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Eintracht vor der Rückrunde Im Schatten des Duells an der Spitze

12.01.2010 ·  Nach der Generalkritik des Eintracht-Trainers: Michael Skibbe muss sich beim Vorstand erklären – und seine Mannschaft sortiert sich vor dem ersten Spiel nach der kurzen Winterpause gegen Werner Bremen.

Von Ralf Weitbrecht, Belek
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Diesmal könnte es wirklich brenzlig werden. Wenn sich an diesem Dienstag der Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG von 10 Uhr an zu einer Sitzung trifft, wird auch Michael Skibbe anwesend sein. Der Trainer der Frankfurter Eintracht, der am Sonntag in einer Journalistenrunde im Mannschaftsquartier in Belek zu einem abermaligen verbalen Rundumschlag angesetzt hatte, hat von Vorstandschef Heribert Bruchhagen eine entsprechende Einladung erhalten und wird sich den kritischen Fragen seiner Vorgesetzten stellen müssen.

Am Montag, unmittelbar vor der Abreise aus dem türkischen Wintertrainingslager in Belek, sagte Skibbe, „dass ich keine besonderen Erwartungen an dieses Gespräch habe. Ich werde nochmals meinen Standpunkt deutlich machen. Ich habe ja keine Kritik am System Eintracht Frankfurt oder an den handelnden Personen geäußert.“ Konsequenzen erwartet der 44 Jahre alte Fußballlehrer nicht. „Ich werde definitiv nicht zurücktreten. Die Eintracht ist mir sehr ans Herz gewachsen. Meinen Vertrag bis 2011 gedenke ich zu erfüllen.“ Bruchhagen ließ vorab von der Heimat aus mitteilen, „dass ich kein Verständnis für seine provokativen Aussagen habe, die er immer wieder in der Öffentlichkeit macht.“ Der Vorstandschef weiter: „Das nervt.“

Der Trainer im Cockpit

Entspannter ging es am Montag auf dem Rückflug der Eintracht nach Frankfurt zu. Dabei verfolgte der Trainer der Eintracht, als sich seine Mannschaft um 14.15 Uhr auf den Rückflug von Antalya an den Main begab, die Reise über den Wolken vom Cockpit aus. Die beiden Flugkapitäne, am Samstag bei der 0:3-Testspielniederlage gegen den Karlsruher SC aufmerksame Zuschauer, hatten Skibbe nach dem sportlichen Tiefschlag gegen die Badener die Einladung gemacht. Bevor dieser und mit ihm der Rest der Eintracht-Delegation in die Luft ging, um am frühen Abend im frostigen Frankfurt zu landen, wurde ein letztes Mal für längere Zeit unter besten klimatischen Bedingungen im Winter 2010 trainiert.

Die allgemeine Bilanz der sieben Tage von Belek, gewürzt mit einem souveränen 5:1 gegen Rot-Weiß Oberhausen sowie einem ernüchternden 0:3 gegen den KSC, ist in der Summe positiver als das, was Skibbe in seiner Generalkritik am Sonntag im Mannschaftshotel bei einer Tasse Cappuccino von sich gegeben hat. Fünf Tage bleiben noch bis zum Rückrundenstart gegen Werder Bremen. Skibbes Mannschaft bleiben also nur noch wenige Übungseinheiten in der kalten Heimat, um sich auf den Vergleich mit den Hanseaten einzustimmen. Der sportliche Zustand der Eintracht – zuletzt durch die Offensive des Trainers in den Hintergrund geraten – sieht wie folgt aus:

Abwehr

Torwart Oka Nikolov ist und bleibt unumstritten. Er hat seine Spitzenposition verteidigt. Erfreulich für Widersacher Markus Pröll: Der lange Zeit an der Schulter verletzte Schlussmann ist schneller als erwartet gesund geworden. Die offizielle Berufung steht zwar noch aus, doch nach den gezeigten Leistungen in Belek führt an Pröll als zweiter Kraft kein Weg vorbei. Offener ist die Besetzung des rechten Außenverteidigerpostens. Maik Franz oder Sebastian Jung? Davon hängt auch ab, welches Pärchen in der Innenverteidigung Dienst versehen darf. Geht es nach aktuellem Leistungsstand, müsste Franz in die Mitte an die Seite von Chris rücken - und Marco Russ ganz aus der Mannschaft rotieren.

Der wegen Krankheit später in die Türkei nachgereiste Abwehrmann ist derzeit weit von alter Form entfernt. Um seinen Stammplatz zu behalten, muss sich Russ bis Samstag sputen. Dafür braucht sich Christoph Spycher um seinen Platz nicht zu sorgen. Der Kapitän ist als Linksverteidiger konkurrenzlos. Die Überraschung der Trainingstage von Belek: Christoph Preuß ist wieder da. Der langjährige Pechvogel der Eintracht, immer wieder heimgesucht von diversen Verletzungen und Rückschlägen, hat zwei vielversprechende Testspiele als Innenverteidiger absolviert. Sollten weitere Ausfälle oder Sperren drohen, wäre Preuß ein erstklassiger Ersatzkandidat.

Das Mittelfeld

Wirbler Patrick Ochs ist auf rechts außen ebenso gesetzt und unersetzlich wie Pirmin Schwegler vor der Abwehrkette. Um die beiden weiteren Positionen streiten Selim Teber, Caio und Benjamin Köhler. Köhler schwächelte zwar in der Türkei; für ihn spricht aber die Einsatzmöglichkeit auf links. Teber hat gegenüber Caio Vorteile in der Defensivarbeit, aber deutliche Mängel bei Offensivaktionen. Den einzigen Freistoß gegen Karlsruhe drosch Teber fast über den Begrenzungszaun.

Der Sturm

Das nicht nur von Skibbe ausgemachte Sorgenkind. Im Angriff sind Alexander Meier und Nikos Liberopoulos gesetzt. Nicht nur, weil sie die letzten übriggebliebenen erfahrenen Profis sind. Sondern vor allem, weil sie deutlich besser als die mannschaftsinterne Konkurrenz sind. Dass Skibbe zum Abschluss Nachwuchskräften wie Marcos Alvarez und Juvhel Tsoumou Hoffnung machte, ist redlich und auch als politischer Winkelzug wegen der vielen missglückten Transferbemühungen zu werten. Doch Tsoumou ist der Eintracht in seiner derzeitigen Verfassung keine Hilfe. Alvarez wird immerhin seine Chance bekommen. Fraglich nur, ob er sie auch nutzt. Im Test gegen Oberhausen wusste der 18 Jahre alte Angreifer durchaus zu gefallen. Doch zukünftig warten erstklassige Gegner auf die Eintracht.

Die Bank

Skibbe hat kaum Möglichkeiten, auf durchschlagskräftige Ersatzspieler zurückzugreifen. Wohl auch deshalb hat er die sonntägliche Abrechnung dazu benutzt, um zu warnen und zu mahnen. Viel besser als in der Hinrunde kann es mit der Eintracht im zweiten Saisonabschnitt nämlich nicht werden. Vierundzwanzig Punkte sind mit dieser Mannschaft eine erstaunliche Ausbeute. Doch wenn am Samstag um 15.30 Uhr der 18. Spieltag für die Eintracht angepfiffen wird, kann sie gegen Bremen und auch in der Folge nicht auf Spieler wie Amanatidis, Vasoski und Bajramovic zurückgreifen. Wann zudem Stürmer Fenin zurückkommt, der seit Monaten unter Leistenproblemen leidet, ist gleichfalls fraglich. Die Rückrunde verspricht spannend zu werden.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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