir haben keine Zahlen oder sonstige Konditionen gesehen, die in Zusammenhang mit einer Vertragsverlängerung von Funkel zu diskutieren wären. Deswegen beteilige ich mich auch nicht an Spekulationen.“

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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