Home
http://www.faz.net/-gzn-7odf6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 14.04.2014, 07:00 Uhr

Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen „Die Ansprüche passen nicht zur Realität“

Im Interview spricht Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen über die Zukunft des Vereins, die Trainersuche und sein persönliches Verhältnis zu Armin Veh.

© Wonge Bergmann Freude bei den Frankfurter Jungs: Die Eintracht beim Saisonfinale 2013, das ihnen den Einzug in die Europa League ermöglicht hat.

Welchen Typ Trainer favorisieren Sie bei der Suche nach einem Nachfolger für Armin Veh?

Ach, wissen Sie, wenn Thomas Schneider beim VfB Stuttgart Erfolg gehabt hätte, dann gäbe es einen Schrei nach einem jungen Trainer für die Eintracht. Und da es nicht so war, hieß es zuletzt, wir brauchen einen routinierten Mann. Die öffentliche Einschätzung von Trainern ist für mich nicht entscheidend. Es geht darum, wie er die vorhandene Mannschaft analysiert und welche eigenen Ideen er einbringt.

Wovon lassen Sie sich bei der Wahl leiten?

Vom Gefühl, von Gesprächen und Gesprächsinhalten. Aber es gibt ja keinen Kandidaten, den ich nicht beurteilen könnte – mal abgesehen von den wenigen, die ich nur per Handschlag kenne. Wenn mir zum Beispiel einer André Breitenreiter vom SC Paderborn empfehlen möchte, dann kann ich sagen: Den habe ich 1993 schon als Spieler von Hannover 96 zum Hamburger SV geholt, den kenne ich ganz gut. Das ist der Vorteil der frühen Geburt.

Ist es anspruchsvoller, einen Trainer zu verpflichten als einen Spieler?

Auch eine Trainerverpflichtung ist ein normaler Vorgang. Es wird halt immer nur eine Riesenschau darum gemacht.

Sie sind ein Anhänger von Einjahresverträgen bei Trainern. Gilt diese Linie auch für die nächste Saison?

Nicht unbedingt. In den zehn Jahren vor meinem Beginn hier hatte die Eintracht vierzehn Trainer, und deshalb gab es bei mir nur Einjahresverträge. Aber inzwischen traue ich dem Verein zu, auch einen Dreijahresvertrag abzuschließen – einfach, weil er eine ganz andere Stabilität hat als früher.

Wie meinen Sie das?

Der Verein ist solide aufgestellt: Vorstand, Aufsichtsrat, Sportliche Leitung – das ist eine Linie. Es gab zum Beispiel keine Differenzen zwischen mir und Armin Veh, nicht im Ansatz. Es gab die gleiche Art der Betrachtung, auch die gleiche Ironie. Wir verstehen uns vom ersten Tag an ausgezeichnet.

Empfinden Sie es als Niederlage, dass Sie Veh nicht halten konnten?

Nein, da konnte ich nichts machen. Ich wusste gleich, dass ich seine Gründe zu respektieren hatte.

War er ein Glücksfall für den Klub?

Er hat uns ohne Zweifel gutgetan, und ich hätte ihn gerne länger bei uns gesehen. Wie er die Mannschaft nach dem Abstieg geformt hat, ist aller Ehren wert.

Wie haben Sie beide sich zusammengerauft, oder waren alle Reibereien von beiden Seiten jeweils Berechnung?

Er macht immer mal spöttische Bemerkungen, das kann er wunderbar. Er hat einen eigenen Humor, der von Ironie geprägt ist, ich habe meinen. Aber Ihr Eindruck ist falsch, es gab nicht einen wirklichen Konflikt, der an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Unser Umgang war jederzeit intensiv und absolut professionell auf der sportlichen Ebene. Eine private Freundschaft hat es bei mir nur einmal gegeben, mit Hermann Gerland in Bielefeld. Und als ich ihn entlassen musste, war es ein ganz schwerer Moment für beide. Auch bei Friedhelm Funkel, der fünf Jahre in Frankfurt war, gab es das deswegen nicht. Freundschaften entwickeln sich heute für mich immer nach einer Zusammenarbeit. Aber das A und O bleibt in der Trainerfrage so oder so immer die Kontinuität. Es würde mir zum Beispiel nie passieren, dass ich über einen Trainer, für den ich mich einmal entschieden habe, etwas Negatives sage, nicht einmal in der vertrautesten Runde. Der Trainer genießt immer höchste Autorität.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eintracht-Spieler Flum Ich habe kaum noch Beinmuskulatur

Johannes Flum macht auf dem langen Weg zurück kleine Fortschritte. Der Fußballprofi würde nach seiner Genesung gerne weiter in Frankfurt spielen – auch, weil er den Trainer neu schätzen gelernt hat. Mehr Von Jörg Daniels

29.01.2016, 08:22 Uhr | Rhein-Main
Tennis Profi-Spiele sollen manipuliert worden sein

Mehrere Top-Spieler sollen nach Medienberichten ihre Partien manipuliert haben. Trotz entsprechender Hinweise, hätten die Verantwortlichen der Tennis-Verbände nicht reagiert. Mehr

18.01.2016, 15:27 Uhr | Sport
Eintracht Frankfurt Soforthelfer in den Startlöchern

Integration muss keine Frage von Wochen oder Monaten sein: Für Ben-Hatira und Regäsel könnte es bei der Eintracht ganz schnell gehen. Auch Ayhan wittert seine Chance. Mehr Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt

04.02.2016, 06:02 Uhr | Rhein-Main
Quiz zum Dschungelcamp 2016 Ich esse auch privat Schnecken oder Steak

Die Dschungelcamper kündigen allerlei an für ihren Erlebnisurlaub in Australien. Aber was haben sie wirklich so gesagt – und was ist erfunden? Raten Sie mal! Mehr Von Julia Bähr

15.01.2016, 17:18 Uhr | Feuilleton
Eintracht Frankfurt Können nicht lächelnd absteigen

Der Eintracht droht ein Abrutschen auf den Relegationsplatz. Trainer Veh will es mit einer Mischung aus Kampfgeist, Fleiß und intensivem Training verhindern. Mehr Von Marc Heinrich, Frankfurt

10.02.2016, 06:16 Uhr | Rhein-Main

Um die Würstchen

Von Matthias Alexander

Wer möchte, dass es gelegentlich auch Würstchen mit Schweinfleisch gibt, die in der Tat vielen Kindern besonders gut schmecken, der sollte sich dafür in der betreffenden Einrichtung einsetzen. Unter mündigen Bürgern wird sich eine Lösung finden. Mehr 36